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Zwei interessante Rätsel

  • Liebe Pilzfreunde,


    kürzlich hatte ich ein ähnliches Erlebnis wie Thomas (Beachwolle), den ich hiermit herzlich grüße, nämlich ein Massenvorkommen von weißen Pilzen auf mehreren abgeernteten Maisfeldern. Leider hatte ich weniger Glück als Thomas, weil es keine Champignons waren. Und weil es in meiner Gegend (etwas überspitzt ausgedrückt) seit 4 Jahren keine Pilze mehr gab, wollte ich mal wieder eine Bestimmungsübung mithilfe meiner Pilzliteratur durchführen. Das sollte eigentlich keine große Sache werden, denn rein weiße Pilze gibt es ja eigentlich nicht so viele. Nach überraschend langwieriger Suche - ich bin wohl inzwischen etwas außer Übung - kam ich schließlich zur Lösung. Weil es so schön war, führte ich auch noch eine Bestimmung mit unserer 1-2-3-Suchmaschine durch. Nach sorgfältiger Eingabe aller Merkmale blieb tatsächlich nur noch diese einzige Pilzart übrig, der Rosablättrige Egerlingsschirmling (Leucoagaricus leucothites). Das hat mich wieder einmal davon überzeugt, dass wir hier ein großartiges Bestimmungswerkzeug zur Verfügung haben. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich alle Merkmale des Pilzes genau einprägt, die Gebrauchsanleitung der Suchmaschine sorgfältig liest und anwendet. Dann führt die Bestimmung nach 3 Minuten zum Ziel, statt nach 3 Stunden mit Buch. Anbei seht ihr das Foto des Pilzes, den ich übrigens zuvor noch nie gefunden habe.


    Bild 1 (Aufnahmedatum 09.09.18)


    Als zweites möchte ich ein Bild zur Disposition stellen, das ich erst vor kurzem näher betrachtet habe. Die pilzähnlichen Gebilde an Beeren und Stängel am Fruchtstand des Gefleckten Aronstabes (Arum maculatum) irgendwie zu identifizieren, ist mir bis jetzt nicht gelungen. Da wäre ich jetzt auf Vorschläge aller Art seitens unserer Mitglieder angewiesen. Hinweis an Pablo (den ich hiermit ebenfalls herzlich grüße): Bei Jule's Phytoparasiten bin ich nicht fündig geworden. Auch unsere Suchmaschine hat bisher keine Lösung ergeben. Zur Größeneinordung: Die orangeroten Beeren haben einen Durchmesser von 5-6 mm.


    Bild 2 (Aufnahmedatum 26.08.17)


    Falls an meinem Beitrag irgendetwas (Text, Bild, etc.) nicht geklappt haben sollte, liegt es daran, dass ich seit dem Homepage-Umbau nicht mehr hier war. Ich versuche es dann nachträglich zu korrigieren.


    Mit herzlichen Grüßen

    Wolfgang


  • Hallo, Wolfgang!


    Daß du die hübschen kleinen Dingens am Aronstab bei Jule nicht gefunden hast, überrascht mich eher nicht, denn das sind gar keine Pilze, sondern ein Myxomycet (Schleimpilz).
    Der greift auch die Pflanze nicht an, sondern nutzt sie nur als praktische Basis zur Sporocarpienbildung: Erhöhter Standort für bessere Sporenverbreitung.
    Dürfte ein grund sein, warum der Aronstab auch ansonsten ganz gesund und munter aussieht.

    Was für ein Schleimpilz das ist, kann ich nicht sagen, das wird auch hier vermutlich nur mikroskopisch sauber bestimmbar sein.
    Da der aber reif ist, wäre das vielleicht sogar ein interessanter Fall für eine Myxospezialistin wie zB Ulla Täglich. Müsste man halt den Fruchtstand des Aronstabes abmachen und trocknen, mit den Myxos dran, dann ist der Beleg konserviert und kann auch später noch untersucht werden.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Wolfgang,


    schön, hier wieder etwas von dir zu hören/lesen! Ich vermutete schon, daß du im Zuge der "Veränderungen" dem Forum, wie so viele andere, ebenso verloren gegangen warst. Auch daher herzliche Grüße zurück!:)


    Ja, mit den Champis ist das dieses Jahr echt irre. Vor allem, weil sonst ja nicht so wirklich viel los ist, mit Ausnahme hier vom ebensolchen Massenauftreten der Krausen Glucken (21 in 5 Stunden).

