Weitere Funde Juni 2024 aus „Mittelelbien“

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 625 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (21. Juni 2024 um 22:00) ist von Mykolologe.

  • Hallo liebe Pilzfreunde,

    was für schöne Bilder kommen derzeit im Forum aus Gegenden mit mehr Regen. Da freut man sich richtig mit. Wir hier müssen noch kleinere Brötchen backen, aber trotzdem wachsen mehr Pilze, ob in der Natur oder im Siedlungsbereich:

    1.Viele Champignons auf Rasenflächen, oft schon vertrocknet oder zu tellergroßer Ausführung herangereift.

    2.Die ersten Riesenschirmlinge – Riesenschirmpilz (Macrolepiota procera) im hohen Gras. Auf naturnaher Wiese hinter einer Sporteinrichtung ein zweiter, Hutdurchmesser 16 cm. Dachte erst an den Zitzen-Riesenschirmling, aber der genatterte Stiel weist ebenfalls auf einen Parasol hin. (Stimmt das ?) (Bilder 1 und 2).

    Bild 1

    Bild 2

    Stand auf magererem sandiger Boden. Hier wachsen auch die spezialisierte Gelbe Skabiose Scabiosa ochroleuca und das Berg-Sandglöckchen Jasione montana (Ist das ein Bockkäfer in Bild 4?), Bilder 3 und 4.

    Bild 3

    Bild 4

    3.Die Rallye bei den Netzstieligen Hexenröhrlingen Suillellus luridus auf karger Wiese im Stadtgebiet geht weiter, jetzt sind es schon über 50. Die letzten acht waren nur leicht im Stiel madig. (Bilder 5 bis 7). Bild 7 zeigt den Schnitt durch einen von zwei zusammengewachsenen Pilzen.

    Bild 5

    Bild 6

    Bild 7

    4. Rasenfläche im Neubaugebiet – Dutzende von Karbolegerlingen (Bilder 8 und 9).

    Bild 8

    Bild 9

    5. Diese 4 cm hohen, fleischigen Pilze (Bilder 10 bis 13) mit sympathischem braunem Hute (4 cm Durchmesser) und relativ dickem weißem Stiel konnte ich noch nicht einordnen. Sie standen unter einer Stileiche am Parkplatz und auf einer Wiese in der Nähe von Laubbäumen und waren trocken, sehr fest und nicht brüchig. Teilweise ist der Hut eingerollt und gerändelt. Die Lamellen sind wellig, am Stiel gegabelt und gleichmäßig angewachsen wirken weißlich bzw. leicht nachdunkelnd. Ein kleiner „Graben“ ist erkennbar. Der Geruch war kaum wahrnehmbar, der Geschmack mild und wenig spezifisch. Die Pilze erinnert mich an Ritterlinge (Tricholoma sejunctum ?), aber die sollen mehr Gelbtöne besitzen und auch selten sein. Die Sporenfarbe ist Weiß.

    Bild 10

    Bild 11

    Bild 12

    Bild 13

    6. Der erste „horizontal wachsende Baumpilz“ (9 cm lang) an einem Stubben in einem stark ausgelichteten Kiefernwald. Die Unterseite wirkte frisch, der Geruch war fruchtig-säuerlich. Der Druck mit dem Finger bewirkte eine sichtbare Druckstelle. Im Gegensatz dazu eine schon krümegelige Oberseite wie bei einer sehr alten Rötenden Tramete (Porenform passt aber nicht). Die Poren waren sehr fein rundlich-oval strukturiert (Bilder 14 bis 16). Die Sporenfarbe (sehr schwache Sporenbildung) war Weiß.

    Bild 14

    Bild 15

    Buld 16


    Beste Grüße aus Anhalt Henry

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    Meine Fotos sind alle gemeinfrei und dürfen für persönliche Zwecke verwendet werden. Es gelten die üblichen Zitierregeln. Bei Weiterreichung bzw. Verwendung für kommerzielle und nichtkommerzielle Publikationen bedarf es einer persönlichen Abstimmung.

  • Hallo

    Die 5 sieht nicht nach einem Tricholoma aus, aus der ferne eher Richtung Russula.

