Orangeroter Solitärpilz mit Ring

Es gibt 14 Antworten in diesem Thema, welches 573 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (29. Dezember 2023 um 17:41) ist von KaMaMa.

  • Hallo,

    gestern kam endlich die Sonne raus, also ab in den Wald!

    Pilzlich ist derzeit nicht viel los, aber einige wenige Funde konnte ich machen.

    Bild 1 Fundstelle am Holzlagerplatz in der Nähe zur Waldstraße

    Auf kalkhaltigem, staunassem Boden zwischen liegenden Baumstämmen stand ein einzelner, orangeroter Pilz.

    Der Boden ist tiefgründig, mit dicker Streuschicht und Moos bedeckt.

    Der feuchte Hut des Pilzes ist glitschig, der Stiel ist trocken.

    Einen Geruch kann ich nicht ausmachen.

    Bild 2 Pilz auf nasser Erde im Moos; etwa 6,5 cm hoch, Hut 4 cm Durchmesser

    Der Pilz wirkt jung und frisch, der Hut spannt gerade erst auf.

    Bild 3a

    Bild 3b

    Das Sporenpulver ist violettbraun

    Bild 4 Sporenpulver braunviolett

    Die inamyloiden Sporen haben einen deutlichen Keimporus und sind 6,0-6,5 x 3,3-4,1 µm groß.

    Bild 5a Sporen

    Bild 5b Sporen

    Bild 6a Längsschnitt mit frischem Pilz

    Bild 6b Längsschnitt nach einem Tag - Stiel dunkelt etwas orangebraun nach, Lamellen jetzt graugrün

    Wichtig:

    Lamellen mit (in KOH) gelben Chrysozystiden, Hyphen mit Schnallen:

    Bild 7a

    Bild 7b

    Violettbraune Sporen mit Keimporus und gelbe Cheilozystiden weisen in meinem Schlüssel (Bresinski) auf die Gattung Stropharia.

    Von dort gelange ich über die Fruchtkörperfärbung und die Sporenmaße zu Stropharia coronilla, dem Körnchen-Träuschling.

    Ist die Bestimmung korrekt?

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    mit der Gattung Träuschling bin ich ganz bei dir. Aber der Krönchen-Träuschling sieht anders aus. Er ist am Hut blasser und hat mehr die Farbe vom Voreilenden Ackerling. Auch wächst er vorzugsweise auf der Wiese. Such doch mal nach, welche Träuschlinge es denn noch so gibt. Vielleicht will es der Teufel so und es gibt einen Orangeroten oder Orangegelben Träuschling?

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Gelbfieber,

    "Weitere mikrochemische Anwendungen [der Kalilauge]: Der Inhalt von Chrysozystiden ... färbt sich gelb..." (vgl. ERB/MATHEIS 1983, Pilzmikroskopie, S. 20). Die Autoren geben freilich zu: "besser verwendet man für diesen Zweck Patentblau V" (ebenda), aber Patentblau V muss man im Gegensatz zum allgegenwärtigen KOH erstmal parat haben.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Gelbfieber,

    ich mikroskopiere nicht grundsätzlich in KOH.

    Die hell gelben Cheilozystiden sind bereits in Wasser erkennbar:

    Bild 7c Cheilozystiden in Wasser

    Bild 7d Cheilozystiden in Wasser

    Da ich geschrieben fand, dass Cheilozystiden sich u.U. in KOH deutlich gelb(er) färben sollten, habe ich dies ausprobiert.

    Die Cheilozytsiden sind meines Erachtens mit etwas KOH-Zusatz tatsächlich deutlich gelber als in Wasser und haben dadurch mehr Kontrast.

    Ferner lässt sich die Probe besser quetschen.

    Da die Fotos 7a und 7b mit etwas KOH-Zusatz gemacht wurden, schreibe ich das eben auch dazu.

    Mehr steckt da nicht dahinter.

    LG, Martin


    P.S.

    Hast du eventuell auch eine Meinung/Verdacht zur Pilzart?

