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Schöner Täubling sucht ein zu Hause

  • Liebe Pilzfreunde


    Ebenfalls letzten Samstag einen weiteren schönen und interessanten Täubling gefunden.


    Hut schon früh becherförmig aufgestellt bzw Mitte eingewölbt, Farbe blassrötlich mit interessanten Tönen aus Bronze/Bleichgold/Messung/Kupfer (die Fotos geben diese nicht ideal wieder) zur Mitte etwas kräftiger, Huthaut lässt sich bis zur Hälfte Richtung Mitte abziehen, Rand höckerig gerieft


    Geruch unauffällig, vielleicht schwach obstartig


    Geschmack mild


    Lamellen spröde-brüchig, Creme bis strohgelblich, keine Zwischenlamellen oder Gabelungen aber mit Anastomosen, wie bei gekippten Domino Steinen gelegentlich alle in eine Richtung gelehnt


    Stiel von oben bis unten gleichmäßig weiß, nicht rot überhaucht oder ähnliches, relativ fest, erst bei dem ganz großen etwas wattig hohl


    Fleisch weiß, nicht auf Verletzung färbend


    Sporenfarbe ocker


    Habitat Kiefernwald auf sandigem Boden


    Meine Überlegung geht in Richtung Russula Pulchella (Verblassender Täubling) oder Russula Vesca (Speise-Täubling).


    Gegen R. Vesca spricht mE klar die Sporenfarbe und ist daher für mich raus, aber auch dass die Huthaut nicht kurz vor dem Rand aufhört.


    Gegen R. Pulchella jedoch spricht, dass auch nicht am Anfang eine Schärfe auftrat, sondern dieser sofort mild war. Ganz raus ist der für mich noch nicht.


    So richtig glücklich bin ich noch nicht. Die Farbe ist schon sehr speziell und da ich ca. 6 Fruchtkörper auf einer Stelle fand, ist es auch kein Einzelfruchtkörperphänomen.


    Habt ihr noch Ideen für mich, vielleicht auch Steigerwaldpilzchen und StephanW und gerne auch jede(r) andere.


    Vielen Dank vorab


    ReikeT









  • Hallo,


    schöne Vorstellung, dazu kann man auch etwas sagen.


    Deine zwei genannten Kandidaten scheiden sicher aus. R. vesca wegen der Sporenpulverfarbe, R. exalbicans(=pulchella) nicht zuletzt wegen dem Habitat und dem Geschmack. Letzterer ist ein strenger Birkenbegleiter, welche in deinem Kiefern/Eichen Wald eher nicht vorkommen dürfte. Auch das Sporenpulver erscheint mir zu dunkel.

    Jetzt die spannende Frage, was kann es sonst sein. Spät im Jahr kommt in deinem Habitat auf jeden Fall dieser hier - Kiefernweichtäubling - Russula cessans - vor. Ob er das nun ist kann ich per Bild nicht sagen. Hätte dein Fund einen Buckel wäre auch der Buckel-Täubling R.caerula in dem Habitat häufig zu erwarten. Er hat eine bitterliche Huthaut bei gleichzeitig milden Fleisch. Aber eben (fast immer) mit Buckel und kräftigeren Hutfarben.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • he Thiemo


    Super, vielen Dank. Ach das ist schon schade, dass man bei den Täublingen makroskopisch oft nicht ans Ziel kommt. Dennoch macht mir für Beschäftigung mit ihnen bisher großen Spaß.


    Dein Impuls hat mich nochmal auf etwas anderes gebracht. In der Hutmitte des großen stand Wasser. Dieses war schleimig bis klebrig. Was ich zunächst für ursächlich nicht näher bestimmbar hielt. Jetzt bin ich aber nochmal auf diesen Täubling hier gestoßen, der mE auch passen "könnte":

    Geriefte Weich-Täubling, Bunter Fichtentäubling (RUSSULA NAUSEOSA)


    Viele Grüße

    ReikeT

  • Hallo,


    R.nauseosa, R.laricina u. R.cessans gehören alle drei in ein taxonomisches Aggregat wo klare Trennungen unsicher und nur tendenziell möglich sind. Welche Tendenzen das sind hatte ich in meinem Portrait geschrieben (s.Link oben).


    LG Thiemo

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  • Hallo Reike,

    nun noch mein verspäteter Senf dazu. Eigentlich hat Thiemo alles Wesentliche schon gesagt. R. nauseosa ist ein Pilz unter Fichte, der vor allem sehr gerne jüngere Fichtenforsten ("Steinpilzwald") bewohnt. Deine Pilze stammen jedoch aus dem Kiefernwald. R. cessans ersetzt sozusagen R. nauseosa im Kiefernwald. Beide Arten sind sich so ähnlich, dass wenn man Fichten und Kiefern an der fraglichen Stelle hat, man um das Mikroskopieren nicht herumkommt.

