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Miniserie Pilzzucht - ein langer Weg mit Hindernissen

  • Hallo liebe Pilzfreunde!


    Pilze zu züchten ist eine sehr spannende, interessante aber auch recht arbeitsintensive Sache. Zumindest war es das – und ist es noch – für mich.


    Sicherlich liegt das auch an meiner mangelnden Erfahrung auf dem Gebiet.

    Aber wie sagte einst Alf der Außerirdische vom Planten Melmac in einer Episode so schön: Etwas nicht zu können, ist kein Grund es nicht zu tun!


    So halte ich es im Übrigen generell. Wissen kann man sich aneignen und wo es Grenzen gibt: überwinden, oder improvisieren. Dann geht vieles! So ging ich auch an dieses Thema heran.

    Natürlich kam mir da das Studium zugute, wo man im Labor steriles Arbeiten gelernt hat. Das Problem ist nur: meine Küche ist kein Reinraum! Das war dann schon die erste Grenze, die nicht zu überwinden war – also Improvisieren. Aber dazu später!


    Da fällt mir ein: Die erste echte Grenze war noch viel früher:

    Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, dass der Kandidat für meine Pilzzucht ein selbst gefundener Austernseitling sein muss und kein anderer! Nicht aus dem Supermarkt und nicht Online gekauft. Ich wollte ja wissen, ob ich das von A bis Z hinbekomme.


    Nun kommen die Dinger bei mir leider überhaupt nicht vor! Also mussten neue Gebiete zur richtigen Zeit erkundet werden. Unzählige umgefallene, morsche oder verletzte Bäume wurden untersucht – nix!


    An dieser Stelle vielen Dank all jenen, die meine Motivation in dieser Zeit durch das Einstellen der schönsten Austernplätze und Tipps zum auffinden derselben aufrecht erhalten haben!


    Und schließlich – endlich! – der langersehnte Fund!

    Die Bestätigung durch Euch war echt toll!


    Das war er nun: zum Essen nicht mehr geeignet, aber noch mit vitalem Mycel! Und mehr brauchte ich ja nicht.



    Der Fund war ein echtes Glück, denn der Stamm fiel kurze Zeit darauf der Fortwirtschaft zum Opfer.



    So, das war´s fürs erste!


    Liebe Grüße aus Salzburg!

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!


    Offizielle Freigaben kann es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort geben!

  • Hallo Zusammen!


    Na ob´s so spannend wird wie "The Green Mile", kann ich nicht garantieren! 8o


    Und eigentlich würde ich auch nur ungern jeweils einen Monat bis zum nächsten Teil warten wollen!


    Also in dem Sinne: bis in Kürze!


    Ganz liebe Grüße!

    Alex

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  • Hi!


    Ich gebe mein Bestes! Versprochen!


    Bin gerade über die 7 Teile der King Reihe "Der Schwarze Turm" gestolpert. Jeweils über 700 Seiten. Ich denke das wird die Obergrenze sein! :wink:


    Lg

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


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  • Auch ich bin megagespannt, denn ich habe die Kultivierung auch schon versucht - mit Riesenbovist.
    Meine Fundstellen sind mir einfach zu weit von daheim entfernt (über eine Stunde Autofahrt), um sie regelmäßig checken zu können, und ich wollte sie in meiner fußläufigen Reichweite ansiedeln. Dazu habe ich mit reifen Fruchtkörpern an drei verschiedenen Plätzen - die alle potenziell für die Art passen würden - Sporenstaubwolken erzeugt und die Reste dann noch verteilt.


    Das war im Spätsommer letzten Jahres und bisher hat sich an keiner Stelle etwas getan. Das kann nun mehrere Gründe haben. Pilze brauchen oft recht lang, bis die ersten Fruchtkörper gebildet werden. Möglicherweise zeigen sie sich erst nächstes oder übernächstes Jahr. Zudem habe ich mittlerweile gelernt, das Sporen nicht wie Samen sind. Sporen bilden ein eingeschlechtliches "Vormycel". Erst die Vereinigung mit einem anderen Vormycel des anderen Geschlechts lässt das eigentliche Mycel entstehen. Möglicherweise hätte ich an jeder Stelle Fruchtkörper aus verschiedenen Ursprungsmycelen verwenden müssen. Vielleicht hat auch einfach das Wetter nicht gepasst. In meinem Fall bedeutet es weiter warten...

