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Gilbender Täubling im Kiefernwald

  • Hallo zusammen,

    vor 3 Wochen hatten wir eine Exkursion mit unserem Verein, dabei haben wir diesen Täubling gefunden im überwiegenden Kiefernwald, der nach einer kurzen Zeit gegilbt hat. Der Pilz hatte ein

    richtig festes Fleisch im Hut und Stiel und fühlte sich recht schwer an in der Hand.

    Der Geschmack war sehr schnell scharf

    Geruch neutral

    Reaktion mit Guajak blaugrün Stiel, Lamellen nicht so stark

    Der Hut hat einen Durchmesser von bis zu 5 cm und war in einem matten kirsch bis kamin-rot, unregelmäßig verbogen, stumpf gebuckelt

    nicht kreisrund, die Huthaut lies sich kaum abziehen

    Die Lamellen waren frisch cremefarbig später gilbend,

    durchgehende Lamellen mit Anastomosen am Grund, vorm Stiel kurz herablaufen angewachsen, zum Stiel ein paar gegabelt

    Stiel walzenförmig zur Basis etwas verdickt, cremefarbig frisch später gilbend, zur Stielspitze heller, rosenrötlich über haucht, mit rilliger Maserung


    Vielleicht lässt er sich noch bestimmen mit eurer Hilfe, das wäre toll.


    Liebe Grüße Annerose











    Sporenpulver




    Sporen:

    haben einen Hilarfleck, breit elliptisch, Stumpfe und spitze Stacheln,

    Ornamentation unregelmäßige Flecken teils verbunden?








    HDS 100x Öl Salzsäure 20 % + Vanillin:

    Pileozystiden zahlreich, sind septiert, länglich








  • Hallo Annerose

    Schöner Beitrag und toll dokumentiert.

    Ich habe da etwas gefunden, aber das Habitat passt nicht ganz zu folgender Art.

    Gelbfleckende Täubling (Russula luteotacta)

    Vielleicht hatte es ja doch noch andere Bäume....


    Zuerst dachte ich gleich an den

    Kiefern-Speitäubling / Russula silvestris


    Thiemo oder Stephan haben sicher eine Idee.

    BG Andy



  • Hallo Andy,

    sehr guter Tipp! Da bin ich gestern Abend im Russularum Iconens hängen geblieben, weil die Pileozystiden misch an Schlangen erinnert haben, wie dort auch steht.

    Ich frage nochmal nach wegen der Mykorrhiza Bäume. Ich bin gespannt was Thiemo und Stephan sagen.


    Liebe Grüße Annerose

  • Hallo Annerose,

    vergleiche mal mit Russula sardonia (dessen Mikrodaten ich gerade nicht parat habe!).

    Noch ein Tipp für deine Sporenbilder: alle verfügbaren Blenden voll aufziehen, damit du die volle! Lichtstärke hast - danach auf das Ornament der Sporenoberseite fokussieren. Das ist der einzig mögliche Weg zu beurteilen, ob Grate und Verbindungen zwischen den Warzen vorhanden sind.

    Und noch einer für die Erhebung der Sporenpulverfarbe: das ausgefallene Sporenpulver mit einer Rasierklinge zu einem Häufchen zusammenschieben und plattdrücken, dann erst die Farbe beurteilen. Bei lediglich ausgefallenem Sporenpulver (sichtbar durch die Lamellenabdrücke) beurteilt man die Farbe systematisch zu blass.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo ihr beiden,


    gleich vorweg gesagt, lösen kann ich das Rätsel nicht.


    Es besteht insbesondere das Problem, dass die Sporenpulverfarbe nicht korrekt ermittelt wurde. Nach dem Abwurf und vor dem Vergleich mit der Tabelle, ist es wichtig das Sporenpulver mit einer Klinge zu einem Häufchen zusammenzuschieben. Dann kann man einen Objektträger darauf legen oder - noch besser, das Sporenpulver zwischen zwei Objektträgern fixieren und am Rand mit Tesa fixieren. Das wir hier keinen Dottersporer haben ist natürlich klar, aber ob weiß oder creme sieht man so nicht. Erst recht wenn der Pilz nur spärlich absport.

    Angenommen es wäre ein scharfer Weissporer, also Atropurpurinae oder Emeticinae. Gilbend kenne ich da nur den von Andy vorgeschlagenen Gelbfleckenden Täubling Russula luteotacta. Dafür sprechen tatsächlich einige Punkte, wie das feste Fleisch, der sehr scharfe Geschmack und das Gilben. Jedoch passt mir da zugleich so einiges nicht. Die Hutfarbe ist viel zu dunkel (zu weinrot), das Gilben viel zu schwach (luteotacta läuft richtig kanariengelb am Stiel an), das Sporenornament zu derbwarzig, der Fundort unpassend und die Guajak-Reaktion zu schwach.