    Ich möchte nicht wissen, wie viele Tonnen von deinen Funden im Laufe der Jahrhunderte als "Wiesen Champignons" in den Körben und Mägen gelandet sind. Und, es hat den Menschen auch geschmeckt!

    Ich denke, daß die Beurteilung ungenießbar oder gar giftig wohl hauptsächlich prophylaktisch der akuten Verwechslungsgefahr mit dem Knolli geschuldet ist.


    Deine Aufnahme von den Schleimis ist wieder einmal eine Augenweide, lässt sich für eine nähere Bestimmung aber leider nicht ausreichend vergrößern. Trotzdem möchte ich mal als Idee, der Größe und Form wegen, den Arcyria "in den Ring werfen". Vielleicht der Arcyria Cinerea oder Graue Kelchstäubling. Ist jedoch wegen fehlender Details nur eine grobe Schätzung.

    Vergleiche mal selbst:

    arcyria_cinerea.html

    oder hier:

    Grauer Kelchstäubling: Standorte und Lebensräume


    LG Thomas

  • Hallo Thomas,


    verloren gegangen bin ich in dem Sinn nicht, sondern ich bin während der warmen Jahreszeit zu meinem Hobby Nr. 1, der Botanik, übergelaufen. Trotzdem hab ich immer wieder mal hier reingeschaut und war ziemlich beeindruckt, wie du als einer von wenigen dem Forum die Stange gehalten hast! Zeitweise war die Anzahl an Beiträgen und aktiven Mitgliedern schon sehr überschaubar, um nicht zu sagen, das Forum war am veröden.


    Mit den Champignons hast du sicher recht, dass da früher alles mögliche gegessen wurde. Mein Vater, dem ich die Liebe zur Natur und auch meine ersten Pilzkenntnisse verdanke, hat jahrzehntelang ohne tieferes Detailwissen die Pilze gesammelt, und sie haben uns einfach geschmeckt. Dass da auch mal ein Karbolegerling oder Egerlingsschirmpilz dabei war, ist nicht ganz auszuschließen, aber wir habens überlebt. Und ein Weißer Knollenblätterpilz, behaupte ich mal, würde nie im Leben auf einem abgeernteten Feld oder einer gedüngten Wiese wachsen. Wenn das so wäre, hätte sich das bestimmt auch bei unseren Vätern und Urvätern rumgesprochen. So blöd waren die auch nicht.


    Der Graue Kelchstäubling (Arcyria cinerea) ist genau der Hinweis, auf den ich gehofft habe. Das hört sich sehr gut an und kommt auch optisch meinen Schleimpilzen auf Aronstab sehr nahe. Mal sehen, vielleicht recherchiere ich noch etwas in diese Richtung weiter, ansonsten wird er einfach unter diesem Namen ins Archiv geschrieben :)


    Ich kann mich noch gut an deinen Beitrag über links- und rechtsdrehende Weinbergschnecken erinnern und hoffe, dass es bald mal wieder so einen interessanten Bericht von dir gibt. Würde mich sehr freuen.


    Mit herzlichen Grüßen

    Wolfgang

  • Hallo, Wolfgang!


    Mal sehen, vielleicht recherchiere ich noch etwas in diese Richtung weiter, ansonsten wird er einfach unter diesem Namen ins Archiv geschrieben :)

    Und wenn die falsch beschrifteten Bilder dann irgendwann im Netz auftauchen, gibt es eben ein paar fehlbestimmte Schleimpilzbilder mehr. :wink:
    Macht bei der Masse in der Tat keinen großen Unterschied mehr.

    Arcyria cinerea hat weder einen weißen Stiel, noch ein schwarzes Köpfchen, sondern ist mehr oder weniger einheitlich grau bei Reife. Und reif sind die Sporocarpien deines Fundes, da macht es auch wenig Sinn, mit Bildern unreifer Myxos zu vergleichen (siehe Links oben).

    Ich würde persönlich eher mikroskopieren, Expertenrat einzuholen, oder was unspezifisches als Titel dran zu schreiben.



    LG, Pablo.

