Zimtbraune Kohlenbeere ?

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 3.789 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (28. November 2019 um 19:35) ist von Beorn.

  • Hallo Pilzfreunde,

    ich habe gestern gezielt Birken aufgesucht, auf der Suche nach einem Birkenporling, vielleicht habe ich sogar einen gefunden, aber der lässt sich wohl nicht mehr bestimmen. Von der Form her war es vermutlich eher ein Zunderschwamm. Interessant wäre die Frage welches Getier die großen kreisrunden Löcher gemacht hat. An dem umgerissenen Birkenstamm waren noch mehr ausgehöhlte Exemplare von diesem Baumpilz.

    Am gleichen Stamm habe ich aber noch etwas anderes entdeckt, vielleicht die Zimtbraune Kohlenbeere, seltsam nur dass kein Begleitpilz zu erkennen ist und dass der linke Pilz mit einer 1-2mm dicken Schicht „Zimtpulver“ belegt ist. Der Pilz lässt sich gummiartig drücken und das Pulver liegt leicht auf wie wenn man es gerade mit dem Streuer drauf getan hätte. Der Stamm liegt nur 3km entfernt, ich könnte dieses Exemplar noch aufschneiden falls das jemand interessiert.

    Grüße

    Porli


  • Hallo!

    Der erste wird wohl der Malerpilz Ganoderma applanatum sein. Und die Löcher kommen von der Zitzenfliege!

    Liebe Grüße

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!

    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!

    Offizielle Freigaben kann es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort geben!

  • Hallo Porli,

    deine "Zimtbraune Kohlenbeere" ist wohl keine. Ich denke hier eher an den reifen Stäublingsschleimpilz (Enteridium lycoperdon)

    Viele Grüße

    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock


    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo Porli,

    deine "Zimtbraune Kohlenbeere" ist wohl keine. Ich denke hier eher an den reifen Stäublingsschleimpilz (Enteridium lycoperdon)

    Hallo Veronika,

    "Enteridium Lycoperdon" (Stäublings-Schleimpilz) fiel mir beim Betrachten auch spontan ein.

    - War allerdings zu feige diese Art vorzuschlagen, da ich die bisher nur im Frühjahr (April, Mai) gefunden habe. Interessant, bei mir auch immer nur an Birke:


    GrüßeGerd

  • Ihr seid echt Klasse :thumbup: was man hier alles erfährt

    auch hoch interessant, dass die Fliege ihren eigenen Pilz hat (oder umgekehrt)

    oder

    wer war zuerst da, der Mensch oder die Stubenfliege:)

    Danke

    Porli

  • Hallo Gerd,

    deine Beobachtung bezüglich der Erscheinungszeit von Enteridium Lycoperdon teile ich auch . Aber man wird ja immer wieder überrascht von den lieben Pilzen/Myxomyceten. Ich werde mal in meiner Sammlung nachschauen, ob ich auch eine späte Erscheinungszeit finde.

    Nachtrag - ich habe keinen Fund im Herbst. Mein spätester Fund ist Juli. Als Substrat habe ich selten Birke, oft Ahorn, Esche, Buche und verbautes Holz.

    Viele Grüße

    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock


    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

    • Offizieller Beitrag

    Bon Soir!

    Es ist schon möglich, daß der einigermaßen zerfallene Porling mal ein Flacher Lackporling war, und die Löcher vin Zitzengallenfliegen stammen.

    Aber irgendwas ist da komisch. Normalerweise bilden die Zitzengallen gröbere, abstehende Pickel an der Unterseite. Hier sind's ja nur Löcher. Aber auch das mag eine Verwitterungserscheinung sein.


    Dennoch sollte man im Hinterkopf haben, daß es haufenweise Insekten gibt, die abgestorbene Porlingsfruchtkörper ganz unterschiedlicher Gattungen und Arten verwerten.
    Und wenn man nur den Porling selbst betrachtet, kann das schon auch was Anderes sein, ein Rotrand (Fomitopsis pinicola) kann durchaus auch so aussehen (und kann auch von INsekten zerlöchert werden).


    LG, Pablo.

  • Hallo Gerd,

    deine Beobachtung bezüglich der Erscheinungszeit von Enteridium Lycoperdon teile ich auch . Aber man wird ja immer wieder überrascht von den lieben Pilzen/Myxomyceten. Ich werde mal in meiner Sammlung nachschauen, ob ich auch eine späte Erscheinungszeit finde.

    Nachtrag - ich habe keinen Fund im Herbst. Mein spätester Fund ist Juli. Als Substrat habe ich selten Birke, oft Ahorn, Esche, Buche und verbautes Holz.

    Hallo Veronika,

    danke für deinen Beitrag.

    - Ja Ich bin auch immer wieder überrascht, dass typische Frühjahrspilze auch spät im Jahr erscheinen können:

    (1) Das krasseste Beispiel nach Literatur war für mich eine "Speise-Morchel" (Morchella esculenta ss. lat.), mikroskopisch überprüft, im Herbst.

    - Und jetzt noch drei weitere, die ich in der Hand hatte:

    (2) "Maipilz" (Calocybe gambosa) in einer +-gelblich gefärbten Form im Herbst.

    (3) "Lepista nuda" (Violetter Röteritterling) im Frühjahr.

    (4) "Melanoleuca cognata s. lat." (Frühlings-Weichritterling) im Spätherbst.

    ---------------------------------------------

    - Also, warum soll diese Art nicht auch so spät im Jahr Fruchtkörper bilden?

    ---> Und solange keine überzeugend bessere Vorschläge kommen, schlage ich vor, diesen Fund so wie von uns vermutet zu bezeichnen.

    Grüße Gerd

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Gerd!


    Insbesonder die Morchel finde ich wirklich bemerkenswert!

    Die drei anderen erwähnten hatte ich auch schon außerhalb ihres normalen Fruktuationsmaximum in der Hand, aber Morcheln - dass ist schon noch mal was Besonderes.
    Zeigt aber nur einmal mehr: Man darf sich - zumindest für Bestimmungen - nicht auf die Phänologie als Merkmal verlassen.


    Lg; pablo.