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Diesmal bin ich mir einigermaßen sicher...

  • … zum ersten Mal einen Seifenritterling gefunden zu haben.


    Hallo ihr Lieben,


    letztes Jahr hatte ich zwar schon mal einen Kandidaten, aber der war recht räudig und sollten den Namen auch nur bekommen, weil sonst keiner zu passen schien.


    Diesmal ist es aber einer, der genau so riecht wie früher die handwasch-Schafwollsocken, die meine Mutter mit Kernseife eingeweicht hat, und auch ansonsten passt das relativ variable Erscheinungsbild des Seifenritterlings auf meinen Fund.

    Aber: Welcher isses denn? War mir nicht bewusst, dass es da mehrere gibt.


    Aber wenn ich in die App reinschaue, scheint der Orangegelbverfärbende Seifenritterling besser zu passen als der normale - insbesondere der nach unten konisch zulaufende Stiel und die gekerbten Lamellen.

    Durchschneiden wollte ich ihn noch nicht, bei dem Funzel-Kunstlicht könnte ich eine Gelbverfärbung nicht so gut sehen. Das mache ich evtl. morgen bei Tageslicht. Aber oben auf dem Hut ist er auch so schon ein bisschen gelb-orange gefärbt. Oder sind das eh alles nur "weiche" Kriterien, und zur Unterscheidung der Arten muss man sowieso auf was ganz anderes achten?




    Sichtbar in der Nähe standen nur Fichten.


    Was meint ihr?


    Danke schon mal und liebe Grüße

    Sabine

  • Moin, Sabine!


    Also den klassischen Seifenritterling (Tricholoma saponaceum s.l., also inklusiver aller Farbformen und Formen mit Stielschuppen) würde ich hier ausschließen.
    Sielform, Struktur der Hutoberfläche und Farben passen dazu nicht. Tricholoma saponaceum kann hin und wieder etwas röten, die Lamellen können gelblch oder blass gelbgrünlich sein (wenn jung!). Verfärbungen bei Ritterrlingen darf man sich aber nicht vorstellen wie bei Röhrlingen (einmal schneiden und im nächsten Moment wird's blau), sondern mehr in der Geschwindigkeit wie beim Perlpilz.


    Wenn du mit "Orangegelbverfärbender Seifenritterling" Tricholoma boudieri meinst: Das könnte durchaus gaanz gut hinkommen. Dann wäre der deutsche Name aber relativ unglücklich, weil diese Art weder nach Kernseife riechen soll, noch orangegelb verfärbt (sondern eben rot, das aber normalerweise deutlich).

    Ich kann das hier aus der Distanz nicht beurteilen, zumal solche rein weißen fruchtkörper mit eher filzig wirkender Hutoberfläche (ohne radialfaserige Strukturen, keine Schuppen und nicht glänzig - schmierig) und arg entfernt stehenden Lamellen auch in die Gruppe der Arten um Tricholoma album gehören können, die aber halt auch anders riechen.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Lieber Pablo,


    vielen Dank für deine Hinweise.

    Mit dem Orangegelbverfärbenden Seifenritterling meinte ich Tricholoma rapipes (den habe ich hier gefunden: orangegelbseifenritterling.htm)


    Da steht schon ein mehlig-seifiger Geruch dabei, und auch gelbe Verfärbung scheint möglich zu sein. Und die Hüte sehen zumindest auf den Fotos auch eher filzig aus.

    Auf den meisten Fotos dort stehen die Lamellen aber in der Tat dichter als bei meinen Exemplaren.


    Ich habe gerade noch eine Geschmacksprobe gemacht, sie sind mild. Das passt zumindest für den Strohblassen Ritterling nicht. Und wenn der "normale" Seifenritterling merklich bitterlich ist, passt es auch dafür nicht. Bei bitter bin ich normalerweise ziemlich empfindlich.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo, Sabine!


    Achso, Tricholoma rapipes!

    Das ist nach FNE4 eine "kritische" Art. Soll heißen: Der ist möglicherweise nicht konstant von Tricholoma saponaceum zu trennen, sondern repräsentiert eventuell nur eine gelbhütige Form. Tricholoma rapipes ist aber meiner Ansicht nach für deinen Fund auch auszuschließen, denn der ist farblich doch deutlich anders.

    Den Geschmack von Seifenritterlingen (im weitren Sinne) habe ich noch nicht selbst getestet, das steht noch aus. Interessant wäre zu sehen, wie deine Pilze heute, nach mehr als einem Tag "Rumliegen" aussehen, insbesondere ob und wenn ja wie die sich verfärbt haben.


    Die oben von dir verlinkten Bilder dürften übrigens alle fehlbestimmt sein. Die Pilze dort haben ja striate Hutoberflächen und eher gedrängte Lamellen, die gehören nicht in die Artengruppe um den Seifenritterling (Tricholoma saponaceum), sondern eher in die Gruppe um den Grüngelben Ritterling (>Tricholoma sejunctum<), der ja eben auch eine Laubwaldart wäre. Bei unkritisch von Mushroomobserver übernommen Bildern hat man halt oft mit Fehlbestimmungen zu tun, und die andere Schwierigkeit: Das sind oft nordamerikanische Funde, wo man ein völlig anderes Artenspektrum hat als in Europa.
    Plausible Abbildungen von Tricholoma "rapipes" wären zB >die hier< oder noch besser: >Jene dort<.



    LG, Pablo.

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  • Lieber Pablo,


    oh weia, das wird ja immer komplizierter.... Vom Aussehen her finde ich die in deinem ersten Link jetzt nicht sooo weit weg, die im zweiten allerdings schon sehr. Aber den richtigen Stempel habe ich dann noch nicht gefunden.

    Dir vielen Dank für die Hilfe bei der Suche :)


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo, Thomas!


    Nein, jedenfalls nicht pauschal. Das Meiste stimmt da durchaus, aber man sollte kritisch sein, vor allem bei eher seltenen / ungewöhlnichen / schwer bestmmbaren Arten.

    Das betrifft aber so ziemlich alle Seiten im Netz. Ausnahmen sind da Seiten von dezidierten Gattungsspezialisten, die intensiv an einzelnen Gattungen oder Pilzgruppen arbeiten.
    Da wird man die zuverlässigsten Abbildungen und Informationen finden.
    Solche "Positivbeispiele" gibt es zB für
    >Psathyrellaceae<

    >Inocybe<

    >Inoperculate Becherchen<

    >Helmlinge<

    >Wulstlinge<

    >Täublinge<

    >Rindenpilze<

    und einige weitere.

    Bei Seiten, die ein viel größeres, und sehr allgemeines Spektrum abdecken (wie die Suchmaschine hier) ist es halt auch für die Autoren viel schwieriger, man muss nach öffentlich nutzbaren Bildquellen suchen, wo man nicht für jedes einzelne Bild nutzungsrechte einholen muss (sonst wird's ein unmöglicher Arbeitsaufwand), man kann nicht erwarten, daß ein einzelner Autor (oder eine kleine Gruppe) in allen Gattungen und Pilzgruppen so ein fundiertes Fachwissen angehäuft hat, jedes Bild auch als plausibel abklopfen zu können. Das würde jedes menschliche Fassungsvermögen übersteigen.

    In diesem Fall fiel mir nur aus den oben genannten Gründen auf, daß mit den Bildern möglicherweise was nicht stimmt und ich die daher nicht als belastbare Vergleichsbilder für Tricholoma rapipes empfehlen würde. Klappt aber auch bei mir natürlich nur bei Gattungen, wo ich mich schon etwas eingehender mit beschäftigt habe.



    LG, Pablo.

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