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Reaktionen mit Phenol und Guajak

  • Liebe Pilzfreunde,

    in der Bestimmungsliteratur fand ich nur für den Orangegelben Scheidenstreifling (Amanita crocea) die Angabe "mit Phenol schokoladenbraun, mit Guajak blau bis blaugrün". Der vorliegende Pilz kann aber wegen der fehlenden Hutriefung und dem deutlichen Ring wohl diese Species nicht sein. Welche Arten können denn noch solches Färbeverhalten aufweisen? Alle Wulstlinge? Bringen diese Merkmale was für die Bestimmung?


    Leider zerfaserte hier die Stielbasis. Das Sporenabwurfpräparat war so dünn, dass keine Farbe erkennbar war; wie die radiale Rissbildung zeigt, war wohl das Exemplar schon zu alt.


    Weitere Merkmale:

    Gewachsen an moosiger Stelle; Geruch neutral; kein Maden- oder Schneckenbefall.

    Hut 4 cm, gelb, mittig etwas dunkler, matt; Huthaut nicht tortenartig abziehbar, eher in kleinen Fetzen; Fleisch unter der HH gelblich; eine kleine Velumflocke auf dem Hut; Hut war vom Stiel abtrennbar und am Stiel verblieb ein Knopf wie beim Knopfstieligen Rübling (Hut dagegen ohne Loch); Stielansatz war auf dem Hut als Abdruck sichtbar; Stiel wurde nur mit einer dünnen HH überdeckt

    Lamellen weiß, eng, keine Zwischenlamellen; Lamellenschneiden ungezahnt, ziemlich glatt und auch nicht flockig.

    Ring weiß, vergänglich.

    Stiel hohl, längs spaltbar, nicht genattert aber matt mit leichtem Glanz wie bereift.

    Sporen rund bis leicht oval (10-13 µ).


    LG, Toni


  • Hallo Toni,


    richtig: "Scheidenstreiflinge" kannst du aus den von dir genannten Gründen ausschließen.


    Bei den Farbreaktionen auf Reagenzien ist wichtig, an welcher Stelle des Fruchtkörpers getestet wird.


    Der Klassiker [1] erwähnt folgende Reaktionen, z.B.:


    (1) Amanita crocea: Fleisch mit

    - H2SO4 -; KOH -; FESO4 -; Phenolanilin-; Guajactinktur -

    - Phenol ---> Stielfleisch dunkel weinrot


    (2) Amanita fuva: Fleisch mit

    - H2SO4 -; KOH -; FESO4 -

    - Phenol ---> Stielfleisch schokoladenbraun

    - Phenolanilin ---> Huthaut, Volva sofort weinrosa, dann braun

    - Guajactinktur ---> Huthaut, Volva nach 2' blau


    (3) Amanita gemmata: Fleisch mit

    - FESO4 -; Phenol -; Guajactinktur -

    - H2SO4 ---> Lamellen lila

    - KOH ---> Fleisch gelborange

    - Phenolanilin ---> Stielrinde, Lamellen---> rosa, dann braun

    - Guajactinktur ---> Huthaut, Volva nach 2' blau

    ------------

    Übrigens:

    Guajactinktur ---> blau, grünblau, grünlich werden bei mehreren Amanita-Arten erwähnt

    Phenol --> weinrot, schokoladenbraun (nur A. fuva), Rot (dann braun), rotbraun (dann schokoladenbraun) werden bei einigen Arten erwähnt


    Literatur:


    [1] A. Meixner (1975): Chemische Farbreaktionen von Pilzen; J. Cramer-Verlag


    Grüße Gerd


    Rigo: Dein Vorschlag gefällt mir!!!

  • Hallo Gerd,

    heute nahm ich einige Pilze mit nach Hause und testete sie mit Phenol und Guajak.


    Deutlich positiv in beiden Reaktionen waren:

    Dickblättriger Schwärztäubling

    Dünnblättriger "Schwärztäubling" mit dunkelbraunem Hut aber Rotfärbung an Bruchstelle

    Brauner Ledertäubling

    Grauer Wulstling

    Grauer Scheidenstreifling

    Parasol

    Safran-Schirmling

    Wald Champignon

    Perhuhn Champignon


    Negativ in beiden Reaktionen waren:

    Maiporling

    Rotfußröhrling (alt)


    Nur mit Guajak postiv war:

    Knopfstieliger Rübling


    Also ist es für mich schon sehr fraglich, ob diese Reaktionen einen Sinn bei der Bestimmung machen. Die sorgen doch mehr für Verwirrung, als dass sie was bringen. Und - wie oben erwähnt - diese Reaktionen bei der 123Pilze-App nur für Amanita crocea anzuführen, verwundert mich schon sehr. Ich werde die Reaktionen nicht mehr testen.


    LG, Toni


    Hier eine Auswahl: Unten Schirmling; Mitte Täubling; Oben Champignon

  • Servus Toni,


    Chemikalien setze ich, wenn erforderlich, für die Bestimmung von Mikrodetails unterm scharfen Glas ein. Mit der Gattung Russula, hab' ich nix am Hut, da kommen mW Phenol & Co am FK zur Anwendung.