    Sonnige Grüße von Brigitte

    Großes Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen. Wilhelm Busch
    :pk:

  • Hi Brigitte!


    Cooler Versuch mit den Riesenbovisten! Stimme Dir bei allen Überlegungen grundsätzlich zu!


    Als Ergänzung:

    Möglicherweise hätte ich an jeder Stelle Fruchtkörper aus verschiedenen Ursprungsmycelen verwenden müssen.

    Wenn man von Sporen als Ausgangsmaterial ausgeht, dann reichen theoretisch schon zwei willige Sporen von ein und demselben Pilzhut aus. Das habe ich mal mit Sporen vom Samtfußrübling im Blumenkistl auf dem Balkon so gemacht.


    Hat sehr nett ausgesehen, wie es im Dezember voll mit Pilzen stand!


    Leichter ist es natürlich mit Frischmaterial, weil da ja die Vereinigung schon stattgefunden hat. Diese Mycel muss dann "nur" vermehrt werden und dann "ins Feld gebracht" werden. Da würde ich das ähnlich beim Bovist machen, wie z.b. beim Parasol. Da findet man im Internet allerhand, wie man das machen kann. Auch Anleitungen von käuflich erworbenen sind hier ganz gut!


    Z.b. dieses Video hier zeigt das Ausbringen der Kultur. Beim nötigen Substrat müsste ich selber recherchieren. Auch hier würde ich zunächst das vom Parasol versuchen. Man sieht eh gleich, ob da was wächst - und wenn ja ist alles ok!


    Wenn ich eines gelernt habe, dann dass es für einen Pilz oft nicht so einfach ist sich neu wo anzusiedeln. Es müssen einfach viele Faktoren genau stimmen. Und diese alle selber nachzustellen ist eine knifflige Sache.

    Umso größer ist meine Bewunderung für die Natur, wenn im Herbst alles voll mit Pilzen ist!


    Liebe Grüße!

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!


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  • Hallo Zusammen!


    Nachdem ich nun die Austern endlich gefunden habe, musste es auf einmal schnell gehen, denn das Mycel hält sich nicht ewig und wirklich frisch sahen die Pilze schon beim Auffinden nicht aus.


    Daher rasch in den nächsten Supermarkt und Bio-Roggenkörner gekauft.


    Bei der Gelegenheit hab ich mir gleich noch einen zweiten Kandidaten zugelegt, der bei uns nicht wirklich heimisch ist: nämlich den Shiitake.

    Den schätze ich als Speisepilz auch sehr und an dem Regal bin ich einfach nicht vorbei gekommen!



    Der erste Versuch war von den beiden Pilzarten jeweils steril Mycel zu entnehmen und einfach auf gekochte Holzstäbchen zu legen. Somit hätte ich mir den Umweg über die Körnerbrut sparen können und das wollte ich mal testen.


    Wie man sieht hat der Versuch schon funktioniert. Allerdings wäre das mit Holzdübeln sicherlich beim späteren Beimpfen der Stämme besser gewesen… aber egal!


    Hier der Austernpilz nach ca. 2 Wochen:


    und hier der Shiitake: ca. eine Woche nach dem Beimpfen.


    Schon bei diesem ersten Versuch mit Schraubgläsern wurde eines klar: (genauso wie beim Film "Cast Away" mit Tom Hanks, als er versucht Feuer zu machen und sagt:) da muss Luft ran!


    Ca. eine Woche war Wachstum im verschlossenen Glas sichtbar, dann Stagnation. Erst nach Öffnen des Deckels ging es wieder weiter! Genau deshalb ist es besser die Gläser mit Alufolie abzudecken. das schützt den Inhalt auch vor Kontamination, lässt aber Luft ran.


    Ach ja: Das sterile Entnehmen des Mycel ist so eine Sache! Wie gesagt: meine Küche ist keine Sterilbank!


    Ich habe einfach eine Pinzette und ein Skalpell durch abflammen sterilisiert. Zuerst habe ich den Pilz in der Mitte auseinander gerissen. Danach aus der "Bruchfläche" mit dem Skalpell einen Würfel geschnitten, oder einfach nur mit der Pinzette Teile herausgezogen. Dabei immer darauf achten, dass man ausreichend Abstand vom "unreinen" Rand hält. Dann das Mycel rasch auf das zu beimpfende Substrat legen. Im oberen Fall Deckel einen kleinen Spalt lüften und rein damit. Gleiches geht mit der Alufolien-Variante auch. Danach gleich wieder verschließen.

