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Endlich: Ein Moosbecherlein (Lamprospora miniata s.lat.)!

  • Hallo Pilzfreunde!


    endlich konnte ich eines dieser winzigen Moosbecherchen finden und unter mein Mikroskop bringen!

    Der Fund war zwar Zufall, aber jetzt weiß ich zumindest mal einen Standort und kann das Pilzchen vielleicht wieder einmal finden, wenn ich möchte.

    Mit nur 1 mm Millimeter Durchmesser ist es für mich trotz der intensiven Färbung aus fast 2 m Höhe leider nicht auszumachen.


    Zum Fund:

    Bild 0 An einer hellen, nicht zu sonnigen Stelle auf einer südlich ausgerichteten, aber von einer Hecke beschatteten Kalksteinmauer


    Bild 1 Eigentlich habe ich mich für diese Cyano-Flechte im Moos (Collema spec) interessiert. Der Bereich mit den beiden obersten Blümchen ging mit nach Hause!


    Bild 2 Rückblickend weiß ich, wo die Fruchtkörperchen in meiner Probe saßen. Ein weiterer FK sitzt unsichtbar zwischen den Mossblättchen!


    Bild 3 Die beiden jungen Fruchtkörper, noch fast geschlossen


    Bild 4 Ein weiterer reiferer Fruchtkörper mit 1 mm Durchmesser, orangener Scheibe und hellerem, etwas fransigem Rand.


    Niedlich - aber die wahre Schönheit des Pilzchens ist nur im Mikroskop zu erkennen!

    Ein Quetschpräparat ist schnell gemacht:


    Bild 5 Quetschpräparat in Wasser - Schläuche mit farblosen, kugeligen Sporen sind schon bei schwacher Vergrößerung zu erkennen.


    Aufnahmen 1000x in Ölimmersion, wegen Tiefenunschärfe gestackt (habe ich noch nicht oft gemacht, deswegen leider nicht optimal gelungen):

    Bild 6 Netzig ornamentierte Sporen in Wasser; mit goldgelben bis orangen Tröpfchen gefüllte Paraphysen


    Bild 7 Nochmal, weil es so schön ist


    Bild 8 Sporenornament und Ascoplasma sind cyanophil


    Bild 9 Das Ornament ist nicht vollständig geschlossen, was bestimmungsrelevant ist


    Bild 10 Zusätzliches Kongorot macht die Membranen besser sichtbar.


    Die achtsporigen Schläuche sind etwa 200 µm lang und 20 µm breit.

    Die kugeligen Sporen haben Durchmesser von 13,5-14,0 µm.

    Das Sporenornament ist etwa 0,3 µm breit und etwa 0,5-1 µm hoch.

    Das Ornament ist nicht überall geschlossen, sondern weist auch offene Enden auf.

    Beim Schlüsseln mit Jan Ecksteins Schlüssel zu bryoparasitischen Pezizales (offnes Ornament, Ornamentbreite, Schlauchlänge, ..) und den Vergleich mit Octospora.de gelange ich zu Lambrospora (cf.) paechnatzii oder vielleicht auch zu L. leptodictyna.

    Es kann natürlich gut auch eine andere Lambrospora sein, idealerweise müsste man das Moos bestimmen, daran scheitere ich aber...


    Ich freu' mich jedenfalls wie Oskar!


    LG, Martin

  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Endlich: Ein Moosbecherlein (Lamproderma spec.)!“ zu „Endlich: Ein Moosbecherlein (Lamprospora spec.)!“ geändert.
  • Hallo Martin

    Sieht super aus die Mikroaufnahmen. Der Becherling sieht man leider etwas weniger gut, hast du den unter das Steromikroskop gelegt? Ist ja auch super winzig....

    BG Andy

  • Hallo Andy,


    ja der Moosbecher lag für die Aufnahme unter der Stereolupe mit Kunstlicht.

    Hier ist es heute recht wolkig und düster gewesen.

    Ich möchte noch eine Aufnahme mit der Kamera im Sonnenlicht machen. Heute war das leider nicht möglich. Unter der Woche ist's dauernd dunkel, vor und meist auch nach der Arbeit.

    Mal schauen, wann es klappt!


    Vielleicht kann ich das dieser Tage noch nachholen...


    LG, Martin

  • Hallo Martin,


    Glückwunsch zum ersten Moosbecher, meist kommen dann schnell weitere, wenn man mal raus hat, wo und wie man suchen soll.


    Ich denke, was Du hast ist Lamprospora miniata (s.l.). Das Moos kannst Du mit Phascum cuspidatum vergleichen.