    Bzgl. des Guajak stellt sich natürlich auch die Frage der Frische (aus diesem Jahr?) und der Beachtung der 8 bzw. 10 Sekunden Regel(?).

    Zweite Annahme: Das Gilben wäre ein Artefakt (Bakterienbefall, etc.), dann passt die Hutfarbe nicht für einen Emeticinae und die Sporen nicht für Russula atrorubens & fragilis, die einzigen rasant scharfen Atropurpurinae.


    Dritte Annahme: Die Rote Hutfarbe ist abnorm. Die Roten Formen von Russula raoultii & solaris hätten auch ein abweichendes Sporenornament.


    Wie ich oben schon angedeutet habe würde ich daher eher an einen Scharfen Cremesporer denken, v.a. auch deswegen weil kein Weissporer in Frage kommt.


    Mit festem Fleisch und gilben landet man da beim Schwachfleckenden Täubling Russula persicina agg.. Dann müssten da aber ein paar Laubbäume gestanden haben.

    Wenn ich den Titel lese "Gilbender Täubling im Kiefernwald" kommt mir zuerst natürlich der Bluttäubling Russula sanguinaria in den Sinn. Das mit der nicht abziebaren Huthaut und auch die recht derben Warzen im Ornament würden passen. Aber mit Guajak sollte da schon eine starke Reaktion stattfinden. Daher noch mal die Frage nach Frische?

    Somit bleiben unter Nadelbäumen nur die anderen Säufernasen, wo z.B. der Zitronenblättrige Russula sardonia ein typischer Kiefernbegleiter wäre, rasant scharf, fest und mit der oberen Guajak-Reaktion.

    Edit: Stephan war schneller als mein Aufsatz hierzu :D.

    Edit2: Du machst das schon mit Vanillin und Schwefelsäure (60-70%)? NICHT Salzsäure - da reagiert nichts wie es sollte.

    LG Thiemo

  • Hallo Stephan und Thiemo,

    gut das ich 2 Abwurf Präparate hatte. Anbei das zusammen geschoben Sporenpulver mit der Rasierklinge. Sieht für mich nach IIc aus auf der Farbtafel von Russularum Icones. Vielen Dank für den guten Tipp hatte ich ganz vergessen, mache ich jetzt immer so. Das Guajak ist frisch und ich habe 10 Sekunden gezählt. Ich versuche die Sporen noch ein mal zu mikroskopieren damit man das Ornament besser sieht mit mehr Licht. Mein Pilzkollege wollte sich die Stelle anschauen wegen der Laubbäume und sagt mir noch Bescheid. Vereinzelt gab es auf jeden Fall Birken. Da habe ich für Sonntag etwas zu tun.


    Liebe Grüße Annerose


  • Hallo Annerose,


    schön, dass du dranngeblieben bist und die Sporenpulverfarbe nun klarer ist. :thumbup:

    Ich habe noch mal die Guajak-Reaktionen nachgeschaut und denke, dass man Russula persicina ausschließen kann. Von Habitus und Farbgebung wäre das auch nicht der beste Kandidat.


    Hier hätte sich am Frischpilz gelohnt mit Ammoniak die Lamellen zu prüfen. Im Falle vom Zitronenblättrigen Täubling gäbe es eine Rosafärbung. MIr fällt gerade auf, dass ich davon gar kein Foto in meinem Fundus habe... =O.
    Auch ohne die Reaktion kann man anhand scharfer Sporenbilder abschätzen ob isoliert warzig oder doch mit feinen Graten teilnetzig verbunden, um damit den Zitronenblättrigen (fein teilnetzig) vom Aggregat der Stachelbeer-Täublinge zu trennen.

    Die mäßig scharfen, cremesporenden Birkenbegleiter (R.exalbicans & gracillima) schließe ich aus. Das sollte schon einer der oberen Säufernasen sein.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallo Stephan und Thiemo,

    anbei meine neuen Sporenbilder. Man sieht das die Graten mit ganz feinen Linien zu einem Netz verbunden sind? Die Schwefelsäure 60-70% werde ich mir besorgen, dann kann ich mir die HDS noch einmal mir anschauen.


    Liebe Grüße Annerose


    Sporen im Umlauf 100x Öl Melzer












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