  • Hallo Martin,

    das mit der Artbenennung wird nicht einfach. Stropharia-Sporen fangen bei einer Länge von 7 My und einer Breite von 4 My an, deine Angabe lautet jedoch 6 bis 6,5 My Länge. In der Funga Nordica, deren Stropharia-Kapitel ich soeben durchblätterte, ist keine Art mit so kleinen Sporen verzeichnet. Ich schaue jetzt nochmals nach, welche Gattungen außerdem Chrysozystiden haben. Hätte dein Pilz keinen so prominenten Ring, müsste man bei dieser Farbgebung ja fast von einem Schwefelkopf ausgehen.

    Edit: nach weiterer Literaturrecherche passt zu den von dir erhobenen Mikrodaten sehr gut Pholiota astragalina (Safranroter Schüppling), der hat Chrysozystiden, solch kleine Sporen und eine solche Färbung.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Stefan,

    vielen Dank für den Vorschlag in Richtung Pholiota (astrogalina) zu schauen!

    Stropharia coronilla ist es sicher nicht, da hast du völlig Recht!

    Auch mein allererster Gedanke ging wegen der Hutfarben in Richtung H. lateritium (Ziegelroter Schwefelkopf), wenn da nicht dieser ausgeprägte Ring wäre.

    Alleine vom Draufschauen wäre auch Leratiomyces ceres (Orangeroter Träuschling) sehr ähnlich - die Sporen müssten allerdings viel größer sein!

    (Mein Fehler beim Schlüsseln war, dass beim Ergebnis S. coronilla die Sporen zwar als kleiner 10µm angegeben sind, aber die Lamellen sollen deutlich lila sein, der Hut nur ockergelb (nicht rot) und die Sporen tatsächlich bei 7,5-9 x 4,5 -5,5 µm. Das passt alles nicht! Der Bresinsky-Schlüssel bricht an dieser Stelle ab. Da hätte ich zu Ende lesen müssen - dummer Fehler.)

    Vielleicht stimmt einfach die vermutete Sporenpulverfarbe nicht?

    Ich meine zwar, violette Töne (vgl. Bild 4) zu sehen, hatte das Sporenpulver allerdings zur Analyse nicht zusammengeschoben.

    Schiebt man es zusammen, könnte man meinen, deutlichere Brauntöne zu sehen, weniger Violett.

    Das Tageslicht sind derzeit denkbar schlecht!

    Bild 8 Sporenpulver unter Deckglas - links trocken, rechts in Wasser mit Melzers-Zusatz (Überprüfung der Amyloität)

    Ich glaube aber immer noch, einen violetten Farbstich zu erkennen, aber setze ich rein braues Sporenpulver an, lande ich bei beim Schlüsseln bei der Gattung Pholiota, so wie du vorschlägst, und letztlich bei P. astragalina!

    P. astragalina passt in vielem besser:

    Neben Hutfarbe, Cheilozystiden und Sporengröße - wie du ja schon erwähnt hast - finde ich auch das Vorkommen an Nadelholz in Bodennähe passend.

    ("Occurs on conifer wood, mostly in contact with the soil.")

    Die Fundstelle liegt in einem Mischwald (Rotbuche, Eiche, Hainbuche etc. und Fichte, Kiefer, Lärche!).

    Die geschlagenen Bäume werden am Fundort zwischengelagert, weshalb sich eine Menge von Laub- und Nadelholz auf und in dem Boden, auf dem der Pilz gefunden wurde, befindet.

    Wirklich überzeugt bin ich von Pholiota astragalina allerdings auch nicht, denn auch P. astragalina sieht etwas anders aus, wie ich finde (Stielgürtel, Lamellenfarbe, Schuppen auf Hut, ...).

    Der ähnlich gefärbte Pholiota mixta hingegen hat keine aprikosenfarbene Lamellen, hat keine Chrysozystidien, dafür viele Cheilozystiden mit gelben Inhalt (!), einen im Alter rotbraun verfärbenden Stiel zu Basis hin (Bild 6b), Sporen mit einem deutlich sichtbaren Keimporus, und kommt auf dem Boden und/oder auf Holzabfällen in Nadel- und Mischwäldern vor.

