Rotkappenbestimmung

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 10.095 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (24. Oktober 2014 um 21:20) ist von Beorn.

  • So, ich habe es immer noch nicht ganz aufgegeben Rotkappen aus meinem Sumpfgebiet zu bestimmen. Komme aber nicht richtig weiter. Aktuell vermute ich Pappelrotkappen (Leccinum aurantiacum).

    Fundbeschreibung:
    Der Fund (vom letzten Dienstag) wuchs direkt unter einer Pappel, in unmittelbarer Nähe gab es aber auch Birken, eine junge Eiche und Fichten. D.h. das hilft nicht wirklich weiter. Birkenrotkappen schließe ich aber wegen der eher rotbraunen Stielschuppen aus.

    Ich verzichte mal auf eine Beschreibung der Verfärbung und die Farbe, da diese gut auf den Fotos zu sehen sind und ich mir bei der Einstufung nicht sicher bin. Eine Ausnahme, was man schlecht sieht ist, dass der Stiel auch außen in der Basis eine leichte blau-grüne Verfärbung zeigte.
    An verletzten Stellen auf der Außenseite gab es keine rotbraune Verfärbung, wie ich sie bei den mutmaßlichen Eichenrotkappen (Fundbericht Hessen) zu sehen waren.

    Bild 1a,b:


    Bild 2 Thread bezieht sich nur auf den großen Fruchtkörper im folgenden Schnittbild:

    Bild 3: Sporenpulver, ein zweiter Abdruck auf weißer Unterlage ist leider nicht gelungen (Papier wurde zu nass):


    Wie würdet ihr den Einstufen?

    By the way:
    Wer kennt empfehlenswerte Monographien zum Thema Rotkappe?

    Hintergrund:
    Beschreibung der Rotkappen im 1.700 Pilze Buch und auf der Tintling Seite unterscheiden sich teilweise. Gleichzeitig kann ich oft nicht alle Merkmale mit einer Beschreibung in Einklang bringen. Ich such hier nach mehr Informationen.

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

    Einmal editiert, zuletzt von ThomasL (18. Oktober 2014 um 17:54)

  • Hallo Thomas,

    für mich wären deine Funde das was früher einmal Eichen-Rotkappe genannt wurde. Die, die früher einmal Espen-(Pappel)Rotkappe genannt wurde sieht so aus:

    Die erste heißt jetzt Laubwald-Rotkappe und die zweite Weißstielige Rotkappe. Wissenschaftliche Namen gebe ich denen nicht mehr bis man sich endlich einig wird wie ich die nennen soll. Einige international bekannte Mykologen sehen da sogar nur eine Art was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo Thomas!

    Ich halte die Eiche oder die Fichte für den dazugehörigen Mykorrhiza-Partner, eben wegen der dunklen Schuppen mit Rottönung und der braunroten Hutfarbe.
    Allerdings kann ich Eichen-Rotkappe von Nadelwald-Rotkappe nicht unterscheiden, wenn beide Bäumeim im Umfeld stehen.

    Gerade die Nadelwald-Rotkappe habe ich dieses Jahr sehr oft gesehen, wahrscheinlich sogar öfter als die normale Birken-Rotkappe. War/Ist wohl ein gutes Jahr für die Art.

    VG Ingo W

    Bezüglich Pilzbildanfragen: Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten.

    Einmal editiert, zuletzt von Ingo W (18. Oktober 2014 um 21:45)

  • Hallo Thomas,

    ich halte Deinen Rotkappenfund eher für eine Eichen-Rotkappe und schließe die Fichten-Rotkappe aus.

    Bei Letzterer solltest Du rötende Verfärbungen der Stielbasis auf Druck und bei Verletzung bemerken können, die sich aber nicht weiter über wein-rötlich bis schwarzviolettlich verfärben.

    In 2011 hatte ich einen Fund von Leccinum piceinum hier einmal vorgestellt.
    Übrigens, gute und brauchbare Literatur über Rotkappen findest Du wohl nur bei französischen Mykologen.