    BG Andy

  • Hallo Andy, das war auch mein allererster optischer Eindruck, hatte aber noch nichts in der Literatur gefunden und war deshalb Richtung Reizker gewechselt. Wenn Täubling, dann müsste es ein sehr stabiler sein, der nicht gleich zerbröselt. Gruß Henry

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  • Hutdurchmesser 16 cm. Dachte erst an den Zitzen-Riesenschirmling, aber der genatterte Stiel weist ebenfalls auf einen Parasol hin. (Stimmt das ?)

    Mir wurde einmal als Antwort auf einen Youtube-Kommentar auf dem Kanal der Bayerischen und Österreichischen Mykologischen Gesellschaft mitgeteilt, dass die rein optische Bestimmung solcher Schirmlinge auf Artebene schwierig sein kann. Nur wenn der Hutdurchmesser wirklich sehr groß ist (25-30cm) kann man wohl relativ sicher einen Parasol annehmen. Für kleinere Hutdurchmesser braucht man zusätzliche Merkmale, wie Sporenpulver oder Schnittbild. In Frage kommen dann wohl z.B. Macrolepiota rhodosperma, Macrolepiota fuliginosa und Macrolepiota permixta. Es gibt scheinbar wohl auch eine rötende Art mit Natterung.

    Ohne Gewähr!

    Alle meine Aussagen in diesem Forum sind nur als Bestimmungshilfen und keinesfalls als Verzehrfreigabe zu verstehen.

  • Hallo Henry,

    Dachte erst an den Zitzen-Riesenschirmling, aber der genatterte Stiel weist ebenfalls auf einen Parasol hin

    Vollkommen korrekt müsste es eher lauten: "Der genatterte Stiel weist auf einen Riesenschirmling (Gattung: Macrolepiota) hin.

    Wie bereits bemerkt, ist das mit dem Parasol im engeren Sinn gar nicht mal so einfach. Zumindest den Ring würde ich erst einmal sehen wollen. Ich bin mal so frei und verlinke Lektüre hierzu https://www.pilzforum.eu/attachment/235…olepiota-1-pdf/

    Dein Pilz #5 ist wunderlich. Also Tricholoma sejunctum s.l. würde ich bei diesem Habitus ausschließen wollen, den kenne ich anders. Das sollte aber schon ein Täubling sein. Schaut euch die fehlenden Zwischenlamellen an, so wäre kein Ritterling oder Milchling gebaut. Nach einigem Überlegen und ausschließen, halte ich nach den Angaben die du gibst den Grünen Speisetäubling Russula heterophylla für den besten Tip. Der Hut darf durchaus solche Brauntöne entwickeln, er muss nicht unbedingt grün sein! Die typisch vor dem Stiel regelmäßig gegabelten Lamellen sind auch vorhanden.
    Wenn du den Pilz noch hast schmiere doch einfach Eisen(II) sulfat auf die Stielrinde (solte augenbilcklich lachsorange werden) oder suche im Mikroskop nach sehr kleinen, lose gesprenkelt-flachwarzigen amyloiden Sporen, bzw. nach crins (langen, schmalen Rosshaaren) in der Huthaut.

    VG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

    2 Mal editiert, zuletzt von Steigerwaldpilzchen (16. Juni 2024 um 15:19)

  • Hallo Ihr Lieben, ich danke Euch für die Hinweise, auch für die Literaturquelle zu den Riesenschirmlingen. Den Parasolpilz haben wir über Jahrzehnte "unbesehen" gesammelt, aber man hat inzwischen gelernt, genauer hinzusehen und mal wieder erweist es sich als Wissenschaft. Das Leben ist hart. Bezüglich der Nummer 5 (Bilder 10 bis 13) kann ich sagen, dass ich den Grünen Speisetäubling Russula heterophylla schon einmal im Blick hatte, aber die Sporenfarbe ist bei diesem nicht weiß, der Geschmack ist nussig und schärflich bei den Sporen, was ich nicht feststellen konnte. Allerdings machten die Fundpilze einen relativ trockenen Eindruck. Vielleicht liegt es daran. Ein Reizker ist es wirklich nicht. Sorry. Liebe Grüße Henry

