Peltigera spec.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 449 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (12. Mai 2024 um 18:58) ist von KaMaMa.

  • Guten Abend,

    ich hab auf einem alten, moosbewachsenen Baumstamm etwas gefunden, das ich für einen Pilz halte. Es ist dünn wie ein Schichtpilz und hat auf der Unterseite etwas wie Leisten und Stacheln. An den dunkelgrünen "Fruchtkörpern" sind hellbraune Fransen, die wie Ohren aussehen.

    In meinen Pilzbüchern habe ich nichts dazu finden können. Sind das Pilze oder Flechten oder etwas anderes? Vielen Dank.


    Benjamin

  • Hallo Benjamin,


    mich erinnert Dein Fund an einen meiner Funde. Ich fand eine gemeine Hundsflechte auf einer Wiese.

    Liebe Grüße

    Murmelchen

    Von mir gibts hier im Forum auch keine Verzehrfreigabe.

  • Hallo!

    Der gezeigte lichenisierte Pilz ist eine Flechte der Gattung Peltigera. Es gibt etliche Peltigeraarten, die mit ungeübtem Auge nur äußert schwer zu unterscheiden sind - das wurde schon gesagt.

    Die gemeine Hundsflechte (P.canina) ist das nicht, die hätte auf der Unterseite buschig-weiße, zusammenwachsende, verfilzende Rhizinien.

    Die Zwergschildflechte ist es auch nicht, die ist viel kleiner (und hat Sorale, zumindest im frühen Entwicklungsstadium.)

    Es könnte sich vielleicht um eine P. praetextata handen, eine vom Habitat her passende und häufigere Art.

    Um den Verdacht abzusichern, müsste man die Oberfläche der Flechte an den Lappenrändern und entlang älterer Risse nach kleinen blättchenartigen Isidien absuchen. Sie wäre - nur im trockenen Zustand gut erkennbar! - am Rand fein-filzig auf der Oberseite. Die Unterseite hell mit langen, dunkleren Rhizinien, die beim unvorsichtigen Ablösen häufig abreißen und am Substrat haften bleiben.

    Beispiel für P. praetextata:

    Bild A1: P. praetextata auf bemoostem Baumstamm


    Bild A2: Helle Unterseite mit dunkleren Adern und dunkleren Rhizinien


    Bild A3: Isidien am Lappenrand und längs altem Riss


    Bild A4: Tomentum (Filz) auf Oberseite am Lappenrand in trockenem Zustand


    Um die Peltigera genauer zu bestimmen, benötigt man Detailaufnahmen (Lupe) im trockenen und feuchtem Zustand. Ein Mikroskop ist unnötig.

    LG, Martin


    PS:

    Meist wird nur über die sichtbaren Fruchtkörper von Pilzen diskutiert, die dann salopp "Pilze" genannt werden, am liebsten mit Hut und Stiel, und noch besser essbar. Tatsächlich steckt der eigentliche Pilz als Myzel aber im Substrat. Der Flechtenthallus hingegen ist ein vollständiger Pilz, d.h. das vollständige Pilzmyzel liegt mehr oder minder kompakt im Thallus vor, auf dem die Fruchtkörpern gebildet werden (es gibt wie überall natürlich jede Menge Ausnahmen). Insofern ist eine Flechte vielleicht sogar mehr Pilz als ein Champignon... ;)

    In mykologischer Fachliteratur werden Flechten selbstverständlich mit abgehandelt. Es gibt aber natürlich speziell Flechtenliteratur.

    Und die ist sogar interessant. :)

  • Aber gerne doch!

    LG, Martin

    P.S.:

    Falls du nochmal bei der Flechte Vorbeikommen solltest und dein Glück bei der Bestimmung versuchen möchtest, braucht's einen Bestimmungsschlüssel für Peltigera. Einen sehr guten (und auch für alle anderen Flechtengattungen) findest du bei Italic. Da kannst du vorab mal Dialekten, durchchecken, worauf zu achten ich.

    Einmal editiert, zuletzt von KaMaMa (13. Mai 2024 um 16:25)

  • Hiatamandl 13. Mai 2024 um 15:45

    Hat den Titel des Themas von „"Ohriger Leistenstacheling"“ zu „Peltigera spec.“ geändert.