Einige Funde aus dem Westerwald unter/an Rotbuchen

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 4.429 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (17. November 2019 um 19:39) ist von Beorn.

  • Hallo zusammen,

    Hier einige Funde von gestern im Buchenwald mit der Bitte um Bestimmung/Korrektur/Bestätigung. Schon einmal vielen Dank für die Mühe!

    1 Hericium coralloides an stehendem Totholz (Buche).

    2 Dildinia childiae auf liegendem Totholz (Buche).

    3 Kuehneromyces mutabilis (bin immer noch auf der Suche nach dem giftigen Doppelgänger für die Fotosammlung).

    4 a-c Cortinarius - vermutlich, aber dann - poppyzon ?

    5 Tremella mesenterica an liegendem Totholz (Buche)

    6 a-b indet auf Baumstumpf (Buche)

  • Hallo Rainer!

    schöne Funde!

    zur Tat:

    1. :thumbup:Stachelbart Ästiger

    2. Möglich, es könnten aber noch andere sein - z.b. DALDINIA CONCENTRICA

    3. :thumbup: ich suche den Doppelgänger auch noch. hab noch keine eindeutigen Funde gemacht...

    4. passe

    5. :thumbup:

    6. Winterhelming

    liebe Grüße!

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!

    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!

    Offizielle Freigaben kann es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort geben!

  • Hallo Axel,

    Vielen Dank, dann bin ich nun schon wieder etwas weiter! Ob man Daldinia sp.div. makroskopisch ausseinanderhalten kann weiß ich nicht, aber ich hab noch einmal eine Vergrößerung zugefügt, wo vielleicht diese kleinen schwarzen muschelartigen Strukturen, die wohl auch zu der Art gehören, etwas sichtbarer werden als im vorherigen Bild.

    Noch einen schönen Tag und liebe Grüße!

    Rainer

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Rainer!


    Schöne Funde. Diese Daldinias sind in der Tat schwer zu bestimmen. Aber irgendwo müsste es auch im Netz einen recht aktuellen Schlüssel geben, wo man mit der KOH - Reaktion und den makroskopischen Eigenschaften schon recht weit kommt. Ist aber nicht so meine Baustelle, und in dem Fall auch nicht so wichtig, denn deine Daldinias sind Blutmilchpilze (Lycogala spec.). :wink:

    Die kleinen grauen Scheibchen daneben sind Weichbecherchen (Mollisia spec.), die allerdings noch viel, viel komplizierter sind als Daldinias oder Blutmilchpilze.

    Wenn die Helmlinge an Laubholz wuchsen, und nicht nach Chlor, sondern unbedeutend oder nach ranziger Butter rochen, dann wären das Buntstielige Helmlinge (Mycena inclinata).


    Der Zitterling ist interessant. Denn aan dem Substrat ist ja ein Stereum (Schichpilz) zu sehen.

    Damit kommt noch die an Stereum parasitierende Tremella aurantia ins Spiel. Tremella mesenterica parasitiert Zystidenrindenpilze (Peniophora).
    Nun ist es aber so, daß die Peniophoras erstens eh schwer zu sehen sind, zweitens auch keine Fruchtkörper gebildet haben müssen, weil die Tremella das Mycel parasitiert.
    Tremella aurantia sitzt dagegen in aller Regel direkt auf den Fruchtkörpern von Schichtpilzen (meistens Stereum hirsutum).

    In deinem Fall müsste man wohl mikroskopieren, um es wirklcih zu wissen, welche der beiden tremellas man da vor sich hat.

    Die Pilze mit den lila Stielen sind Schleierlinge mit Wuchsanomalien. So gesehen in diesem Jahr ein paar Mal bei Cortinarius anserinus (Buchenwald - Klumpfuß).

    Tatsächlich sehen diese Fruchtkörper sogar aus wie Cortinarius anserinus, aber da es mehrere Arten mit dem Aussehen gibt, muss man da erstens dran riechen, und zweitens mal ein Stück Huthaut ankauen (bei anserinus bitter).


    LG; Pablo.

  • Hallo Rainer,

    auf Grund der dunklen Färbung des Cortex bzw. der sich darauf befindlichen kleinen Schüppchen, würde ich die Lycogala gar noch etwas konkretisieren und sie als Lycogala epidendrum benennen. Eine Grössenangabe der Aethalien (Fruchtkörper) bzw. ein Maßstab im Foto wären hier noch hilfreich gewesen.

