Zwei mir Unbekannte: Ein Milchung und ein Trichterling?

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 616 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (14. September 2023 um 20:18) ist von Schwammerlsuppe.

  • Hallo Pilzfreunde,

    ich habe letztes Wochenende zwei Pilzarten gefunden, die mir unbekannt waren. Pilz 1 habe ich versucht zu bestimmen. Bei Pilz 2 bin ich zu keiner abschließenden Lösung gekommen.

    Pilz 1: Ein Milchling, bei dem sich die Milch nach dem Anschnitt leicht grün verfärbt. Die Milch schmeckt scharf.

    Habitat Buchenwald. Stiel extrem fest und hart, teilweise stark braunfleckig. Im Schnittbild Stiel an der Basis auch leicht fleckig. Die Lamellen sind großteils gegabelt und gerade angewachsen. Hutoberfläche weißlich mit starker Fleckenausbildung, Farbe der Fleckung ockergrünlich. Hutrand leicht eingerollt.

    Ich gehe vom Grünenden Pfeffermilchling aus.

    Pilz 2: Anfänglich habe ich rein von den makroskopischen Merkmalen her auf einen Mehlrasling getippt. Nach der durchgeführten Geruchsprobe, die sehr aromatisch süßlich ausgefallen ist und nicht in Richtung Mehlgeruch ging, sowie dem Sporenabdruck (siehe Foto) der mehr cremefarbig ausfällt, bin ich vom Mehlrasling abgekommen und gehe eher in die Richtung CLITOCYBE SPP., ev. C. RIVULOSA. Vielleicht kann mir einer der Experten hier weiterhelfen. Das Habitat war ein Buchen-Waldrandstreifen mit anschließenden Fichten und auf der anderen Seite einzelne Ahorn. In dem zutreffenden Bereich habe ich schon häufig Flockenhexen, Steinpilze und auch einzelne Samtfußkremplinge gefunden.

    Auf eure Antworten freue ich mich.

    Servus Ingo

  • Hallo

    Bist du sicher beim ersten mit der Aussage nach grüner Milch? Ich kann nichts sehen.

    Beim zweiten passt eigentlich die Farbe der Lamellen recht gut zu Clitopilus prunulus

    Lassen sich die Lamellen verschieben mit dem Finger?

    BG Andy

  • Hallo Schwammerlsuppe

    Zu Pilz 2: Ich sammle und esse seit Jahren Mehlräslinge - letzeres nur, wenn ich bei jedem Pilz alle Merkmale komplett erkennen kann. Ich mag sie wirklich sehr gerne. Hier komme ich nun definitiv an die Grenze des Erkennens am Bildschirm: Kann die Farbe der Lamellen / des Sporenpulvers (weiss ist das ja nicht auf deinen Fotos) wirklich als rosa/altrosa angesehen werden? Lassen sich die Lamellen einfach mit dem Finger wegschieben? Die Lamellen sind herablaufend (dies kann aber auch bei Clitocybe rivulosa der Fall sein). Und dann das Wichtigste, der Geruch: Kennst du denn den typisch "mehlartigen" Geruch des Mehlräslings? Wenn ja, dann würdest du ihn fast garantiert wiedererkennen. Aber Achtung, vielleicht riechen auch nur deine Finger danach (vom letzten Pilz)... Und Clitocybe dealbata kann auch leicht mehlartig riechen. Versuche mal, Mehlräslinge und getrennt davon Trichterlinge zu sammeln und bespreche sie mit einem PSV/Pilzkontrolleur live. So habe ich das seinerzeit gemacht. Meine Beurteilung war fehlerfrei. Er hat mir noch einmal alle Merkmale hinter die Ohren geschrieben und seither sammle/esse ich sie. Fange aber keinesfalls damit an nur aufgrund von Rückmeldungen hier im Forum.

    Ich neige bei deinen Fotos zu Mehlräslingen. Aber ich bin absolut nicht sicher, obwohl ich im Wald immer (und in aller Regel erfolgreich) erstmal versuche, diese Pilze rein visuell von weitem zu bestimmen. Gerade aufgrund deiner ersten drei Fotos bin ich mir nämlich gar nicht sicher; danach schon eher. An sich wäre es aufgrund deiner Röhrlingsfunde an der Stelle ja typisch, dass da der Mehlräsling wächst, aber darauf darfst du nicht gehen. Mehlräsling und Rinnigbereifter Trichterling können ja gemischt vorkommen.

    Ich vermute, es kann dir niemand eine abschliessende Antwort geben hier.