    Dieses Vorgehen ist beileibe kein steriles Arbeiten, aber wenn man mehrere Gläser so behandelt ist die Chance groß, dass einige davon "rein" bleiben.

    Jetzt nur noch ins Dunkle bei Raumtemperatur stellen und abwarten.


    Das war´s für heute. Der Kleine begehrt die Maus! :wink:


    Liebe Grüße!

    Alex

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  • Hallo Alex,


    na endlich geht es los...:wink:


    Zwei ganz dumme Fragen hätte ich mal dazu: Warum ist die Sterilität, hatte ich schon so oft gelesen, eigentlich so wichtig? In der Natur draußen ist es doch auch alles andere als keimfrei.

    Und, wieso ist Alufolie luftdurchlässig?:/


    LG Thomas

  • Hallo Thomas!


    Der Gedanke liegt nahe, da hast Du recht!


    Das liegt vorrangig an der Wahl des Substrates. Wenn man als Substrat - wie bei meinem ersten Versuch - nur Holz nimmt, ist die Gefahr der Kontamination recht niedrig. Einfach, weil auf Holz Bakterien oder Schimmel(die beide größten Feinde der Pilzzüchter) nicht, oder nicht gut wachsen. Problematisch bleibt hier aber dennoch das zum beimpfen benutzte Mycel selbst, das natürlich wieder schimmeln kann.


    Anders verhält es sich aber bei Getreidebrut. Hier ist ohne steriles Arbeiten kein durchkommen.


    In der Natur fliegt eine einzelne Spore auf den richtigen Platz, der zum Auskeimen geeignet ist. Eine zweite in der Nähe macht das auch und die beiden Mycelien vereinen sich zu einem dikaryotischen Myzel. Dem anthropische Prinzip folgend, sehen wir ja nur jene Stellen, wo es funktioniert hat. :wink:


    Bez. der Folie: Luftdurchlässig deswegen, weil Du das Folienstück oben auf den Glasrand legst, die überstehenden Enden nach unten drückst und ans Glas andrückst. So kann von oben nichts reinfallen, aber es bleibt ein kleiner Spalt zum Luftaustausch.


    Liebe Grüße!

    Alex

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  • Hallo Freunde der Pilzzucht!


    So geht es weiter…


    Viel sinnvoller, als einfach Anzündholz zu verwenden sind Holzdübel. Oder man arbeitet mit beimpfter Pilzbrut auf Getreide.


    Arbeiten mit Holzdübeln:

    Das Sterilisieren der Holzdübel habe ich genau so gemacht, wie oben mit dem Anzündholz – einfach ein paar Minuten kochen lassen, abkühlen, beimpfen.

    Allerdings sollte man nicht wie ich einfach weggehen und später erst durch die Rauchentwicklung wieder daran denken, dass was am Herd steht!

    Das Wasser war verdampft und ich habe höchst sterile Holzkohle produziert…


    Beimpft sieht das dann so aus:


    Bei den Austern: wie auch schon beim Anzündholz recht verhaltenes Wachstum…



    Bei den Shiitake: hier andererseits recht gutes Wachstum, die könnte man durchaus schon verwenden…




    Arbeiten mit Roggenkörnern:

    Es gibt „genaue“ Rezepte, wieviele Körner und wieviel Wasser in ein Schraubglas kommen sollen und wie lange das dann bei wieviel Grad im Rohr stehen soll. In der Theorie klingt das gut. Aber alle meine Gläser sind unterschiedlich groß, jedes Rohr ist anders und überhaupt….


    Daher ist für mich diese Methode am simpelsten:

    Körner in einen großen Topf mit ausreichend Wasser übergießen(im Bedarfsfall weiteres dazu geben) und einfach kochen lassen. Die Körner quellen dabei ziemlich auf, also den Topf nicht zu klein wählen.


    Und so wie beim guten Italiener um die Ecke, die Körner schön Al Dente kochen, also nicht zu fest und nicht zu weich. Jetzt die Körner abseihen und wenn sie gut abgetropft sind in die Schraubgläser oder ähnliches füllen.