    Sei herzlich gegrüßt.
    Hexenopa Julius

  • Erstmal Euch allen ein ganz herzliches Dankeschön!

    Zitat

    danydanon
    "Hast Du den Birkenpilz, Kapuziner (Leccimum scabrum) schon in Deine Bestimmung mit einbezogen?"


    Birkenpilze sehen anders aus (Hutfarbe, Stielschuppen) - es gibt die dort aber auch (auf Bild 1b sieht man einen Birkenpilz neben der Rotkappe liegen).

    Zitat

    Heuler22
    "Einige international bekannte Mykologen sehen da sogar nur eine Art was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann."


    Ich langsam schon... ;-), außer man beschränkt sich wirklich auf die Einstufung von weißstieligen Exemplaren als Pappel- bzw. Weißstielige Rotkappe - aber mir fehlt da natürlich noch die Erfahrung um dies wirklich bewerten zu können.


    Zitat

    Ingo W
    "Ich halte die Eiche oder die Fichte für den dazugehörigen Mykorrhiza-Partner, eben wegen der dunklen Schuppen mit Rottönung und der braunroten Hutfarbe."


    Das ist durchaus eine Option. Allerdings ist z.B. bei 1.700 Pilze Beschreibung eine Abbildung der Espenrotkappe mit "gleicher" Hutfarbe und auch die Rottönung der Schuppen wird dort erwähnt.
    Was mir bei diesem Exemplar auffiel war vor allem, dass sich verletzte Stellen auf der Außenseite nicht rotbraun verfärbten, etwas was ich bei den Eichen-Rotkappen immer beobachtet hatte. Auch im Schnitt verfärbten sie sich anders.
    Ich hoffe ich finde morgen noch ein älteres Exemplar an der Stelle mit den mutmaßlichen Eichenrotkappen, damit ich von denen auch eine Sporenprobe anfertigen kann.

    Zitat

    Ingo W
    "Allerdings kann ich Eichen-Rotkappe von Nadelwald-Rotkappe nicht unterscheiden, wenn beide Bäumeim im Umfeld stehen."


    Das kann ich gut nachvollziehen. Ich hatte meine Eichen-Rotkappen im "Fundbericht Hessen" auch erst als Nadelwald-Rotkappen angesprochen. Dank Feedback aus dem Forum, dann aber in Eichen Rotkappen geändert. Wobei eine gewisse Unsicherheit blieb.

    Zitat

    Ingo W
    "Gerade die Nadelwald-Rotkappe habe ich dieses Jahr sehr oft gesehen"


    Hast Du davon einige Abbildungen. Gerade zu dieser Art habe ich nur recht wenig zuverlässiges Bildmaterial finden können.

    Zitat

    Hexenopa
    "In 2011 hatte ich einen Fund von Leccinum piceinum hier einmal vorgestellt."


    Muss ich mir mal genau ansehen.


    Zitat

    Hexenopa
    "Übrigens, gute und brauchbare Literatur über Rotkappen findest Du wohl nur bei französischen Mykologen."


    Danke für den Hinweis, da ich sowieso gerade wieder am Französisch lernen bin, ist das eine interessante Option. Kannst Du da irgendeine Quelle empfehlen?

    Kann jemand in Bezug auf die Sporenfarbe etwas sagen.
    Laut 1.700 Pilze müsste die bei der Pappel-Rotkappe, oliv-braun und bei der Eichenrotkappe (und allen anderen) "gelb-braun" sein. Allerdings fehlen mir vergleichswert (obwohl ich mir einige Farbtafeln im Netz angesehen habe, kann ich es nicht eindeutig einstufen, tendiere aber eher zu oliv-braun).

