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Schreibweise von Pilznamen

  • Hallo Pilzfreunde,


    meine Bemerkungen haben nur indirekt mit dem Thema Pilze zu tun, aber ich halte sie für wichtig und möchte niemanden auf den "Fuß treten".


    In den vielen Beiträgen hier im Forum werden Pilznamen immer sehr unterschiedlich geschrieben, ich meine die orthographische Schreibweise.


    Es gibt für die orthographische Schreibweise festgelegte Regeln. Wenn man die deutschen Namen verwendet, gilt der Duden.
    Verwendet man die wissenschaftlichen Namen gelten die Festlegungen der binären Nomenklatur. Jeder Pilz muss immer zwei Namen haben. Der erste Name bezeichnet die Gattung, z.B. Boletus = Dickröhrling und der zweite Name bezeichnet die Art, z.B. edulis = edel. Der wissenschaftliche Name muss immer kursiv geschrieben werden und der zweite Teil des Namen immer klein.
    Bei der Schreibweise der deutschen Namen muss nur beachtet werden, dass, wenn es sich um mehrgliedrige Teile handelt, alle Teile groß geschrieben werden. Der Grund dafür, es handelt sich um Eigennamen.
    Beispiel: Grüner Knollenblätterpilz, Rissiger Ackerling, Flockenstieliger Hexenröhrling....
    Pilznamen nur mit Grobuchstaben zu schreiben, ist nicht erlaubt.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo Veronika,
    im Grundsatz hast du ohne Ausnahme recht und es ist gut, dass du darauf hinweist. In wissenschaftlichen Arbeiten geht es gar nicht anders. Auch in Foren sollte man sich daran halten, aber meiner Meinung nach nicht absolut. Den wissenschaftlichen Namen jedes mal kursiv zu schreiben halte ich im Rahmen des Forums nicht für notwendig. Auch finde ich es angenehm, dass ich in Foren auch einfach mal etwas auf die Schnelle schreiben kann, ohne exakt auf alles achten zu müssen, gerade weil ich längere Zeit wissenschaftlich arbeiten musste. Selbstverständlich, wie oben dargelegt, in einem vertretbaren Rahmen. Dies ist meine persönliche subjektive Meinung und sollte die Mehrheit es anders sehen, werde ich mich auch daran halten.
    Bin mal auf andere Meinungen gespannt.
    Thomas

    Auch von mir selbstverständlich keine Essensfreigabe. Sämtliche Darlegungen und Aussagen sind subjektiv und unverbindlich.

  • Hallo Thomas,


    es geht mir nicht darum, dass sich nun jeder im Forum daran halten soll, wer bin ich denn? Ich wollte nur mal informieren.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.


  • Hallo Veronika !
    http://www.123pilze.de/DreamHC…ollenblaetterpilz0904.htm
    wird doch hier auch nicht so eng gesehen
    Gruß Harry

    Essensfreigaben gibts nur beim Pilzberater vor Ort , Bestimmungsvorschläge meinerseits sind keine Essensfreigaben

  • Grundsätzlich ist es völlig richtig was Veronika hier schreibt, umsetzbar ist das in einem Forum wie diesem aber wohl eher nicht.
    Hier sind manche schon damit überfordert überhaupt einen Beitrag zu erstellen oder ein Bild hochzuladen, nun sollen sie sich auch noch an orthographische Schreibweisen halten? Das klappt nie im Leben und ist auch nicht verwunderlich.
    In einem Fachforum kann man das durchaus erwarten, in einem Forum für Freizeit- Hobby- oder Gelegenheitssammler mit glücklicherweise auch vielen Profis, wird das einfach nichts.


    Vom Großteil unserer Forenmitglieder kann man einfach nicht erwarten das sie statt Steinpilz den korrekten orthografischen Begriff nennen der da wohl wäre:
    Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis)


    Ich denke wir alle sollten zufrieden sein damit, dass wir in den meisten Fällen wenigstens erahnen können was gemeint ist. Alles andere würde uns die Leute eher vergraulen.


    Antonius behüt´ und herzliche Grüße
    Frank

  • Hallo zusammen!


    Was das Forum betrifft: Ich freue mich wenn ich weiß was gemeint ist. Es gibt gängige deutsche Namen, manchmal auch mit mehreren Synonymen, da ist dann klar, was gemeint ist, da braucht es auch nicht unbedingt einen wissenschaftlichen Namen. Boletus edulis = Herrenpilz = Gemeiner Steinpilz = Fichtensteinpilz: Das beschreibt immer die gleiche Art und ist in jedem Fall eindeutig.


    Dennoch freue ich mich, wenn sich jemand die Mühe macht, einen wissenschaftlichen Namen dazuzuschreiben, egal ob das nun so in der Form absolut richtig ist oder nicht. Und wenn man sich abseits der üblichen paar Dutzend Arten bewegt, werden diese Namen schon bald sehr wichtig.