    Schleimis sind schon so ein Ding für sich...:wink:

    LG Thomas

  • Hallo Pablo,

    Ganz herzlichen Dank für Deine ausführlichen Anmerkungen! Bin tief beeindruckt und musste den Beitrag regelrecht durcharbeiten. Hatte zwar anderes vor aber gehe dann heute nochmal die gleiche Tour und kann dann eventuell noch das eine oder andere an Infos nachreichen.

    Noch einen sonnigen Tag !

    LG Rainer

  • Hallo Thomas,

    Auch Dir herzlichen Dank! Lycogala schaue ich mir heute auch noch mal an (falls sie nicht schon weggelaufen sind ....)

    Da Du Dir offenbar meinen Beitrag zu Russula und Paralepista aus dem Fichtenforst ohne Protest angeschaut hast, gehe ich einfach einmal davon aus, dass ich mit meinen Vermutungen da ausnahmsweise nicht falsch gelegen habe.

    Dir einen angenehmen Tag!

    LG. Rainer

  • Hallo Rainer,

    zu den Pilzen aus deinem anderen Beitrag kann ich leider nicht so viel beitragen. Da gibt es hier einige Experten die das wesentlich professioneller können.

    Mit deinen Blutmilch-Schleimis hatte ich mich jedoch vor einiger Zeit schon einmal recht intensiv befasst. Hier mal mein damaliger Thread zum Thema mit einem Link ins Nachbarforum, wo sich doch auch richtige Spezies zu bestimmten Themen tummeln:

    Blutmilch-Schleimpilz

    LG Thomas

  • Nachtrag.

    Hallo zusammen!

    War nochmal gestern an den gleichen Standorten um eventuell was konkretisieren zu können.

    Beorn

    Cortinarius anserinus. Die Huthaut schmeckt tatsächlich bitter und zwar kräftig! Mit dem Geruch ist das so eine Sache. Ich empfinde ihn irgendwie mild , habe aber keine Assoziation zu "obstig" wie vielleicht bei Lepista nuda. Alles in allem stimmt aber dann wohl, wie von Dir schon vermutet "anserinus". Was mich in diesem Zusammenhang wundert ist der Name. Wenn "anserinae" Gänse bezeichnet oder Potentilla anserinae, das häufige Gänsefingerkraut so heisst, dann fällt mir in Verbindung mit dem Pilz hier so gar nichts dazu ein ....

    Tremula spec.. Auf der Rückseite des Astes war noch ein weiteres verblichenes Exemplar. Unter beiden konnte ich keinen Fruchtkörper von Stereum entdecken. Aber konkret hilft das jetzt ja dann auch nicht weiter ...

    Beachwolle

    Lycogala epidendrum. Leider konnte ich den Standort nicht mehr finden - wohl doch schon weggelaufen ;-). Ich denke, die Charakterisierung der beiden gemäß dem obigen Link im Pilzforum.eu passt für die Art ganz gut. Die Größen der Fruchtkörper habe ich entsprechend in Erinnerung (was im Nachhinein natürlich etwas vage ist). Was mich etwas verwundert, nach der Öffnung eines solchen Fruchtkörpers trat rein graues Sporenpulver aus - weder mit rotem oder orangen Farbstich. Vielleicht haben ja Alter oder erste Bodenfröste die Farbe beeinträchtigt.

    So, Euch allen, die Ihr mir geholfen habt, noch einmal herzlichen Dank!

    Und allen ein angenehmes Wochenende!

    LG Rainer

  • Hallo Rainer!

    Hab mal im LUDWIG nachgeschaut, Velenovsky fühlte sich beim Geruch an Gänsebraten erinnert.

    VG Ingo W

    Bezüglich Pilzbildanfragen: Pilz nur von oben ist wie Käfer nur von unten.

  • Hallo Ingo,

    Stark!! War nicht meine Assoziation aber kommt jedenfalls mir tatsächlich näher als "fruchtig". Da sieht man mal wieder, wie individuell Gerüche war genommen werden - oder Pilzindviduen tatsächlich unterschiedlich riechen können!

    Vielen Dank für die Aufklärung!

    Beste Grüße!

    Rainer

    • Offizieller Beitrag

    Salve!

    Hm, ein PIlz der nach Gänsebraten riecht?
    Vielleicht hätte ich ein oder zwei Kilo von denen einsammeln sollen, die Huthaut abziehen, trocknen und dann als Weihnachtsgans anrichten...

    Spaß beiseite, aber der Geruch ist bei dem schon komisch. Wo der Gedanke her kommt, darüber hatte ich ehrlich gesagt mir noch keine Gedanken gemacht.
    Ist aber meines wissens das einzige Phlegmacium mit dem Aussehen und zugleich bitter schmeckender Huthaut (aber rest vom Pilz mild).


    LG; Pablo.