    Böserweise kann es aber noch in eine andere Richtung gehen. War ein medizinischer Desinfektionsgeruch in der Stielbasis da, den du aber nicht wahrgenommen hast, käme stattdessen R. turci (Jodoform-Täubling) ins Spiel. Mikroskopisch wäre der ruckzuck identifiziert, da er äußerlich den beiden anderen sehr ähnlich ist, aber einen ganz anderen Huthautaufbau hat.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • He Stephan

    Dank Dir für Deine Ergänzung.

    OK, der Beschreibung von R. nauseous auf 123 hatte ich entnommen, dass eine Vergesellschaftung nicht streng nur mit Fichte vorkommen kann, aber vorwiegend besteht. Wenn Du schreibst, dass es Fichte sein muss, hast Du noch eine andere Quelle dafür? Oder ist das eine wie das andere eher eine Heuristik?

    Ich wäre zum jetzigen Zeitpunkt ehrlich gesagt bereits happy, wenn ich bei immer mehr Täublingen zum richtigen Aggregat komme :P

    Den Jodoform-Täubling möchte ich an dieser Stelle ausschließen. Auf diesen hatte ich geprüft und verworfen.

    Vielen Grüße und besten Dank Euch, dass Ihr so geduldig mit mir Täublinge diskutiert :yay:

    ReikeT

  • Hallo,


    es gibt sicher viele gute Bücher, der "Altmeister" welche in der Regel vergriffen sind. Frau Marxmüller's Russularum Icones ist das Werk mit dem ich hauptsächlich arbeite. Aber auch hier ist die gedruckter Version vergriffen und wird gemäß meiner Anfrage bei ihr auch nicht mehr nachgedruckt werden. Dafür gibt es seit 1 1/2 Jahren das Werk quasi digital auf CD. Als Extra kommt dazu noch der sehr gut Bestimmungsschlüssel von Bresinsky, der aber ohne Mikro kaum nutzbar ist. Arbeiten lässt sich mit der digitalen Version in jedem Fall erheblich einfacher, durch Verlinkungen im Dokument fällt das Suchen und blättern weg. Auch dabei ist eine hochwertige Sporenpulver-Farbtabelle.


    Bei Interesse am besten bei Fr. Marxmüller anfragen -> anatis.verlag@gmail.com ; Preis müsste so um die 30€ liegen. Billiger kommt man an keine so gute, deutschsprachige Monographie.


    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallo,


    Frau Marxmüller's Russularum Icones ist das Werk mit dem ich hauptsächlich arbeite

    ich habe es mir auch grade gekauft und ist gestern angekommen ( die CDversion ). Es ist sehr schön gemacht. Mir fehlt zwar noch das Mikro, aber nächstes Jahr wird bei mir eins da sein. Ich kann es nur weiter empfehlen :) .


    Viele Grüße

  • Also das Buch kostet sehr viel. Es gibt doch auch eine USB-Stick Version. Dafür ist dein Computer bestimmt noch nicht zu modern ;) .


    Viele Grüße

    Eine erste Recherche bestätigt den hohen Buchpreis.


    Leider ist mein Rechner auch für USB Sticks zu modern, bei mir ist nur USB-C verbaut..


    Ich bin auf noch ein anderes schönes Werk gestoßen, vielleicht kennt ihr es:

    Julius Schaeffer, Die Russulae - Russula Monographie

    Die Pilze Mitteleuropas Band III von IV


    Hier auch ein interessanter Aufsatz von Julius Schäffer:

    Pilzbücher von Julius Schaeffer


    Und dann noch:

    Die Gattung Russula in Bayern von

    Alfred Einhellinger

  • Also das Buch kostet sehr viel. Es gibt doch auch eine USB-Stick Version. Dafür ist dein Computer bestimmt noch nicht zu modern ;) .


    Viele Grüße

    Leider ist mein Rechner auch für USB Sticks zu modern, bei mir ist nur USB-C verbaut..

    Ich könnte dich mit USB zu USB-C Adaptern tot werfen, aber das hilft sicher nicht weiter. Heute ich bei fast jedem Smartphone ein solcher Adapter dabei und löst dein "Problem".

    Russularum Icones ist es auf jeden Fall wert, es gibt keine günstigere, aber vor allem keine bessere deutsche Monografie.

    Die Dinger gibt’s auf eBay teilweise für unter einen Euro.


    Herzliche Grüße aus Regen

    Frank

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