    Jedenfalls finde ich es gut, daß du das Thema anschneidest, Veronika.
    Das mit der kursiven Schreibweise des Epithets allerdings ist kaum von Bedeutung. Das wird zwar gerne gemacht, wenn Namen innerhalb längerer Textpassagen auftauchen, dient aber mehr der Übersichtlichkeit.
    Wichtig ist: Gattungsname (Boletus) groß, Epithet (edulis) klein.
    Tatsächlich - wenn man sich in Nomenklatur und Taxonomie etwas weiter vertieft - ist das aber erst ein halber wissenschaftlicher Name.


    Wollte man es ganz richtig machen, dann müsste da Folgendes stehen:
    Boletus edulis Bulliard 1782
    Jean Baptiste Francois Bulliard (kann man bei Pilznamen auch mit dem Kürzel "Bull." abkürzen) war der Forscher, der diese Art als erster unter diesem namen beschrieben hat. Das tat er im Jahre 1782, theoretisch kann man in den Namen auch noch das Organ der Veröffentlichung aufführen.


    Das sieht dann so aus, wie >hier bei SpeciesFungorum<


    Hat man dann Pilzarten, die ein paar Mal "die Gattung gewechselt haben", erscheinen oft zwei Autorennennungen im Namen, einer in KLammern, dahinter noch einer (oder mehrere, wenn mehrere Autoren zusammen gearbeitet haben) außerhalb der Klammern. Erneut mit Jahreszahl der Veröffentlichung und eventuell Organ (Zeitschrift oder Buch).


    nehmen wir da als Beispiel mal die Netzhexe. Der hieß zuvor:
    Boletus luridus Schaeffer 1774
    Dann tauchte irgendwann der Herr Murrill auf, der die Ansicht vertrat, daß dieser Pilz nicht in die gleiche Gattung wie der Herrenpilz gehören sollte. Das hat er schon anfang des vergangenen Jahrhunderts getan, er hat seine Ansicht in einer fachzeitschrift begründet und diskutiert, darum hieß der Pilz:
    >Suillellus luridus (Schaeff.) Murrill 1909<
    Der Name Schaeffers taucht weiterhin in dem Namen auf, den Murrill hat ja keine neue art beschrieben, sondern eine bereits bestehende nur einer anderen Gattung zugeordnet.


    Nunja, Murrills Umkombination geriet etwa 100 Jahre lang in Vergessenheit, weil andere Autoren und Forscher seinen Argumenten nicht folgen wollten, dann kam neulich die Genetik ins Spiel und andere Forscher haben festgestellt: Das war ja gar nicht so blöd, was der Herr Murrill damals geschrieben hat.


    Gut, so kompliziert muss man es in einem Forum dann echt nicht haben. Aber es ist ganz interessant zu verstehen, was eigentlich hinter diesen ganzen Namen und Kürzeln steckt. Und warum es dafür festgelegte Regeln gibt. Interessant wird es nämlich dann, wenn es zwei gleiche Namen aber mit verschiedener Autorennennung gibt.


    Denn es gibt zB noch einen >Boletus luridus Sowerby<, da steht dabei: ohne Priorität wegen sanktionierendem Namen, aber da der nicht mit Boletus luridus Schaeffer synonymisiert ist, kann das auch sonst irgendein ganz anderer Pilz sein. Sowas taucht dann häufiger auf, je mehr man sich mit Pilzen beschäftigt.


    Absatz 2 (hier kann man auch gut schon aufhören zu lesen):
    Nun ist es auch so, daß man sich die Frage stellen muss:
    Was ist eigentlich eine Pilzart? Wodurch definiert sich, daß die eine Art von der anderen unterschieden werden kann?
    Bei diesen Fragen kommt man nicht mehr weit, ohne auch ein paar basisphilosophische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Was uns als Menschen geringfügig von anderen Säugetierarten unterscheidet, ist unter anderem die Fähigkeit, synaptische Verknüpfungen in bestimmten Hirnarealen zu einer Art rudimentärem Denkvorgang zu benutzen. Und dadurch unsere Umwelt, von der wir ein Bestandteil sind, zu beobachten und ansatzweise sogar zu begreifen.
    Nun ist dieses System, zu dem wir gehören unendlich komplex, also niemals vollständig mit unserer vergleichsweise geringen geistigen Kapazität fassbar. Wenn wir nun daran gehen, nach und nach die Komponenten dieses Systems zu verstehen und zu beschreibenj, tun wir das immer aus unserer anthropozentrischen und individuellen Sicht. Wir beschreiben also nicht die Wirklichkeit, sondern wir beschreiben das Bild, das wir uns von dieser Wirklichkeit machen können. Geht es dabei um Details wie zB die Definition einzelner Artbegriffe von Pilzen, kommt es unweigerlich zu individuellen Sichtweisen. Wenn nun viele Menschen eine Sache beobachten, einigt man sich auf ein für alle nachvollziehbares und verständliches Bild dieses Begriffes. In unserem Falle ist das eben so ein Pilzname. Der Name steht also für eine Beschreibung, beinhaltet somit eine ganze Reihe von komplexen Definitionen, aber auch gegenläufige Interpretationen und Möglichkeiten (siehe "Synonyme"). Das kann zunächst verwirrend wirken, trägt aber im Grunde zur Vollständigkeit eines Artbildes bei.


