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Gummierter Hut - Unterscheidungsmerkmal für Lepista?

  • Zur Unterscheidung der Lila Rötelritterlinge von ihren "schleierhaften" Verwechslungspartnern werden ja meist die folgenden Merkmale genannt:


    • Geruch (Lepista: Multisaft, Bocks-Dickfuß: Ziegenkäse, andere Lila Cortinarien (?))
    • Schleier(reste) (Lepista: keine, Cortinarius: ja)
    • Sporenpulverfarbe: (Lepista: blaßrosa, fast weiß, Cortinarius: braun)
    • evtl. Lamellenbeschaffenheit (Lepista: verschiebbar / ablösbar, Cortinarius: nicht so (?))
    • evtl. Standort (Bocks-Dickfuß nur bei Nadelbäumen, Lepista überall)

    Jetzt meine Frage. Bei den Rötelritterlingen fällt mir auf, dass die Hutoberfläche so einen leichten gummiartigen Glanz hat und sich auch ein bisschen so wie Gummi anfühlt. Jetzt sind mir die Dickfüße noch nie im Wald begegnet, aber haben die auch so einen Hut - oder könnte man die schon allein daran unterscheiden? Auf Fotos sieht es für mich so aus, als wäre der Hut schon deutlich anders beschaffen, aber das kann ja auch manchmal täuschen.

  • Hallo!


    Gerade bei den Cortinarien gibt ja so viele Vertreter, da kann man sich auf keinen Fall nur auf die Beschaffenheit der Huthaut verlassen. Zu viele stark giftige Vertreter gibt es hier!


    Wenn man sich als Laie an Rötelritterlinge heranwagen will, so muss man eben alle von Dir genannten Merkmale bei JEDEM Fruchtkörper den man findet (auch wenn diese in unmittelbarer Nähe zueinander wachsen!) beachten. Wenn ein Merkmal nicht klar erkennbar ist, dann besser die Hände weg davon! Es können die Schleierreste vom Regen weggewaschen worden sein. Die Lamellen können noch schön lila sein, wenn die Pilze noch keine Sporen gebildet haben,... da ist es einfach wichtig ALLE Merkmale genau im Auge zu haben!


    lg

    alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!


    Offizielle Freigaben kann es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort geben!

  • Hi Biologe und danke dir für deine Mahnung zur Vorsicht. Ich hatte das vielleicht etwas unglücklich formuliert - natürlich möchte ich beim Sammeln alle Merkmale in Betracht ziehen, aber es schadet ja nicht, noch ein weiteres zu kennen.


    Und da bleibt ja die Frage bestehen - ist diese Beschaffenheit der Huthaut ein weiteres gutes Charakteristikum für Lepista, oder gibt es Cortinarien, die eine ähnliche Beschaffenheit haben? Wenn ja, welche?

  • Hallo KopfPilz,


    die Schleimköpfe sind bei mir im sauren Nadelwald immer so ein bisschen dünn gesät, aber ich denke, bei denen fühlen sich die Hüte eher ähnlich dem Violetten Rötelritterling an als bei den Dickfüßen.


    Auf gut Glück habe ich mal den hier ausgegraben: Purpurfüßiger Schleimkopf (CORTINARIUS PORPHYROPUS)


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine

    Auf gut Glück habe ich mal den hier ausgegraben: Purpurfüßiger Schleimkopf (CORTINARIUS PORPHYROPUS)

    Dieser und viele weitere Schleimköpfe werden als nicht giftig, aber ungeniessbar gelistet. Die Geschmacksbeschreibung ist aber bei vielen mit "mild" beschrieben. Ich verstehe nicht ganz, weshalb diese dann ungeniessbar sind. Ist es die Konsistenz oder was anderes, dass sie als ungeniessbar gelistet sind, weil ein milder Geschmack kann ja hier eigentlich nicht das Kriterium sein.


    LG

    Benjamin

  • Hallo Benjamin,


    bei mir läuft alles das unter "ungenießbar", was zwar nicht giftig, aber auch nicht schmackhaft ist.


    In unterschiedlichen Büchern werden die verschiedensten Pilze als essbar oder auch ungenießbar bezeichnet, je nach Präferenz des/r Autor*in, aber zumindest ich würde den Rötlichen Holzritterling, den Samtfußkrempling und den Düsteren Röhrling als "ungenießbar" bezeichnen. Ich glaube, in den meisten meiner Pilzbücher ist das auch der Fall (bin mir unsicher beim Holzritterling), aber ich habe gerade gesehen, dass die bei 123pilze als essbar gelistet sind.