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

    Einmal editiert, zuletzt von ThomasL (20. Oktober 2014 um 11:53)

  • Nein Thomas da kann ich Dir leider keine Quelle zu liefern.
    Ich hatte nur zufällig mal die Webseite eines französchen Mykologen gefunden, der sich mit Rotkappen beschäftigte.
    Der gehörte einer mykologischen Arbeitsgruppe an, die sich mit der Gattung Leccinum befasst.
    Leider hatte ich mir den Link damals nicht gespeichert...weil ich doch kein französisch spreche und lese.

    VG Julius

    P.S.: Ein namhafter deutscher Mykologe, der sich auch mit Rotkappen recht gut auskennt ist Andreas Gminder.
    Den erreichst immer via dem PizePilze-Forum.

  • Danke Julius,

    ich versuche gerade noch mehr im deutschsprachigen Bereich zu finden. Eine vielversprechenden Link habe ich schon gefunden:

    http://www.mykopedia.org/pilzdatenbank/…fuesse_leccinum

    Dort steht u.a.:

    Zitat

    Leccium aurantiacum (Laubwald-Rotkappe) ist laut Den Bakker & Noordeloos1 eine Typusart der Gattung Leccinum (Raufüße), sie betrachten den Namen als aktuell (Stand jeweils 05.01.2013). Hinzu geordnet sind die bei anderen Autoren aufgeführten Arten L. populinum und L. quercinum. Entgegen anderen Autoren heben Den Bakker & Noordeloos1 den Artrang von L. populinum und L. quercinum auf und stufen diese als Farbvarianten von Leccium aurantiacum ein.

    Quelle: http://www.mykopedia.org/pilzdatenbank/…num_aurantiacum

    Jetzt muss ich noch rausfinden wer die anderen Autoren sind, damit ich beide Argumentationen nachvollziehen kann.

    Zu der Weißschuppigen gibt es dort auch eine Beschreibung: http://www.mykopedia.org/pilzdatenbank/…_albostipitatum

    So langsam wird mir klar, warum ich mir da schwer tue :D

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

    Einmal editiert, zuletzt von ThomasL (20. Oktober 2014 um 19:50)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Leute!

    Es ist doch eigentlich gar nicht so schwer mit den Rotkappen. :wink:
    In Deutschland kommen 5 - 6 Arten vor, wobei eine ausgehend von der Hutfarbe gar keine ist.
    Das wäre Leccinum duriusculum (Pappel - Raufuß).
    Der ist braunhütig, zählt aber (erkennbar am festen Fleisch und der überhängenden Huthaut zu den Rotkappen.
    Leccinum versipelle (= Leccinum testaceoscabrum) ist die Birkenrotkappe, die obligat an Birken gebunden ist und sich durch schwärzliche Stielschuppen und eine recht blasse Hutfarbe gut von den anderen Arten unterscheidet. Diese gibt es auch in einer braunhütigen Form.
    Leccinum quercinum (= Leccinum aurantiacum ss. orig.), die Eichen- oder Laubwald - Rotkappe hat einen rotbraun geschuppten Stiel, auch schon ganz jung und eine kräftige rotbraune Hutfarbe. Sie kommt bei diversen Laubbäumen vor.
    Leccinum leucopodium (= Leccinum albostipitatum = Leccinum rufum = Lecinum aurantiacum ss. auct.), die Weißstielige oder Pappelrotkappe hat junge einen weiß beschuppten Stiel, die Schüppchen werden zum Teil auch im Alter etwas dunkler, sind aber etwas flockiger und wolliger als bei Leccinum quercinum. Sie kommt nur bei Pappel - Arten vor.
    Leccinum vulpinum (Fuchsrotkappe, Kiefern - Rotkappe) ist eine an Nadelbäume (möglicherweise obligat Fichten) gebundene Art mit dunklen, meist fast schwärzlichen Stielschuppen, aber wesentlich kräftigerer Hutfarbe als Leccinum versipelle.
    Leccinum piceinum (Fichtenrotkappe) ist für mich noch ein Phantom, das ich noch nicht selbst in der Hand hatte. Bislang sehe ich in Beschreibungen kein konstantes morphologisches Merkmal, um die von Leccinum quercinum bzw. auf der anderen Seite von Leccinum vulpinum abzugrenzen.