    Wichtig: mindestens ein drittel Luft freilassen, sonst kann man die Körner später kaum durchschütteln.

    Die Gläser nun mit Alufolie so abdecken, dass von der Oberkante des Glases nach unten mind. 4-5cm überdeckt sind. Die Folie gut andrücken, damit sie fest sitzt.


    Die Gläser mit verschlossenem Deckel sehen dann so aus: wenn auch noch zu hoch aufgefüllt...



    Solange der Sauerstoff reicht, wächst es auch hier super, stagniert nur bald. Daher entweder Deckel aufschrauben und nur darauf liegen lassen, oder gleich mit Alufolie arbeiten.



    Jetzt noch für 30 min bei 180°C ins Rohr und abkühlen lassen. Das Rohr ist jetzt sogar wirklich ein Reinraum. Wenn auch nur kurz. Denn nach dem ersten Öffnen des Rohres ist es schon wieder vorbei mit der Sterilität.

    Wenn man vorsichtig arbeitet, wie im zweiten Teil beschrieben, dann stehen die Chancen gut, dass das Beimpfen keimfrei über die Bühne geht.

    Am praktikabelsten habe ich gefunden, die sterilisierten Gläser über Nacht im geschlossenen Rohr auskühlen zu lassen, dann hat alles Raumtemperatur und das Mycel nimmt beim beimpfen keinen Schaden.


    Hier die beimpften Gläser in der Entwicklung:


    Austern:



    Shiitake:



    Wenn man schon deutliches Wachstum sieht, kann man die Körner etwas durchschütteln, damit das Mycel besser verteilt wird. Die Körner werden dadurch noch schneller durchwachsen.


    So das war´s wieder für heute!


    Liebe Grüße und eine schöne Woche wünscht

    Alex

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    Einmal editiert, zuletzt von Der Biologe ()

  • Lieber Alex,


    vielen tausend Dank!!!

    Schon seit Jahren züchte ich Austernpilze (auf Kaffeesatz), aber ich kaufe immer die fertige Körnerbrut.

    Jetzt hoffe ich, dass du für mich die Lücke geschlossen hast, und ich meine eigene Körnerbrut machen kann :)

    Wobei natürlich noch das Problem bestehen bleibt, dass die "freilaufenden" Austernpilze, die ich hier finde (endlich habe ich auch eine Fundstelle in Laufentfernung - und zwar an meiner befreundeten Buche, die leider vor ein paar Jahren ein Sturm erlegt hat) ja die Kälteaktivierung brauchen, im Gegensatz zu den Zucht-Austernpilzen.


    Aber hierzu habe ich noch eine Frage:

    Ich habe einfach eine Pinzette und ein Skalpell durch abflammen sterilisiert. Zuerst habe ich den Pilz in der Mitte auseinander gerissen. Danach aus der "Bruchfläche" mit dem Skalpell einen Würfel geschnitten, oder einfach nur mit der Pinzette Teile herausgezogen. Dabei immer darauf achten, dass man ausreichend Abstand vom "unreinen" Rand hält. Dann das Mycel rasch auf das zu beimpfende Substrat legen. Im oberen Fall Deckel einen kleinen Spalt lüften und rein damit. Gleiches geht mit der Alufolien-Variante auch. Danach gleich wieder verschließen.

    Ich verstehe deine Beschreibung so, dass du aus der Mitte des Fruchtkörpers etwas entnimmst. Du sprichst allerdings von Myzel. Ich hatte gedacht, dass man entweder richtiges Myzel hernehmen muss (bei meinen Austernpilzen brösele ich z.B. einfach durchwachsenes, aber ausgelaugtes Substrat in einen neuen Eimer mit Kaffeesatz), oder etwas Sporenhaltiges benutzen müsste. Wenn ich dich richtig verstehe, wächst auch das Fruchtfleisch zu einem Myzel heran - was mich verwirrt :S - aber natürlich sehr praktisch wäre/ist, denn steril an Myzel oder Sporen heranzukommen stelle ich mir schwierig vor.


    Erhelle mich bitte :)


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine!


    Es freut mich, wenn ich Dir helfen kann!


    Und ja, das hast Du genau richtig verstanden!