    Dabei ist es natürlich und logisch, daß sich das Bild, das wir uns von einer Art machen, immer verändert: Das muss so sein, weil sich erstens unsere Sichtweise ändert (zB auch durch neue diagnostische Methodik), zweitens ändert sich die Art ja auch ständig. Und dann werden die Definitionen, die sich frühere Wissenschaftler zurecht gelegt haben, umso interessanter, weil sie das Bild über einen längeren zeitraum entwickeln und begreifbar machen. Dazu dient eben die Taxonomie und Nomenklatur in all ihren Feinheiten. Auch wenn es nicht einfach zu verstehen ist.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • [hr]
    Liebe Veronika,
    vielen Dank für diese Information.


    Da ich selbst immer bemüht bin, die allgemein gültige Schreibweise zu wählen, weiß ich nun endlich wie das zu geschehen hat.


    Bisher nahm ich Pilzliteratur zum Vorbild, was allerdings deinem Hinweis zufolge, leider oft nicht zur richtigen Schreibweise führte.


    Im Buch "1200 Pilze" von Rose Marie Dähncke werden die wissenschaftlichen Namen in Großbuchstaben geschrieben,


    J.Breitenbach und F.Kränzlin verwenden ebenfalls nicht den korrekten Kursivdruck in den Bänden "Pilze der Schweiz".


    Werde mich selbst in Zukunft gerne an die richtige Schreibweise halten, erwarte dies aber von anderen Mitgliedern ebensowenig, wie eine völlig korrekte Rechtschreibung.

    Es geht doch hier hauptsächlich um den Informations- und Erfahrungsaustausch und nicht um eine wissenschaftliche Arbeit.


    Liebe Grüße
    Roswitha

  • Hallo liebe Pilzfreunde,


    es ist doch immer wieder interessant, wie auf ein Thema reagiert wird, das zur Diskussion geeignet ist. Vielen Dank an die Diskutierer. Mein Beitrag sollte nur einmal auf die Problematik hinweisen. Ich selbst habe dieses Problem der wissenschaftlichen Schreibweise auch erst sehr spät (ca. vor 5 Jahren) kennengelernt. Zuvor habe ich so geschrieben, wie ich es für richtig hielt. Seid ich aber weiß, wie die Schreibweise richtig sein soll, bemühe ich mich, diese auch so einzuhalten. So, wie ich mich auch bemühe, veränderte wissenschaftliche Namen auch anzuwenden, was aber noch schwieriger ist. Im Laufe meiner langen Zeit der Beschäftigung mit Pilzen, komme ich unweigerlich dazu, der Wissenschaftlichkeit etwas gerecht zu werden. Und gerade als Pilzsachverständige der DGfM muss/ sollte man schon so arbeiten
    Das alles gilt natürlich nur für mich.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo veronika,
    Danke für deinen beitrag! Meine meinung: Gerade am anfang ist es halt überhaupt schwer lateinische namen anzuführen. Zumindest mir ist es so gegangen- man weiß nichtmal recht welches schwammerl man hat und soll dann auch noch lateinische namen schreiben- ist schon schwer genug . Die richtige schreibweise dazu überfordert dann vlt. Endgültig....
    Lg joe

  • Hallo joe,


    ich verstehe sehr gut, was du meinst. Mir ist es nicht anders ergangen. Zu mir hat am Anfang meiner Pilzleidenschaft unsere damalige Bezirkssachverständige gesagt, ich solle mich um die wissenschaftlichen Begriffe einen Dreck scheren, die lernen sich später, wenn man die Systematik einigermaßen begriffen hat, von selbst. Die Dame ist heute weit über 80 Jahre und immer noch in Sachen Pilze aktiv.


    Meine Pilzfotos speichere ich jetzt unter der gültigen Systematik ab. Zuerst schreibe ich den wissenschaftlichen Name und den deutschen Namen daneben. Und so lerne ich die wissenschaftl Namen ständig.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo,


    Danke Euch allen für die interessanten Beiträge. In einem Punkt gelobe ich Besserung, ich habe auch schon lateinische Namen von Webseiten kopiert die komplett groß geschrieben waren. Die Zeit, dass zu ändern nehme ich mir in Zukunft. Hat mich selbst schon oft gestört.


    Auf verschiedene Schriftarten (kursiv) verzichte ich aber auch weiterhin:P


    Generell versuche ich auch immer die lateinischen Namen zu lernen. Ist ungemein praktisch wenn man im Ausland unterwegs ist und dortige Literatur verwendet (davon habe ich auch schon oft bei der Pflanzenbestimmung profitiert).
    Hier ein besonderes Dankeschön an Pablo, der hier immer dafür sorgt, dass man dazu "gezwungen" (im positiven Sinne) ist diese zu verwenden.:agree:


    viele Grüße
    Thomas

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind eine Freigabe zum Verzehr.

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