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Weißes Judasohr

  • Hallo,


    bei 123pilze steht "Judasohren in der Farbe “Weiß” = Weißes Judasohr (AURICULARIA AURICULA-JUDAE VAR. LACTEA) sind eine besondere Form des braunen Judasohrs. Diese farbliche Variation wird durch Umwelteinflüsse verursacht und ist nicht artspezifisch bedingt!"


    Weiss jemand um welche Umweltbedingugen es sich handelt? Ich möchte dies im Biologie-Unterricht gerne als Beispiel für MODIFIKATION bringen, müsste aber mehr Hintergründe haben um sicher zu sein dass es sich effektiv um Modifikation und nicht etwas anderes handelt.


    Viele Infos findet man ja nicht dazu.


    VG

  • Ahoi!


    "Durch Umwelteinflüsse verrursacht..."

    Steht da eine Quelle dabei? Ich fürchte, das ist in wirklichkeit nicht so einfach. Ich kenne diese komplett farblosen Judasohren nur von einem Freund, der sich den entsprechenden Ast sogar mal mit in den Garten genommen hat. Mit äußeren Einflüssen (Wetter, Standort, Substrat) hatte das definitiv nichts zu tun: Die wuchsen bei passendem Wetter (ausreichend feucht) immer wieder und waren jedes Jahr wieder weiß.

    Das kann mal durch Umwelteinflüsse passieren, dann wäre es aebr nicht konstant. Soll heißen: Das selbe Mycel (also der selbe Organismus) produziert einmal weiße, und beim nächsten Mal wieder normal braune Fruchtkörper. Wenn der selbe Organismus (also das selbe mycel) aber immer wieder nur weiße Fruchtkörper produziert, dann liegt die Ursache tiefer. Wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe, müsste man dann schon von einer Mutation sprechen, oder? Das kann eine genetisch fixierte Abweichung sein (bei gleichzeitiger sexueller Kompatabilität mit normal pigmentierten Orgaanismen der selben Art, also "Albinismus"), teils soll es das bei Pilzen aber auch durch einen chronischen Befall eines Mycels durch Viren geben. Um das festzustellen (ob physiologischer, genetisch fixierter Albinismus oder pathologisch durch Virenbefall) müsste man aber wohl das Mycel selbst genetisch untersuchen.
    Albinismus, bzw. Formen mit genetisch fixiertem Pigmentverlust kommen bei Pilzen aber bei sehr vielen Arten or.
    Das sind teils aber schwierige Fälle, besonders wenn es um seltene Arten (oder seltene Pigmentverlustvariationen) geht, denn manche dieser Fälle haben sich auch schon als eigene Arten entpuppt.


    Das Problem ist bei Pilzen: Die Farben, also in den Fruchtkörpern gebildete und eingelagerte Pigmente, sind ja keine Reaktion auf irgendwelche äußeren Bedingungen. Die Pigmente haben keine Funktion in dem Sinne, wie zB bei Pflanzen und Tieren (Ausgleich von Temperatur, Sonneneinstrahlung usw.), sondern sind in erster Linie Produkte der Stoffwechselvorgänge der Pilzhyphen. Soll heißen: Für einen Pilz sind die Umweltbedingungen generell egal wenn es darum geht, ob der Hut braun oder gelbocker gefärbt sein soll. Nur die Pigmente selbst können auf Lichteinflüsse und Feuchtigkeit reagieren, so sind zB unter Laub liegende Pilzhüte oft heller als unbedeckte. Das ist aber auch keine gezielte Modifikation, denn wenn man das Laub entfernt, nimmt zB ein zuvor nahezu weißer Steinpilzhut gerne mal innerhalb von ein oder zwei Tagen eine stinknormale, braune Farbe an. Was also die Farben betrifft, bin ich gar nicht so sicher, ob man bei Pilzen überhaupt von Modifikationen reden kann.

    Interessanter sind dann vielleicht solche Faktoren wie Stiellängen: Mycelien, die ihre Fruchtkörper regelmäßig in hohem Gras bilden, entwickeln standardmäßig längere und schlankere Stiele als solche, die ihre Fruchtkörper vorwiegend auf nacktem ode kurzgrasigem bzw. moosigem Boden bilden.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo,


    prinzipiell würde ich mich Pablos Gedankengängen schon anschließen. Allerdings wären Modifikationen generell, zwar nicht vererbbar, aber epigenetisch doch immer wieder "weitergebbar"!

    Ob das bei den Judasohren jedoch möglich ist bzw. ob es sich damit tatsächlich um eine Modifikation oder eher um eine genetisch vererbbare Genmutation wie Albinismus handelt, weiß ich auch nicht.

    Interessant finde ich jedoch in diesem Zusammenhang folgendes:

    1. Albinismus ist ja bekanntlich ein Enzymdefekt, bei dem kein Hautfarbstoff gebildet werden kann.

    2. Viele Pilze, vor allem auch Judasohren, sind in der Wissenschaft bekannt für die Bildung bestimmter Enzyme, der Peroxyidasen. Diese Peroxidasen, blondierte Damen kennen z.B. "Wasserstoff"peroxid;), sind unter anderem als Entfärber prädestiniert. Judasohren besitzen sogar eine spezielle Form dieser Enzyme, die sogenannten Hämperoxidasen mit einem Aufbau ähnlich dem Hämoglobin, uns als roter Blutfarbstoff bekannt!

    Wie man jetzt diese Fakten jedoch "zusammenbringen" könnte, sollte oder müsste, kann ich nicht sagen.

    Für alle, die sich durch Fachchinesisch nicht abschrecken lassen oder sich etwas tiefgehender für die Biochemie der Judasohren interessieren, hier ein interessanter Link dazu:

    Einblick in die Geheimnisse der DyP-Peroxidasen


    LG Thomas


    P.S.: Fund von Vorgestern. Ist das nun eine Modifikation oder doch schon eher eine Mutation?8o


  • Hallo Thomas,


    ein interessanter Beitrag, vielen Dank für die Quelle.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • nein, eine Quelle war nicht dabei.


    Das mit den Stiellängen könnte man als Beispiel für Modifikation nehmen, da muss ich mich mal auf die Suche von Fotos machen.


    Peroxidasen sind auch interessant, man redet immer nur von holzabbauenden Enzymen, aber benannt werden sie nie.

  • Dies war bezogen auf die erste Frage von Beorn. Bei 123pilze steht nämlich keine weitere Angabe/Quelle zur Aussage das Umwelteinflüsse weisse Judasohren hervorrufen.


    Dein Link mit den Peroxidasen funktioniert.

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