    Rigo meint Amanita gemmata, dafür sind die von dir gemessenen Sporen entweder zu groß oder nicht richtig gemessen. Mit 8,9 -10,8 x 6,8 - 8,7 mµ werden sie in der Literatur beschrieben. 13 mµ ist weit über der Toleranzgrenze. Zur Länge der Sporen musst du auch deren Breite vermessen, Länge : Sporen = Q. Der liegt in diesem Fall zw. 1,1 - 1,4.


    Die Ungenauigkeit liegt vermutlich an deinem Mikro, ja? Mit den Sporen allein ist kein Krieg zu gewinnen, Basidien & Co wollen auch dargestellt werden. Aus einer Kollektion von jungen bis alten Fruchtkörpern + Fundortbeschreibung, Substratbestimmung usw.



    LG

    Peter

  • Hey Peter, Hallo Toni!

    Habe die Sporen von Tonis Pilz mal grob Vermessen, und komme auf Q=1,25, das geht ja auch ohne Maßstab. Die Form könnte auch gehen.

    Es geht ja nicht nur ums Reagieren Reagenzien, sondern auch um das Wie (Farbe) und Wo (Huthaut, Lamellen/Röhren, Stielrinde und Fleisch).

    Ach ja....blöde Pilze ;)

    LG Rigo

  • Hallo Peter, Hallo Rigo,

    mein Fehler, ich hätte "annähernd" schreiben sollen. Leider habe ich kein so tolles Vermessungssystem wie du, Rigo. Bitte nicht lachen, ich messe mit dem Lineal auf dem Monitor und vergleiche mit Blutzellen und den Sporen vom Hypholoma fasciculare. Ziemlich archaisch und entsprechend ungenau. Mit welchem Equipment arbeitest denn du, Rigo. Bring doch mal einen Beitrag zur Technik der Größenmessung, oder kannst du mir eine Literaturstelle - etwa im Tintling - nennen. Du hast ja offenbar ein schickes Computerprogramm dafür.


    Zur Literaturangabe "schokoladenbraun": Der Begriff ist natürlich ziemlich ungenau. Weiße Schololade wird ja wohl nicht gemeint sein:blush:. Aber auch Milchschokolade, Bitterschoko, oder Schoko mit Himbeeren etc. sind farbverschieden. Ich gehe mal davon aus, dass kakaufarben gemeint ist. Oder wurde der Begriff absichtlich so vage gewählt, weil eben auch die Verfärbung so stark von der Species, dem Alter des Pilzes, der Lokalisation am Stiel, der aufgetragenen Phenolmenge, der Einwirkzeit usw. abhängig ist.


    LG, Toni

  • Griaß eich zwa,


    @ Servus Toni,


    guck mal da rein, Messokulare & Objektmikrometer Den Artikel von Anfang weg lesen wäre kein Schaden, ;-)


    Sporen vermisst man direkt unter Immersionsöl, zehn ist gut, zwanzig sind besser. Profis zeichnen die Mikrodetails, dafür gibt's technische Hilfsmittel, die ich nicht habe. Dafür habe ich ein Trinokular-Mikro, da setz' ich meine alte Canon drauf und die Bilder landen direkt aufm PC.


    Deine Aufnahmen hast durch's Okular aufgenommen, daher stellt sich mir die Frage nach einem entsprechenden Computerprogramm nicht. Was du brauchtst ist ein geeignetes Mikroskop, so meine Denke.


    Guck einfach mal in den myko-shop - Alles rund ums Pilzesammeln! hinein.


    @Servas Rigo,


    ob, wie und wo Chemikalien reagieren ist für mich Sache beim mikroskopieren. Daher der Verweis, dass ich mich mit den Täublingen nicht beschäftige. Andersrum, für die Unterscheidung zwischen Arten einer Gattung würde mW die chem. Reaktion am FK nicht reichen.


    Übrigens,


    mittlerweile werden gar nicht so wenige Funde sequenziert. Was bisher makro-/wie mikoskopisch gezählt hat wird mit dieser rel. neuen Technik neu bewertet, in Frage gestellt,


    LG

    Peter

  • Hallo Toni

    Hallo Peter


    Oh je nun muss ich schreiben! Ne Toni, ich bin nicht gut ausgestattet, bin auch nur ein Tüftler.

    Wie messe ich...OK

    Ich benutze das kostenlose Programm, IC Measure. Dieses Programm kann man auf das benutze Mikroskop eichen. Man lädt ein Bild und bemaßt den Durchmesser des zu sehende Sichtfeldes. Dazu rechnet man…

    Okular / Objektiv *1000= Sichtfelddurchmesser in µm. Also in meinem Falle…

    12 / 90 *1000= 133,3333 µm.

    Die Methode der Messung ist aber nicht genau genug und stellt nur eine Annäherung dar. Um genauer zu messen, müsste ich mich auch erst kundig machen.


    peter

    So tief in die Mykologie werde ich nicht einsteigen. Ich gucke so tief ich kann und gut iss! ;)


    LG Rigo



  • Servus Rigo,


    die Mikroaufnahmen in deinen Beiträgen sind nicht von schlechten Eltern, ev. fehlt deinem Mikro lediglich ein Messokular?


    Mit allen Vieren steckst mE schon drin, in der Mykologie. Ich gucke ja auch nur so tief wie ich kann, :wink:


    LG

    Peter

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