    LG Endo

  • Hallo,

    Beim MIlchling würde ich makroskopisch deiner Bestimmung folgen. Der Grünende Pfeffermilchling Lactifluus glaucescens ist meist mit etwas dickeren Stiel, also gedrungener als der Langstielige Doppelgänger. Abschließend würde sich das nur durch Mikroskopie der Hutdeckschicht klären lassen, da beide Pfeffermilchlinge manchmal grünen oder mit Lauge reagieren und diese Merkmale leider nicht konstant sind.

    VG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Erst einmal euch allen danke für eure Antworten.

    Andy: Die Lamellen des Pilzes 2 ließen sich relativ leicht verschieben. Bei dem Milchling meine ich, beim oben beigefügten Schnittbild, eine ganz hellgrüne Umwandlung der Milch, gleich nach dem Schnitt gesehen zu haben. Zuordnung im Schnittbild: Im Randbereich des Stiels, dort wo die meiste Milch ausgetreten war, in ca. 4-5 mm Breite, zwischen den Lamellen und der Mitte des Stiels. Vielleicht kommt es in dem Bild nicht so gut raus.

    Endo: Ich habe den Sporenabdruck nicht als rosa oder altrosa angesehen, sondern eher cremefarben. Deshalb war ich ja verunsichert. Und auch die typische Intensität des Mehlgeruches kenne ich nicht an einem als fest bestimmten Exempar des Mehlräslings. Dein Tip mit dem PSV ist sicher der richtige Weg. Leider habe ich keinen im näheren Umfeld. Aber ich mache Sept./Okt. einige Pilzexkursionen mit. Falls ich zu diesen Zeitpunkten noch einige Exemplare finde, nehme ich sie zu dem PSV mit.

    King Stropharia: Hast du meinen Sporenabdruck als rosa eingestuft?

    Falls jemand zufällig die Abbildung eines typischen Sporenabdrucks des Mehlräslings hat, würde ich mich freuen, wenn er es bei diesem Beitrag einstellt.

    Servus Ingo

  • Hallo Ingo,

    die Farbe des Sporenpulvers wird normalerweise so beurteilt, dass man es mit einer Rasierklinge o. ä. zu einem Häufchen zusammenkratzt und dieses anschließend mit der Klingenseite plattdrückt.

    Einen Mehlräsling rein optisch zu beurteilen ist aufgrund seiner Vielgestaltigkeit eine der schwierigsten Aufgaben, eigentlich beurteilt man ihn über den unverwechselbaren Geruch. Bei dem einen älteren Exemplar, bei dem die Lamellen weit am Stiel herablaufen, habe ich mit dem Mehlräsling keine Probleme. Der andere, jüngere hat einen etwas anderen Lamellenansatz und könnte theoretisch eine andere Art sein. Das kann auch dann sein, wenn beide Pilze im Wald nebeneinander gewachsen sind.

    Fazit: wenn du Mehlräslinge bestimmen willst, ohne zu mikroskopieren, musst du den typischen Geruch kennen. Und dann halt an jedem Bestimmling einzeln riechen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hi Ingo,


    ganz persönlich sieht für mich „Creme“ nicht so rötlich aus wie bei deinem Fund. Aber ich kann mich täuschen, weil ich es auf dem Bildschirm sehe und die Lichtverhältnisse in kenne. Grundsätzlich meine ich nur (Stefan geht ja auch drauf ein), dass eine zu dünne Schicht Sporenpulver den Farbeindruck verfälschen kann. Unten mal ein Sporenabwurf meines letzten mehlräslings vor. zusammenkratzen (man beachte die vielen hell-dunkelstufen, die allein durch die Schichtdicke bedingt waren)


  • Hallo Ingo,

    just vor 3-4 Wochen habe ich meinen ersten Mehlräsling bestimmt. In diesem Rahmen entstand ein Sporenabdruck, der noch auf meinem Handy gespeichert ist.

    Dein Foto sieht nach einer Glasplatte als Träger aus. Wenn dein FK nicht so fleißig sport und dann noch die optischen Effekte der Glasplatte dazukommen, ist das Ergebnis nicht mehr sooo eindeutig.

    StephanW hat schon recht, in diesem Fall (ja - eigentlich generell) hättest du besser die Sporen zusammengeschoben.

    Gruß

    Frank.

  • Hallo Stephan, King Stroparia und Frank,

    danke für eure Hinweise und Muster zum Thema Sporenabdruck. Ich habe es gleich an meinem Abdruck, den ich noch auf dem Glasträger hatte, ausprobiert und bin auf einen viel intensiveren und nicht durchsichtigen rosa-beige Farbton gekommen.

    Servus Ingo