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  • Hallo Ihr Lieben, ich danke Euch für die Hinweise, auch für die Literaturquelle zu den Riesenschirmlingen. Den Parasolpilz haben wir über Jahrzehnte "unbesehen" gesammelt, aber man hat inzwischen gelernt, genauer hinzusehen und mal wieder erweist es sich als Wissenschaft. Das Leben ist hart. Bezüglich der Nummer 5 (Bilder 10 bis 13) kann ich sagen, dass ich den Grünen Speisetäubling Russula heterophylla schon einmal im Blick hatte, aber die Sporenfarbe ist bei diesem nicht weiß, der Geschmack ist nussig und schärflich bei den Sporen, was ich nicht feststellen konnte. Allerdings machten die Fundpilze einen relativ trockenen Eindruck. Vielleicht liegt es daran. Ein Reizker ist es wirklich nicht. Sorry. Liebe Grüße Henry

    Hallo

    Die Tipps von Thiemo in Bezug zu den Sprödblättern -> Russula und Lactarius kannst du ihm getrost glauben. Er hat bestimmt mehr FK bereits analysiert als wir beide zusammen ;) BG Andy

  • Hallo Andy, das mache ich jetzt auch, nachdem ich in anderer seriöser Quelle die Sporenfarbe Weiß gefunden habe und nicht Hellgelb. Leider findet man gerade im Internet viele Fehler. Auch ist festzustellen, dass die deutsche Bezeichnung Grün bei Pilzen wirklich dehnbar ist.:S Beste Grüße Henry

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  • Hallo zusammen,

    Vielleicht noch mal kurz zum Grünen Speisetäubling.
    Das hier ist er übrigens in braun:




    Die Sporenpulverfarbe ist bei R.heterophylla 100%ig weiß, das sagen nicht nur alle Täublingsbücher, das konnte ich auch an einem Abwurf verifizieren.

    Bei der Gelegenheit möchte ich nur noch mal betonen, dass ich das für wahrscheinlich gehalten hatte, anhand der Info's die ich aus dem Beitrag lese. Ich bin mir keinesfalls sicher und selbst wenn es ein Speisetäubling wäre müsste man R.heterophylla zudem mikroskopisch gegen R.vesca den es auch in allerlei Farben geben kann absichern.

    Jedoch meitest du:

    der Geschmack mild und wenig spezifisch.

    Bezüglich der Nummer 5 (Bilder 10 bis 13) kann ich sagen, dass ich den Grünen Speisetäubling Russula heterophylla schon einmal im Blick hatte, aber die Sporenfarbe ist bei diesem nicht weiß, der Geschmack ist nussig und schärflich bei den Sporen, was ich nicht feststellen konnte.

    Das verstehe ich nicht ganz. Schmeckt dein gezeigter Fund nun doch scharf, muss man das geschriebene über den Haufen werfen und neu betrachten. Dann kann es kein Speisetäubling sein. Genau so wenn die Sporenfarbe nicht weiß ist. Sollte das ein scharfer Cremesporer sein, kommten die ganzen INGRATE (Stink- und Kammtäubling) in Betracht. Aber ohne jetzt zu wissen welche Angaben nun stimmen halte ich mich mit weiteren Vorschlägen zurück.

    VG Thiemo

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    Einmal editiert, zuletzt von Steigerwaldpilzchen (19. Juni 2024 um 22:49)

  • Hallo Thimo, es ist ganz einfach:

    -Meine Pilze sahen aus wie die auf Deinem Bild. Die Bezeichnung grün war deshalb zunächst für mich verwirrend, sie waren fest und trocken. Standen unter bzw. in der Nähe von Laubbäumen

    -Der Geschmack war sehr mild und nicht schärflich, aber auch nicht besonders pilzig etc., daher war ich in der Bestimmung irritiert.

    -Auf 123Pilzsuche steht bei der Sporenfarbe "Hellgelb". Das ist offenbar falsch bzw. eine Verwechslung mit der der Lamellen, die diese Farbrichtung annehmen können. Es tut mir leid, aber ich hatte zunächst angenommen, die Angabe im Web wäre richtig, was sie aber nicht ist.

    Liebe Grüße Henry

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  • Hallo,


    Danke für die Klarstellung. Es ist bei der Fülle von Arten in der 123Datenbank öfters mal ein Fehler zu finden. Du könntest Wolfgang Bachmeier eine kurze Nachricht schreiben, dann wird der Fehler schnell von ihm verbessert .


    VG Thiemo

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  • O.K. Ich versuche es. Beste Grüße Henry

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