Russula fragilis?

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 414 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (10. Juni 2024 um 08:42) ist von Corinne.

  • Hallo zusammen,

    gestern fand ich auf dem Dorfanger diesen Täubling.

    Bevor ich starte, möchte ich zum besseren Verstehen folgendes sage: Ich habe weder einen Pilzkurs noch ein Täublingsseminar besucht. Ich bin Autodidakt. Das Lesen fällt mir sehr schwer, sodass ich leider in meinen Täublingsbuch nicht nachschauen kann. Nun hat sich mein lieber Mann bereit erklärt, mir mit dem Lesen zu helfen.

    Fundort: Wiese, Gras, mooriger Boden (früher) also saure Erde, gern sandig

    Größe: ca. 3 cm hoch,

    Hut: Durchmesser ca. 3 cm, cremeweiß bis graurosa, Rand gerieft, Huthaut nur wenig abziehbar, ca. 1/3 tel

    Stiel: weiß, Basis keulig, innen hohl gekammert,

    Lamellen: cremeweiß, untermischt, hin und wieder gegabelt, Schneiden glatt

    Geruch: obstartig,

    Geschmack: ein wenig scharf, hinterläßt auf der Zunge ein pelziges Gefühl, im Nachgang wirds scharf auf der Zunge in Verbindung mit Sauerstoff,

    Begleitbäumen: Buchen, Eichen,

    Sporenpulverfarbe: (mein Problem) entweder IIIc oder IV a, was seht Ihr da?

    Der ganze Fruchtkörper ist sehr zerbrechlich und fühlt sich an wie Wachs.



    Ich hatte erst Russula fragilis in Verdacht. Bis wir bei Einhellinger gelesen haben, dass die Lamellenschneiden gesägt sein sollten. Dann wäre es R. fragilis. Sie sind aber glatt. Leider kann ich nicht mikroskopieren. Da wollte ich mich aber nicht auch noch reinknien müßen.


    Es wäre schön, wenn mir die Spezialisten was dazu sagen könnten. Lieben Dank im Voraus.

  • Liebe Murmel

    Danke fürs Zeigen deines Fundes.

    R. fragilis als Weisssporer ( Ib) dürfte hier jedoch eher weniger in Frage kommen.

    Liebe Grüsse

    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben.
    Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Hallo Murmel, Täublinge sind eine Wissenschaft für sich und oft makroskopisch schwer zu bestimmen. Auch das Mikroskop hilft nur bedingt weiter, da viele Sporenbilder sich gleichen sollen, wie ich mal gelesen haben. Besser ist z.B. der Guajak-Test, mit dem ich in diesem Jahr einmal anfangen will, falls es Täublinge gibt, von denen es sehr schmackhafte gibt (die bitteren und scharfen scheiden ja ohnehin automatisch aus). Aber auch die chemischen Testmethoden haben ihre Macken--Das Thema war auch schon Gegenstand im Forum: Täublingsbestimmung und die Anwendung von Reagenzien (KOH 40%, Guajak, Eisensulfat und Phenol)

    Beste Grüße Henry

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    Meine Fotos sind alle gemeinfrei und dürfen für persönliche Zwecke verwendet werden. Es gelten die üblichen Zitierregeln. Bei Weiterreichung bzw. Verwendung für kommerzielle und nichtkommerzielle Publikationen bedarf es einer persönlichen Abstimmung.

  • Lieber Henry, Liebe Interessierte

    Bei den Russulas kommt man, wie ich selber erfahren musste, meistens um mikroskopische Analyse nicht herum.

    Primär ist die Erhebung der SPP und des Geschmacks wichtig um in die entsprechenden Sektionen zu gelangen. Wichtig für die Erhebung der SPP Farbe ist zudem, dass man das Häufchen mit einem glatten Glasplättchen (zum Beispiel einem Objektträger) zusammendrückt, damit diese klar ersichtlich wird.

