Hallo, Besucher der Thread wurde 717 mal aufgerufen und enthält 6 Antworten
  • Hallo,


    am 07.11.2020 sah ich in der Mitte Sachsen-Anhalts unter Eichen diese Pilze, Hutdurchmesser 5 bis 10 cm, Geruch unangenehm, beißend. Die Lamellen waren ziemlich brüchig.



    Über die Pilzsuchmaschine ist mir leider keine sichere Bestimmung gelungen. Ich sehe Ähnlichkeiten mit dem Seidigen Egerschirmling, aber auch mit dem Seidigen Dachpilz.


    VG Marcus

  • Hallo, Marcus!


    Ich wundere mich, wie die Suchmaschine hier zu Leucoagaricus holosericeus oder gar zu Pluteus petastus leitet?
    Das ist doch beides komplett ausgeschlossen, erstens weil beide Vorschläge wirkliche echte Freiblättler sind (also Lamellen wirklich nicht den Stiel erreichend), zweitens sind Dachpilze (Pluteus) Dunkelsporer und Egerlingsschirmlinge (Leucoagaricus) beringt, holosericeus zudem stark gilbend bei verletzung.


    Du hast hier einen der weißlichen Stinkeritterlinge gefunden, angesichts der vielen Eichenblätter würde ich ja an Tricholoma album denken, der riecht aber stark nach Amanita phalloides / Kunsthonig und erst wirklich vergehend unangenehm. Zu deiner Geruchsbeschreibung würde eher Tricholoma lascivum passen, der aber ein Begleiter von Rotbuchen ist. Außer dem Mykorrhizapartner und dem Geruch sind die beiden Arten nahezu unmöglich zu unterscheiden.
    Tendenziell wird Tricholoma lascivum eher graugelb im Alter (Hutoberfläche), Tricholoma album eher ockergelb. Das ist aber nicht immer konstant bei den beiden.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Pablo,


    vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag.


    Es wird wohl anhand der Aufnahmen und meiner Beschreibung offen bleiben, ob es Tricholoma album oder Tricholoma lascivum ist.

    Nach den Ausführungen hier: Unverschämter Ritterling, Widerlicher Ritterling (TRICHOLOMA LASCIVUM) würde Eiche undTricholoma lascivum passen (Buchen/Rotbuchen sind dort gar nicht erwähnt). Auch nach wikipedia scheinen Eichen als Mykorrhizapartner nicht auszuscheiden ("Der Pilz bildet eine Ektomykorrhiza mit Laubbäumen. Dies sind vor allem die Rotbuche, gefolgt von Eichen.", Unverschämter Ritterling – Wikipedia). Aber letztlich dürfte allein die Bestimmung nach dem Mykorrhizapartner wohl ziemlich unsicher sein, v. a. wenn mehrere Partner in Betracht kommen.


    Und was die Suchmaschine betrifft: Die kann natürlich nur so gut sein wie derjenige, der sie benutzt. Erkennt der - wie meine Wenigkeit - die von dir beschriebenen Auffällgkeiten in den ausgeworfenen Pilzen nicht, zieht er leider die falschen Schlüsse.


    VG Marcus

  • Hallo, Marcus!


    Verständlich, und auch überhaupt nicht schlimm, sondern im Gegenteil: Genau das schafft doch einen Lerneffekt. :thumbup:
    Was die Ausführungen bei 123 und Wiki zu diesen Ritterlingen betrifft: Notier dir lieber mal Tricholoma lascivum = Fagus sylvatica und Tricholoma album = Querus spec. Ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern so aus deutlich fundierterer Fachliteratur speziell zu Ritterlingen übernommen.
    Wenn du es nachvollziehen willst, kannst du das zB >in diesem Buch< nachlesen.

    Die Mykorrhizapartner sind nicht in Stein gemeißelt, aber viele Ritterlinge sind schon einigermaßen spezifisch, Ausnahmen bei den weißen sind selten.
    Tricholoma stiparophyllum kann vereinzelt auch mal mit Rotbuche (selbst schon so gesehen), bei allen meinen eigenen Funden von tricholoma album war immer auch eine Eiche in der Nähe (und der Boden in der regel mindestens schwach basisch), bei Tricholoma lascivum war immer auch eine Rotbuche in der Nähe (und der Boden immer eher neutral bis sauer).



    LG; Pablo.

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  • Hallo Pablo,


    ich habe die Richtigkeit deiner Angaben nicht in Zweifel ziehen wollen. Gerade bei 123 hätte ich nicht erwartet, dass die Angaben nicht so richtig passen. Bei wikipedia hielt ich die Gefahr grundsätzlich für größer, wobei die verlinkten Artikel durchaus einen guten Eindruck machten, entsprechende Quellenangaben gab es auch. Und während sich an den Zuordnungen zu Gattungen mal was ändern kann - der Mykorrhizapartner bleibt ja gleich, also sind auch die etwas älteren Daten der Quellen insoweit unschädlich. Aber so ist es leider - verschiedene Quellen, verschiedene Angaben.


    Interessant finde ich deine Angaben zum Boden - mindestens schwach basisch bzw. neutral bis sauer. Mein Kenntnisstand reicht hier bislang nur soweit, dass Moos ein Indikator für eher saure Böden ist.


    VG Marcus

  • Hallo, Marcus!


    Das kommt aufs Moos an. Auch auf basischen Böden wachsen Moose - nur eben meistens andere Arten als auf sauren Böden.
    Dicke Sphagnum - Polster wird man auf Kalkböden zB nicht finden. :wink:



    LG; Pablo.

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