Reibeisenpilz

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 3.269 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (11. Dezember 2019 um 20:06) ist von antoff.

  • Liebe Pilzfreunde,

    den Reibeisenpilz (so denke ich zumindest) habe ich gestern in einem kleinen Laubwald an einem recht großen abgestorbenen und schon recht angemorschten Stamm gefunden. In der direkten Nähe gibt es einige abgestorbene oder zumindest recht kranke Schwarzerlen,, weshalb ich denke, dass das Substrat vielleicht Erle sein könnte. Das Farbspektum ging von weiß, grau bis hin zu ockerlich gelb. Insgesamt war der Pilz recht stark mit dem Substrat verwachsen und nicht leicht ablösbar.

    Ich habe ihn mikroskopiert und wegen der Sporenform würde ich fast denken, dass es sich um Raulomyces rickii handeln könnte. Auch die Basidien machen sehr oft einen kompakteren Eindruck, was wohl für die Art sprechen könnte. Leider habe ich es nicht geschafft, eine Basidie etwas freier zu finden, weshalb ich über Schnallen nichts sagen kann.

    Als ich die Idee mit Radulomyces rickii hatte, hatte ich gelesen, dass die KOH-Reaktion ockerlich-braun sein sollte. Das habe ich mal ausprobiert und tatsächlich war (bei 3% KOH) die Reaktion ockerlich-braun. (Nach einer Stunde allerdings war alles mehr oder weniger schwarz)

    Die Sporen maßen so um die 8X7.Könnte meine Bestimmung hinkommen?

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Matthias

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Matthias!


    Schon möglich. Es gibt allerings eine ganze Reihe Rindenpilze mit solchen oder so ähnlichen Sporen. Auch Hypochnicium könnte möglich sein, zudem noch Dendrothele oder Gloeocystidiellum s.l. - Letztere kannst du bestätgen oder ausschließen, wenn du dir die Sporen in Melzer anguckst (die Gloeozystiden fallen nicht immer sofort auf).

    Die feine, dichte Struktur der subhymenialen Hyphen würde schon gut zu Radulomyces passen - und wenn die Sporenform konstant rund ist, dann doch viel eher rickii als confluens.


    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,

    vielen Dank für deine Rückmeldung und Erklärungen. Ich habe schon befürchtet, dass da noch andere Gattungen in Frage kommen können. Nicht so einfach:).

    Ich muss mich da mal etwas einlesen. Auf den ersten Blick habe ich den Eindruck, dass Arten von Dendrothele eher an der Rinde von lebenden Bäumen vorkommt, aber stimmt wahrscheinlich so auch nicht. Rinde schien mein Stammstück zumindest nicht mehr zu haben. (Es lag quer auf dem Boden und der Fruchtkörper wuchs an der Unterseite.) Weißt du vielleicht noch etwas zu der KOH-Reaktion bei den anderen Gattungen?

    Leider habe ich momentan kein Material mehr (hatte nur ein kleines Stückchen abgetrennt, aber wenn ich Glück habe, könnte ich es am Mittwoch noch einmal zu dem Stammstück schaffen:).

    Liebe Grüße

    Matthias

    • Offizieller Beitrag

    Hej.

    Stimmt schon: Dendrothele meistens an frischem, noch berindetem Substrat. Ausnahmen dürften aber vorkommen (ist bei anderen Arten mit ähnlichen Vorlieben auch so).

    Kommentar zur KOH - Reaktion bei Radulomyces rickii kommt in Bildform:

    Das ist allerdings auch die einzige KOllektion der Art, die ich bisher dingfest machen konnte (an Juniperus sp.).
    Und die Fruchtkörper halt einigermaßen eingetrocknet.

    Hier noch die Mikros dazu:

    Allerdings: Radulomyces confluens hatte ich auch schon mit a) vorwiegend rundlichen Sporen (nicht durchgehend) und b) mit gelber KOH - Reaktion.

    Die Basidienbreite ist mE auch variabel bei R. confluens.

    Mit orangebrauner KOH - Reaktion und konstant runden Sporen wäre aber Radulomyces confluens schon mal raus, würde ich sagen.


    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,

    super, vielen Dank für deine Mikrobilder. Das hilft mir schon sehr weiter. Die Sporen von mir stammen aus einem Abwurfpräparat und dabei waren alle Sporen so rundlich. Beim Anschauen meiner Hymeniumbilder finde ich jetzt allerdings auch nicht mehr ganz so runde Sporen. Das werde ich hoffentlich am Mittwoch nochmal überprüfen können.

    Interessant die Bilder mit den seitwärts gestielten Basidiolen. Da hatte ich auch eine gefunden. Füge ich nochmal als Foto an.

    Die Farbreaktion mit KOH war bei meinem sehr ähnlich.

    Liebe Grüße

    Matthias

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Matthias!

    Ja, das mit den seitlich gestielten Basidien (sieht teils wie richtige Pleurobasidien aus) ist auch Christoph Hahn mal bei einer Kollektion aufgefallen. Ob das aber ein Merkmal ist: Keine Ahnung. Aber: Zumindest bei Hypochnicium und Gloeocystidiellum s.l. sollte das nicht vorkommen.


    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,

    ich habe heute noch einmal den Fruchtkörper aufgesucht und ein Stück mitgenommen.

    Die Sporen waren nicht amyloid.

    Die Sporen sind eigentlich alle mehr oder weniger rund, so dass ich jetzt tatsächlich davon ausgehe, dass es Radulomyces rickii sein muss. Oder wärest du weiterhin skeptisch? Hier noch drei Fotos von den Sporen von heute.

    Liebe Grüße

    Matthias

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Matthias!

    Öhm, jedenfalls nicht mehr Skepsis als die ganz generelle Unsicherheit, ob Radulomyces rickii und Radulomyces confluens wirklich zwei konstant trennbare Arten sind.
    Sollten es zwar schon sein (es wurden wohl auch unterschiedliche Sequenzen beobachtet), aber Radulomyces confluens ist halt sehr variabel (auch mikroskopisch), und von Radulomyces rickii habe ich eben erst eine Kollektion beobachten können - bzw. insgesamt drei Kollektionen vom selben Mycel (der wohnt quasi um die Ecke).


    Lg; pablo.

  • Hallo Pablo, ha, da haben wir ja die gleiche Nachbarschaft, denn meiner wohnt auch nicht weit entfernt.

    Vielen Dank für die weiteren Erklärungen. Ich bin schon einmal sehr froh, die Bestimmung bis Radulomyces bewerkstelligt zu haben. :)

    Liebe Grüße

    Matthias