    Die Guajak Reaktion kann zur Bestimmung beigezogen werden, hat auf die Täublingsbestimmung jedoch keinen allzu grossen Stellenwert und oft genügt es, damit zu Ermitteln ob eine Reaktion erfolgt oder ausbleibt. Siehe auch die Kommentare in diesem Beitrag:

    https://www.pilzforum.eu/board/thread/66927-frauentäubling-schnelle-guajak-reaktion/

    Um eine mikroskopische Untersuchung kommt man hingegen bei vielen Arten nicht herum, wie zum Beispiel bei den Griseinae Arten.

    Die Sporenornamente können durchaus sehr differenziert ausfallen, bei den Russulas müssen diese einfach in Melzer angeschaut werden. Was auch sehr wichtig und für eine Unterscheidung prägnant ist, sind die Epikutishaare und die Pileozystiden, welche für Täublinge in der HH angeschaut werden.

    Beste Grüsse und viel Freude bei der Bestimmung der äusserst spannenden Täublingen

    Corinne

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  • Hallo Henry,

    wem an Täublingen vor allem der Verzehrwert interessant scheint, sollte folgende sieben gut bis sehr gut kenntliche und zudem leckere Täublinge nach Art einer Positivliste auswendig lernen (was schwierig genug ist) statt hin- und herzubestimmen, und sich beim Sammeln darauf konzentrieren:

    - Frauentäubling

    - Grüngefelderter Täubling

    - Fleischroter Speisetäubling

    - Grüner Speisetäubling

    - Wieseltäubling

    - Orangeroter Graustieltäubling

    - Brauner Ledertäubling

    Aus dieser Liste findet sich zu jeder Zeit in jedem Wald etwas Verwertbares.

    Dagegen Chemie-Einsatz bei zum Verzehr gedachten Täublingen, na ja... merkst du selber, oder?;)

    Im Übrigen haben die chemischen Testmethoden keine Macken, sondern das ist alles wohlerforscht. Sie müssen halt richtig angewendet werden, und das kriegt nicht jeder auf Anhieb richtig hin. Aber der Fehler liegt deshalb nicht in den Methoden.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Ihr Lieben und vielen Dank für die hilfreichen Ratschläge. Ich wollte nicht die Methoden schlechtmachen, aber offenbar haben auch viele damit Probleme, was nicht an den Methoden liegen muss. Natürlich brauch man auch dafür genügend Erfahrung. Ich habe in den Jahren gelernt, mich so ungefähr zu orientieren und kosten muss man bei Täublingen ohnehin. Und dann werden sogar noch neue Arten entdeckt, Wegen der Brüchigkeit haben wir mindestens 25 Jahre keine Täublinge mitgenommen, aber jetzt rückt die Bestimmbarkeit eben mehr in den Vordergrund. Den braunen Ledertäubling kenne ich ganz gut ohne jede Methode und einige andere auch. Sie sind standorttreu und man findet sie jedes Jahr, oft immer z.B. zwei Stück oder auch mehr an derselben Stelle. Letztes Jahr habe ich offenbar erstmalig den Rissigen Frauentäubling Russula Cuterfracta gefunden (stelle ihn hier noch einmal ein) und war begeistert von der Rohprobe. Den Wieseltäubling konnte ich noch nie finden, aber es gibt hier keine Fichtenwälder. Vielleicht im Harz, aber dort sterben die Wälder gerade massiv ab usw.

    Beste Grüße aus Anhalt Henry

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  • Lieber Henry

    Danke herzlich für deine Erläuterungen.

    R. mustelina habe ich bis anhin auch nur im Gebirge gefunden.

    Toll, R. cuterfracta ist ein schönes Exemplar, er wird ja als Variante des cyanoxantha geführt und wohl keine eigene Art. Ich habe diesen erst einmal gefunden und schaue jetzt stets am Fundort für weitere Exemplare. Ich würde mich über deine Aufnahmen sehr freuen.

    Was ich häufig finden darf, sind die grüngefelderten /R. virescens, dieser ist einer meiner Lieblinge, auch betreffend des Speisewerts und sehr einfach zu bestimmen. Auch sie sind glücklicherweise sehr standorttreu.

    Beste Grüsse

    Corinne

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    Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.