    Ich sollte den nächsten Sonnentag abwarten und dann das Sporenpulver nochmals kontrollieren.

    Vielleicht ergibt sich dann Klarheit bezüglich der Spp-Farbe.

    Es bleibt also schwierig!

    Mit dem Vorschlag P. astragalina bist du aber vermutlich dicht dran!

    LG, Martin

  • KaMaMa 28. Dezember 2023 um 17:25

    Hat den Titel des Themas von „Orangeroter Solitärpilz mit Ring = Stropharia coronilla / Körnchen-Träuschling“ zu „Orangeroter Solitärpilz mit Ring“ geändert.
  • Hallo Zusammen

    Also für mich war die erste Intuition -> ein Safranschüppling (Pholiota astragalina) aber die Sporenfarbe passt nicht, daher wäre ich bei Hypholoma.

    Mit nur einem FK wird es schwierig da weiter zu kommen, ich mikroskopieren immer eine Kollektion dann erhalte ich meistens ein Aussagekräftiges Bild. BG Andy

  • Hallo Andy,

    danke für den Tipp!

    Leider finde ich häufig Einzelfruchtkörper und das mit der Kollektion ist bei einem Einzelfruchtkörper leider nicht umsetzbar. ;)

    Da ich noch nicht lange pilzle und damit noch wenig gesehen habe, überwiegt bei mir noch immer die Bestimmungs-Neugierde der Vernunft.

    Letztlich ging der Bestimmungsversuch wegen diesem Ring, dem nicht büscheligen Fruchtkörper und dem Wachstum auf Boden in die falsche Richtung.

    Wenn Hypholoma einen (flüchtigen) Ring haben darf, bin ich sehr zufrieden mit der Einordnung!

    Da sind wir dann wieder bei der Kollektion - wenn der Ring bei den älteren Pilzen gefehlt hätte, wäre es vielleicht gleich klar gewesen.

    Ich lege das Teil unter Hypholoma (cf. lateritium) ab.

    Danke, Stefan und Andy!

    LG, Martin

  • Als was du das letztlich ablegst, ist deine Sache. Ich z. B. lege nur gesicherte Sachen ab, nichts halbgares, zu dem es verschiedene Meinungen gibt. Ich muss auch nicht ständig irgendwas ablegen, sondern akzeptiere, dass ich nicht immer zu Allem einen Namen kriege. Für Hypholoma wäre mir jedenfalls der Stielring deutlich zu stabil, und gerade für H. lateritium passen Hut- und Fleischfarbe mE überhaupt nicht.

    Viel wichtiger ist doch, dass du jetzt weißt, dass du bei Pilzen, die Chrysozystiden tragen, noch mehr auf die Sporengröße achten musst, wenn du so weit kommen willst, sie als was-auch-immer abzulegen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Stefan,

    da hast du natürlich Recht.

    Ich bin beschämt ob meiner Voreiligkeit.

    LG, Martin

    Hallo Martin

    Da muss sich doch niemand beschämt fühlen......

    Für solche Fälle habe ich ein Ordner, mit der Beschriftung: Blätterpilze unbestimmt.

    BG Andy

  • Ich bitte um Entschuldigung dafür, dass ich dich beschämt habe. Aber ich habe dich nicht nur beschämt, sondern dir einen (hoffentlich annehmbaren) Rat dagelassen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Stefan,

    alles ist in Ordnung.

    Du musst dich für gar nichts entschuldigen - im Gegenteil.

    Du nimmst dir für meine Frage(n) Zeit und hast sogar in der Literatur nachgelesen.

    Das alles erachte ich überhaupt nicht als selbstverständlich.

    Ich bin hier Schüler und natürlich bin ich für deinen Rat sehr dankbar.

    Mit meinen Worten wollte ich dies zum Ausdruck bringen, habe mich dabei aber vermutlich ungeschickt ausgedrückt - Pardon!

    Ich wollte die Pilzbestimmung positiv abschließen - und das ist in so einem Fall nicht richtig, weil einfach nicht möglich.

    Das ist nicht schlimm, aber muss man halt akzeptieren.

    LG, Martin