Versuch an Lepraria

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 644 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (19. Februar 2023 um 20:33) ist von KaMaMa.

  • Hallo!

    Ich versuche mich mal an eine Lepraria, was natürlich nicht wirklich klappen kann, da ich keine Düsschichtchromatographie machen kann...

    Hier im Neckarland, in einer kleinen Kahlschlagfläche am Waldrand, lag ein Hainbuchebnstamm mit einer dicken, leprösen Flechte, die mein Interesse geweckt hat.

    - Die Flechte ist nicht scharf begrenzt und rosettig/lappig (bin mir nicht 100% sicher)

    - Wachstum auf Rinde / Moos

    - Thallus völlig sorediös aufgelöst

    - Die Soredien sind klein, > 40µm, graugrün

    - Die Hyphen stehen wenig über die Soredien über, < 50µm

    - Unter den Soredien befindet sich dickes, weißes Mark

    - Färbereaktionen C+/K+/P+ gelb; UV- (insbes. nicht braunrot, nicht violett)

    Lepraria vouauxii könnte ganz gut passen und ist zudem ziemlich häufig vorkommend, wenn auch P+ nur als orange bis orangegelb geschrieben steht. Ferner bevorzugt sie basenreiche Rinde.

    Lepraria umbricola hätte meistens (also kein Ausschlusskriterium!) keine austretenden Hyphen wie hier und gilt als sehr selten - wäre aber eventuell die bessere Option, da die Farb-Reaktionen allesamt als gelb gekennzeichnet sind! Sie bevorzugt eher saure Borke.

    Die Gesamtheit der Kennzeichen spräche somit eventuell eher für die seltene L. umbricola als für häufige L. vouauxii, sehe ich das richtig?

    Ich lasse mich natürlich sehr gerne belehren!

    Was meint ihr?

    Bernd? Bemoeh ?

    Bild 0 Rechts vom Weg eine Kahlschlagfläche mit liegenden Baumstämmen

    Die Flechte sitzt teils direkt auf der Rinde, großteils aber auf Moos auf.

    Bild 1 Lepröse Flechte an einem der Baumstämmen (Hainbuche?)

    Bild 2

    Die Flechte ist steril und vollständig sorediös aufgelöst:

    Die Oberfläche besteht vollständig aus locker gepackten, graugrünen Soredien, von denen weiße Hyphen abstehen.

    Bild 3 Graugrüne Soredien, durch weißes Hyphengeflecht locker zusammengehalten. Nadelspitze 300µm breit

    Die Farbreaktionen sind K+/C+/P+ jeweils gelb; UV-.

    Bild 3 C+ gelb, K+ gelb

    Bild 4 P+ gelb

    Kratzt man die Soredien beiseite, kommt schneeweißes Mark zutage.

    Auch das substratnahe Mark reagiert nicht anders als gelb auf die Färbreagenzien, insbesondere nicht violett.

    Bild 5 Freigelegtes Mark

    Die Soredien haben einen Durchmesser von 40µm aufwärts (in Clustern bis 250µm groß und größer).

    Bild 6 Mikroskopbild 100x: aus den Soredien stehen kurze Hyphen ab, maximale Länge dieser Hyphen beträgt etwa 50µm

    Bild 7 Stackingversuch mit 100facher Vergrößerung im Mikroskop

  • Hallo Martin,

    das ist ja eine irre Lepraria die du gesichtet hast, vor allen in der großen Fläche. Macht als erstes einen sehr grünen + dickwattigen Eindruck mit weißen Polster aus strahligen/igeligen Hyphen.

    Auf Bild 7 unten links fällt mir eine orangefarbene Reaktion auf?:smilec: Oder was kann das sein?

    Du hast das so detailreich aufgeschlüsselt das muss ich mir erst in Ruhe anschauen, dann habe ich vielleicht noch eine Idee! Die Fotos habe ich zum Schauen abgespeichert.

    Bleibe am Ball

    LG

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    in Bild 7 unten ist nur ein brauner Moosbüschel außerhalb des Tiefenschärfebereiches, den ich nicht mit abgefahren habe und der deshalb so verwaschen rüberkommt.

    Das ist keine Reaktion!

    LG, Martin

  • Hallo Martin,

    eventuell noch eine Idee, habe bei meinen Lepraria nachgeschaut und bin auf L. rigidula gekommen. Kommt an Hand meiner Fotos deiner Flechte sehr nahe (Fotos ).

    Auch sehr dick, wollig, weiß, kugelig mit vielen strahligen Hyphen, alle Farbtests auch Gelb .

    Habe noch eine Pdf-datei der Flechte eingefügt, geht hoffentlich.

    Hilft vielleicht weiter.:hmmm:

    Lepraria rigidula.pdf

    Ein sonntäglicher Regengruß

    Bernd


  • Hallo Bernd!

    Tja...

    L. rigidula kommt erst Mal auch in Betracht - neben weiteren Arten.

    Ich hatte L. rigidula ausgeschlossen, weil es heißt, die Soredien 100-200/300 µm groß sein sollten - bei meinem Fund sind sie viel kleiner.

    Ferner seien die herausstehenden Hyphen mindestens 60 µm lang, was ich ebenfalls nicht beobachtet hatte.

    Wie streng die Zahlen zu betrachten sind, weiß ich nicht - sie werden wohl aber nicht ohne Grund so anggeben!

    Ob ich wirklich die richtigen Strukturen richtig messe, weiß ich auch nicht.

    Ferner soll L. rigidula UV+ sein: rosa/violett bis gelb/ocker.

    Das sehe ich auch nicht - also mehrere Punkte, die ev. dagegen sprechen würden.

    Dafür sieht L. rigidula dem Fund ähnlich, vielleicht hast du ja Recht! ;)

    Ich weiß es nicht.

    Es bleibt hat, wie bei Lepraria üblich, unsicher und schier nicht mit den gängigen Methoden einzuschränken.

    LG, Martin