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Sommerhitze 2015 vs. Pilzmyzel

  • Hallo Bambam,


    ich begrüße dich herzlich im Forum und wünsche viel Spaß. Dein Bild zeigt einen Falschen Pfifferling.
    Zu deiner Frage nach dem Myzel und dem Zusammenhang Trockenheit. Bei uns in Mecklenburg war nicht soviel Hitze in den letzten Monaten wie an anderen Orten. Wissenschaftliche Studien über diesen Zusammenhang kenne ich nicht. Aber meine Erfahrung sagt, wenn das Frühjahr sehr trocken war und der Sommer auch nur mäßig Regen brachte, wird sich die Pilzsaison erst im Laufe des September entwickeln und in den Dezember hinziehen, vorausgeetzt es gibt keinen plötzlichen Frosteinbruch. Ich denke, dass das Pilzmycel gar nicht so empfindlich ist wie wir vielleicht glauben. Oft erscheinen nach trockenen Sommern plötzlich interessante Arten.
    Wichtig ist für das Pilzwachstum nicht nur Regen, der muss auch tatsächlich im Boden ankommen, der Boden muss durchfeuchtet sein und warm sollte es natürlich auch sein. Wir haben bei uns zwar in diesem Jahr nicht unbedingt den fehlenden Niederschlag, doch der Wind trocknet sehr schnell den Waldboden und auch die Wiesen wieder aus.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

    Einmal editiert, zuletzt von weisheit ()

  • Hallo Bambam,


    die Pilze, die eine Sybiose mit einer bestimmten Baumart bilden, müssen nicht unbedingt an der Oberfläche erscheinen. das sind ja nur die Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz, das Mycel, ist ja nicht zu sehen. Und mit diesem Pilzgeflecht findet der Austausch von Nährstoffen zum Baum und zurück statt.
    Also, wenn keine Fruchtkörper zu sehen sind, heißt das nicht, dass es dem Baumm besonders gut geht.
    Andere Pilzarten, die keine Symbionten sind, zerstören den Baum oder anderes organisches Material, also sind Parasiten oder Sabrophyten.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Herzlich Willkommen hier, Bambam!


    Ich kann mich an den extrem heißen und trockenen Sommer von 2003 erinnern. Da gab es bis in den September hinein bei uns (in Bayern) praktisch keine Pilze. Und da kam dann auch, nachdem es endlich mal geregnet hatte, keine große Schwemme mehr nach (irgendwie hoffe ich dann ja trotzdem immer drauf, wie auch dieses Jahr, dass die Pilze denken "Boah, jetzt oder nie!", aber das tun sie wohl nicht).


    Aber den Myzelen scheint es trotzdem noch gut zu gehen, denn im Jahr darauf haben sie Fruchtkörper in normaler Menge gebildet.


    Beste Grüße,
    Sabine

  • Hallo.


    Ja, das ist ein sehr spannendes Thema.
    Im Grunde sind Pilzmycelien in der Lage, sich sehr schnell zu regenerieren. Da findet ja ein ständiger Ab- und Aufbau von Mycel statt, auch bei Mykorrhizapilzen. Die sitzen ja nicht nur an den Baumwurzeln sondern durchwachsen auch meterweit den umgebenden Waldboden auf der Suche nach zusätzlichen Nährstoffen und Wasser.
    Also selbst wenn es in diesem jahr nicht mehr reicht um eine größere Anzahl Fruchtkörper zu bilden: Im nächsten Jahr kann das wieder ganz anders aussehen.


    Wenn wir mal bei der Symbiose, der Partnerschaft zwischen Pilz und Baum bleiben:
    Da profitiert nicht der eine Partner mehr als der Andere. Beide sind aufeinander angewiesen und voneinander abhängig. Der Gewinn ist für beide Seiten gleich hoch. Ohne irgendwelche Mykorrhizaverbindungen sind die meisten Waldbäume nicht lebensfähig. Zumindest nicht auf längere Sicht. Die Pilze, die diese verbindungen eingehen, können ebenfalls nicht lange überleben, ohne eine verbindung zu einem Baum.


    Das bedeutet aber auch: Geht es einem Baum gut, geht es auch dem Pilz gut. Sieht man in einem Wald viele Fruchtkörper von Mykorrhizapilzen kann man also davon ausgehen, daß die Bäume auch fit und gesund sind. Berücksichtigen muss man dabei natürlich auch die Zeit, also im Februar gucken verschafft kein gutes Bild. :wink:


    Sieht man kaum Mykorrhizapilze, dann stimmt entweder der Zeitpunkt nicht, oder mit dem Wald, den Bäumen (und ihren Pilzpartnern) ist etwas nicht in ordnung.
    Siehe jetzt im Moment: Viel Wald, fast keine Mykorrhizapilze. Obwohl die Zeit ideal wäre. Klar, die sind ziemlich eingetrocknet, Mycelien mussten sich stark zurückbilden. Als nächstes fallen zwei dinge auf: Dort, wo eigentlich der Waldboden voller Fruchtkörper zwischen dem Laub aus dem letzten jahr sein sollte, sieht man nun: Keine Fruchtkörper und Laub aus diesem jahr, und zwar zum großen Teil grün und flächendeckend. Ein Blick nach oben: Gerade bei den Rotbuchen sieht man in meiner Gegend vor allem an Waldrändern und besonders trockenen Stellen fast kahle Bäume.
    Da ist wirklich was kaputt gegangen.
    Im Radio wurde neulich ernsthaft abstruser Müll verbreitet, von wegen "keine Schäden an der Natur durch die Dürre und Hitze" (O-Ton eines sog. "Experten", der faktisch von Ökologie offensichtlich nicht die allergeringste Ahnung hat). Denn es ist schlicht falsch.
    Schäden sind entstanden, die sich aber größtenteils sicher reparieren lassen, wenn man möglichst nicht eingreift: Also keine idiotischen "Notfällungen" im Winter, insgesamt den Wald möglichst in Ruhe lässt und die Schäden durch Forstarbeiten minimiert.
    Wenn das Wetter sich bessert, erholt sich auch den Wald.
    Man kann da auch nicht trennen: Pflanzen, Pilze und Tiere bilden ein komplexes Netzwerk, das zu gleichen Teilen voneinander abhängig ist.


    Da könnte man nun auch noch was zur Rolle von saprobiontisch lebenden Pilzen und parasitär lebenden Pilzen erzählen, denn auch die erfüllen extrem wichtige Funktionen.
    Aber davon vielelicht ein ander Mal. :wink:



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo,


    also bei uns hier (östlicher Spessart, Unterfranken) war es extrem Trocken (sowohl im Frühjahr als auch im Sommer) mit den entsprechenden hohen Temperaturen. Nachdem es nun am letzten Freitag den ganzen Tag leicht geregnet hatte bin ich nun mal los nach Pilze schauen.
    Also jede Menge herrliche junge 1a Steinpilze gefunden, Rotkappen Birkenpilze und ein paar Pfifferlinge ware auch dabei.
    Es scheint jetzt wieder los zugehen - dem Myzel hat die lange Trockenheit wohl noch nicht geschadet.



    Viele Grüße


    Frank

  • Hallo Frank,
    die Fotos sind Klasse. Wir waren am Wochenende auch im Wald und haben unsere Steinpilzstellen ab gekappert. Keinen einzigen gefunden. Okay unsere Pfifferlingsernte war auch nicht schlecht, aber über einen Steinpilz oder einer schönen Rotkappe könnte ich mich auch freuen.
    Dir noch eine schöne Zeit Grünheidi

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