    Auch wenn das Ornament einige offene Enden hat, ist es grundsätzlich schon als geschlossen-netzig anzuschauen, daher fallen Deine Vorschläge paechnatzii und leptodictya weg, die haben ein viel offeneres Ornament mit kaum geschlossenen Netzmaschen, vergleiche hier:

    Zu L. paechnatzii gibt es auf der Seite Pilze: Moosbecherlinge 2023 - Bryoparasitische Becherlinge - Pilze aus Mecklenburg ein Sporenfoto: becherling-an-moos-lamprospora-paechnatzii-sporenbild-pilze-und-becherlinge-aus-wismar-in-mecklenburg-vorpommern-christian-ehmke.jpg
    L. leptodictya, hier fand ich auf die Schnelle nur eine Zeichnung, zudem sind die Sporen größer: Lamprospora leptodictya


    Für miniata passen die Ornamente dagegen sehr gut, auch die unterschiedlich großen Netzmaschen. Die entsprechen insbesondere sehr gut dem, was Benkert auch für die miniata-Funde an Phascum beschreibt: Benkert-lamprospora-miniata-0001.pdf (S. 58)


    Viele Grüße

    Matthias

  • Hallo Matthias Mreul ,


    vielen, vielen Ank für deine hilfreichen Links!

    Da war ich wohl auf dem Holzweg mit den offenen Enden des Ornamentes, das habe ich anders interprätiert und bin deshalb im Schlüssen falsch abgebogen, tja.


    Der Fruchtkörper sieht tatsächlich wie L. miniata aus und das Sporenornament passt auch sehr gut!

    Das Paper werde ich natürlich noch lesen!

    Wenn man sich mit Moosen auskennt hat man hier natürlich auch einen gewissen Vorteil.

    Ich will mich irgendwann in die Moose einanrbeiten - Moose sind auch total cool! :)


    Übrigens habe ich einen schön entwickelten Moosbecher oben auf Bild 1 entdeckt!

    Der darf bleiben, wo er ist und weiter aussporen.


    Leider klappt es mit einem wirklich bessern Foto des Moosbechers nicht.

    Stacken auf der Stereolupe funktioniert nicht, wegen des schrägen Blickwinkels.

    Beim Variieren der Vergrößerung verändert sich auch der Abstand und damit die Parallaxe, heißt der Pilz wandert im Bild von links nach rechts.

    Damit kommt meine Software nicht zurecht.


    Ich habe deshalb versucht, den Pilz mit meinem Handy an der Stereolupe nochmal besser und größer aufzunehmen.

    Andy hat schon recht: das Foto (Bild 4) ist recht erbärmlich!

    Deshalb dieser neue Versuch:

    Bild N1 Vergrößerte Aufnahme, bissle nachbearbeitet. Oben rechts im Bild ist noch ein weiteres Fruchtkörper-Initial zu erkennen!


    Bild N2 Ansicht von etwas schräg; die fransigen Ränder sind so besser zu erkennen.


    Bild N3 Ein weiterer Fruchtkörper im Moos (roter Kreis) - wer findet mehr?


    Spannend!


    LG, Martin

  • KaMaMa

    Hat den Titel des Themas von „Endlich: Ein Moosbecherlein (Lamprospora spec.)!“ zu „Endlich: Ein Moosbecherlein (Lamprospora miniata s.lat.)!“ geändert.
  • Ah ja nun ist es toll geworden, vielen Dank Martin für das nachreichen. Ich hoffe auch mal einen per Zufall zu finden. Eine wunderschöne Welt öffnet sich hier. BG Andy

  • Hilfe!


    Weiß jemand, was der Unterschied zwischen alveolatem Netz und areolatem Netz (hier gemeint bezüglich des Ornamentes) ist?

    Im Schlüssel muss man hierzwischen entscheiden.

    Die Ableitung von den Begriffen hilft mir nicht wirklich: Areole = kleine Fläche, kleiner Platz / Alveole = kleine Vertiefung, Mulde


    LG, Martin

  • Hi Martin,


    schau mal hier, auf Seite 199 (bzw. die fünfte des PDFs) ist die Unterscheidung zwischen areolat und alveolat erklärt mit Verweis zu Abbildungen dazu:

    Z-Mykologie_53_1987_0195-0271.pdf


    Hoffe das hilft weiter, das ist nicht sonderlich leicht in Worte zu fassen, aber wenn man es mal gesehen hat, ist der Unterschied doch meist recht klar.

    Wenn es nicht klar wird, kann ich es auch selbst nochmal versuchen anders zu formulieren.


    Viele Grüße

    Matthias

  • Danke Matthias!


    Heute wird das wohl nichts mehr, mein Handy schafft den Download nicht...

    Ich schau mir die Erläuterung morgen an!


    Gute Nacht wünsche ich!

    LG, Martin

  • Power und Glückwunsch - tolle Dokumentation und wie vorhin schon geschrieben... DANKE fürs mitnehmen..

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann, Aber Pilze wird es immer geben“ :cool:

  • Hallo Matthias / Mreul !


    Dank der von dir verlinkten Literatur (Benkert) klärt sich die Frage nach dem Unterschied zwischen areolaten und alveolaten Maschen auf.


    Areolat: gerade Maschenränder, annähernd gleiche Winkel (typ. 120°), also wie bei den meisten Sporen des Fundes

    Ausschnitt aus Bild 8, oder eben wie Sporenfoto von Lamprospora miniata bei Ostseepilze.de


    Alveolat: bogige Maschenränder, ungleiche Winkel; auch ungleich breite Ränder; oft Primärmaschen durch Sekundärmaschen (mit schmalen Rändern) weiter unterteilt.

    Beispiel Sporenfoto von Lamprospora saeveri bei Ostseepilze.de


    Super und Danke schön!


    LG, Martin

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