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  • Hallo Pablo,


    tja, manchmal muss man sich eben besondere Methoden einfallen lassen. Ich musste dich auch früher schon öfter mal mit eigenmächtigen Bestimmungen aus der Reserve kitzeln, um von der Diagnose "nur mikroskopisch zu bestimmen" doch noch einen konkreten Bestimmungsvorschlag von dir zu erhalten. Und die waren dann, behaupte ich mal, zu 99% korrekt. Ist das nicht ziemlich pfiffig von mir? :)


    Mit freundlichen Grüßen und größtem (!) Respekt vor deiner Fachkenntnis

    Wolfgang

  • Hallo, Wolfgang!


    Schon, zumal Nachhaken oder mal eine Idee präsentieren nie verkehrt ist.

    Ich fürchte nur leider, ich kann in dem Fall nicht mehr helfen als zu sagen, was es meiner Ansicht nach nicht ist.
    Auch wenn eigentlich eher ungern (weil ich diesem Forum gerne mehr Traffic verschaffen würde): Du hast >hier< gute Chancen auf Kommentare von sehr soliden Myxo - Spezialisten.

    Jan-Arne oder Ulla zum beispiel haben auf dem Gebiet einen viel besseren Blick als ich...



    LG; Pablo.

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  • Hallo, Wolfgang!


    Finde ich auch nachvollziehbar, wobei die zulässigen Größen inzwischen deutlich erhöht sind (4,6MB, glaube ich). Nur die Möglichkeit, so zu einer Einschätzung zu kommen, wollte ich dir nicht nehmen.
    Es wäre idealer, wenn auch hier mal die Cracks reingucken würden, ist aber vermutlich auch bei denen eine Zeitfrage...



    LG; Pablo.

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  • Hallo Pablo,


    finde ich auch sehr nett von dir, mir den Link auf die Schleimpilz-Spezialisten zu geben. Ich war tatsächlich heute mal für einige Zeit im Pilzforum.eu unterwegs und hab mir diverse Beiträge angeschaut. Dort wird ja wirklich geschrieben wie wahnsinnig, was eigentlich gut ist für ein Forum - es wird nicht langweilig und die Antworten treffen im Minutentakt ein (nach einer halben Stunde hat mir schon der Kopf geraucht von den vielen Informationen, aber das ist mein Problem :) )


    Tja, und hier wartet man eher tagelang auf eine Reaktion. Was dort zu viel ist, ist hier zu wenig. Eigentlich war das auch schon Anfang des Jahres so, als ich hier eingestiegen bin. Wie man das ein wenig ausgleichen könnte, weiß ich allerdings auch nicht. Du hast ja auch schon angedeutet, dass hier etwas mehr traffic gefragt wäre.


    Was mir gar nicht in den Kopf gehen will, ist, wie du für mehrere Foren als Moderator tätig sein kannst, ohne einen Psychiater zu brauchen. Praktisch jeder Thread enthält einen Beitrag von dir, und zwar einen richtig fundierten, durchdachten und kompetenten Beitrag. Egal, ob die Anfrage von einem Profi oder einem absoluten Anfänger kommt, ob mit guten oder schlechten Fotos, vollständigen oder lückenhaften Angaben zur Bestimmung. Obwohl ich ein geduldiger und ziemlich ruhiger Mensch bin - ich glaube, ich könnte das nicht!


    Mit herzlichen Grüßen

    Wolfgang

  • Hallo, Wolfgang!


    Ja, da sagst du was Richtiges... :wink:

    Das eu-Forum ist halt mein Stammforum, da hat alles angefangen für mich. Es gibt so gewisse Phasen im Herbst, da platzt es aber wirklich aus allen Nähten und etwas mehr Verteilung wäre ganz schön.
    So viel Stress ist es aber auch nicht, gerade hier im Forum ist das Moderieren sehr entspannt und nicht viel zu tun. Was auch an dem ruhigen, angenehmen Ton und den Leuten hier liegt, wo es selten mal zu Spannungen kommt, wo man moderatorisch irgendwie mit umgehen muss.


    Und irgendwie ist es gerade auch schon, daß so langsam wieder Pilze auftauchen in den Foren, nach einer gefühlten Ewigkeit Sahara - Klima, das anscheinend den Pflanzen hier in der Gegend mehr zusetzt, als den Pilzen.



    LG, Pablo.

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