    Bei genießbar oder nicht geht es also mE nicht nur um scharf/bitter oder nicht, sondern auch darum, ob man sie sonst genießen kann.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine


    OK, besten Dank für die Infos. Das mit dem geniessbar oder nicht scheint also auch ein bisschen eine Geschmacksfrage zu sein. Bei 123 Pilze ist mir aufgefallen, dass einige Pilze als essbar gelistet sind, die in meinen Büchern als ungeniessbar aufgeführt werden.


    LG

    Benjamin

  • Manchmal kommt es ja auch vor, dass in Pilzen noch unentdeckte Gifte schlummern. Ich schätze mal, dass das Risiko dafür bei Pilzen, die als "ungenießbar" gelten tendenziell höher ist als bei üblichen Speisepilzen, denn diese wurden und werden ja im Grunde ständig von Pilzessern auf Verträglichkeit getestet.

  • Im Allgemeinen teile ich deine Einschätzung.


    Trotzdem sind auch langjährige Speisepilze nicht davor gefeit, auf der Giftpilzliste zu landen. So ging es beispielsweise dem Kahlen Krempling vor ein paar Jahrzehnten (klingt jetzt schon irre lange her, aber als ich anfing, Pilze zu sammeln, war das noch frisch genug, dass ich noch auf mehrere nicht-antike Pilzbücher gestoßen bin, die ihn als Speisepilz führten), und dem Grünling erst vor wenigen Jahren. Beide gelten jetzt als potenziell tödlich giftig. Auch die Nebelkappe ist jetzt kein Speisepilz mehr, wenn auch nicht tödlich giftig, und der Schwarzblauende Röhrling ist wegen des Arsengehalts von der Speisepilzliste der DGfM geflogen.


    Nicht umsonst sind PSV, die den Status aufrechterhalten wollen, verpflichtet, alle 5 Jahre eine Fortbildung zu besuchen.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Trotzdem sind auch langjährige Speisepilze nicht davor gefeit, auf der Giftpilzliste zu landen. So ging es beispielsweise dem Kahlen Krempling vor ein paar Jahrzehnten (klingt jetzt schon irre lange her, aber als ich anfing, Pilze zu sammeln, war das noch frisch genug, dass ich noch auf mehrere nicht-antike Pilzbücher gestoßen bin, die ihn als Speisepilz führten), und dem Grünling erst vor wenigen Jahren. Beide gelten jetzt als potenziell tödlich giftig. Auch die Nebelkappe ist jetzt kein Speisepilz mehr, wenn auch nicht tödlich giftig, und der Schwarzblauende Röhrling ist wegen des Arsengehalts von der Speisepilzliste der DGfM geflogen.

    Hi Sabine,

    stimmt, ich kenne diese Geschichten. Was dann wohl daran liegt, dass die auftretenden Symptome bei diesen Pilzen doch relativ selten sind: Selten genug, dass die allermeisten, die die Pilze essen nie etwas davon bemerken, aber oft genug, dass sie heute nicht mehr als sicheres Lebensmittel gelten können. Die Giftigkeit fällt dann nur auf, weil der Pilz immer wieder gegessen wird, oft genug als dass die seltenen Vergiftungserscheinungen irgendwann mit dem Pilz verknüpft werden können, wie z.B. in dieser Studie über den Grünling im Jahr 2001. Zwar habe ich gerade keinen Parallelweltengenerator zur Hand, aber ich würde mit dir wetten, dass wenn der Grünling von Anfang an nicht als exzellenter Speisepilz sondern als "ungenießbar, aber ungiftig" gegolten hätte, er diesen Status noch heute hätte.

  • ich würde mit dir wetten, dass wenn der Grünling von Anfang an nicht als exzellenter Speisepilz sondern als "ungenießbar, aber ungiftig" gegolten hätte, er diesen Status noch heute hätte.

    Da würde ich aber nicht dagegen wetten ;). Denn auch wenn es mich immer wieder fassungslos macht, wie viele Leute Pilze essen, die sie nicht kennen (also nicht verwechseln, sondern: Keine Ahnung, was es ist, aber ich hab's mal gegessen) - dass diese Leute dann auch noch solche Massen davon verdrücken, die es beim Grünling anscheinend braucht, um schwer zu erkranken - das habe ich dann doch noch nicht erlebt.

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