    LG, Pablo.

  • Wow, Pablo. Vielen, herzlichen Dank, das ist die beste zusammenfassende Beschreibung die ich bisher "finden" konnte. Wird ausgedruckt und kommt in meinen Pilzordner!

    Meine Hauptschwierigkeit resultiert immer noch aus teils unterschiedlichen Beschreibungen und einem begrenztem Umfang an Referenzbilder zur Einordnung der Hut- und Stielfarben sowie aus der z.T. nur sehr geringen Verfärbung meiner Funde.
    Ich muss aber sagen, dass sich zumindest die Birkenrotkappen die ich vor kurzem gefunden habe, gut einstufen ließen - ist ja schonmal ein Anfang.

    Zitat

    "... Leccinum duriusculum (Pappel - Raufuß).
    Der ist braunhütig, zählt aber (erkennbar am festen Fleisch und der überhängenden Huthaut zu den Rotkappen."


    Interessant, dass war mir neu. Dann hatte ich ja meinen ersten Rotkappenfund doch schon früher als gedacht ;-). Das feste Fleisch ist mir damals besonders aufgefallen, aus lukullischer Sicht ein echtes Plus dieser Art.

    Zitat

    "die Weißstielige oder Pappelrotkappe hat junge einen weiß beschuppten Stiel, die Schüppchen werden zum Teil auch im Alter etwas dunkler, ..."


    Hier lag eines meiner Hauptprobleme bei den letzten Funden, kann dieses "dunkel werden" in Richtung rotbrauner Schuppen gehen? Zumindest bei 1,2,3 Pilze (und im Buch) ist ein Exemplar der Pappelrotkappe abgebildet, dass rotbraune Schuppen hat. Auf das Kriterium "sind aber etwas flockiger und wolliger als bei Leccinum quercinum" werde ich nochmal genauer achten müssen.

    Gestern hatte ich nochmal einen einzelnen Fruchtkörper gefunden und sehr genau untersucht. Dieser stand direkt unter 4 Pappeln, aber eben auch nicht weit entfernt von Kiefern, Fichten und Eichen (letztere ca. 10m entfernt). Ich stelle den heute abend mal ein Edit: Habe mir anders überlegt, ist nicht viel anders als obiger, lediglich mit Fotos dokumentiert, dass er sich kaum verfärbt (mehrere Fotos über einen längeren Zeitraum).

    Da es so langsam mit den Rotkappen aufhört, werde ich Euch erst nächstes Jahr wieder mit diesem Thema quälen ;)

    Gruß Thomas

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

    Einmal editiert, zuletzt von ThomasL (22. Oktober 2014 um 18:42)

  • Hallo!

    Zitat


    Leccinum vulpinum (Fuchsrotkappe, Kiefern - Rotkappe) ist eine an Nadelbäume (möglicherweise obligat Fichten) gebundene Art mit dunklen, meist fast schwärzlichen Hutschuppen,


    Muss man sich mal vorstellen.
    Kicher!

    VG Ingo W

    Bezüglich Pilzbildanfragen: Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten.

    Einmal editiert, zuletzt von Ingo W (24. Oktober 2014 um 02:45)

  • Na dann ist die Abgrenzung ja doch recht einfach. Hutschuppen hatte noch kein von mir gefundener Raufuß ;)

    Das schlimme ist, wenn man solche Texte selbst schreibt kann man 10 mal querlesen und wird einen solchen Fehler oft nichtmal sehen. Das Gehirn korrigiert da scheinbar automatisch selbst, basierend auf der Erwartungshaltung.

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

    • Offizieller Beitrag

    Hoppla?

    Schuppen auf dem Hut?
    Ich sagte ja: Ganz leicht zu bestimmen. :wink:

    Gut, daß es dir aufgefallen ist, Ingo, ich ändere das mal.


    LG, pablo.