    Das dikaryotische Mycel im Boden/Substrat - also das, wo sich bereits zwei monokaryotische Mycelien aus zwei verschiedenen Sporen vereinigt haben - und das im Fruchtkörper sind eigentlich völlig identisch. D.h. das Fruchtfleisch IST das Mycel!

    Dieses wird sich wie gewohnt auf dem Kaffeesatz ansiedeln und später( nach dem Kältereiz z.b. im Kühlschrank) wieder neuen Fruchtkörper bilden.


    Liebe Grüße und gutes Gelingen!

    Alex

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  • Hallo und willkommen zum dritten Teil der Pilzzucht Miniserie!


    Das vermehrte Mycel haben wir nun endlich vorliegen und können uns ans Beimpfen wagen.


    Hier mal die Gläser, wie sie kurz davor ausgesehen haben:

    Auch der Luftraum über den Körnern ist mittlerweile komplett mit weißer Watte gefüllt, die ab einem gewissen Alter eine zunächst helle und später eine gelblich/bräunliche Flüssigkeit abgibt. Das ist völlig normal.



    In einigen Gläsern haben sich schon recht bizarre Gebilde entwickelt: hier z.b. beim Austernseitling:




    Natürlich sollte man sich rechtzeitig überlegen auf welchem Substrat man die Pilze züchten möchte, denn auch hier kann die Vorbereitung mitunter etwas Zeit in Anspruch nehmen:

    Ich habe mich für die Zucht auf Baumstämmen entschieden, weil man damit auch über mehrere Jahre hinweg ernten kann(wenn alles gut geht…).

    Dabei sollten die Stämme nicht schon ewig herum gelegen sein, da sich dann häufig schon Pilze im Holz angesiedelt haben, auch wenn man diese von außen mitunter noch nicht sieht.

    Genauso wenig sollte das Holz frisch geschlagen worden sein, da dann das Holz noch zu viele Abwehrstoffe enthält und das eingebrachte Mycel einfach umbringt.

    Am besten scheint eine Zeit von ca. 2 Monaten beim Ablagern zu sein, zumindest hat das meine Recherche so ergeben.


    Da mich auf meinem Grund ohnehin zwei junge Eschen gestört haben, wurden diese noch im Winter gefällt und bis zum Frühjahr gelagert.

    Im April ging es dann los, indem ich die Stämme alle zunächst im Teich für 2 Tage gewässert habe. Ein über 50cm dicker Buchenstamm, den ich von einem Freund noch bekommen habe, war vollgesaugt untergegangen und kaum mehr aus dem Wasser zu kriegen.




    Die Stämme wurden auf zwei Arten vorbereitet:


    1. Einfach mit der Kettensäge Schlitze rund um den Stamm gesägt und

    2. Mit dem Forstnerbohrer den Stamm durchlöchert.


    In die Schlitze/Löcher habe ich dann das Mycel gedrückt und anschließend mit einem Gewebeband abgeklebt, damit nichts rausfallen kann.

    Heute würde ich das aber anders: Rundhölzer im Durchmesser des Forstnerbohrers in ca. 2-4cm lange Stücke schneiden und das beimpfte Loch damit verschließen. Sehr elegant und sauber, wie ich meine… da kommt die Maus nicht ran und der Schimmel tut sich auch viel schwerer.


    Das Ganze sah dann fertig so aus:

    Hier die Austernstämme:




    Und hier die Shiitakestämme:




    Schlussendlich wurden diese dann an einem möglichst schattigem Platz im Garten gelagert und gegen die Austrocknung mit einer Folie mit ein paar Schlitzen abgedeckt. So lagen die Stämme den ganzen Sommer herum.




    Leider war nun der Sommer 2018 – wie wir alle leidvoll erfahren haben – extrem trocken. D.h. ich mußte die Stämme öfter gießen, als die Blumentöpfe und dennoch war alles staubtrocken. Mehrere Male wurden die Stämme daher wieder im Teich gewässert.

    Ansonsten hieß es Abwarten und Teetrinken!


    Liebe Grüße!

    Alex


    PS: und das Mycel scheint sich auszubreiten!


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  • Hallo Freunde der Pilzzucht!


    Und willkommen zum vierten Teil!


    Beim dicken Buchenstamm, den ich geschenkt bekommen habe, zeigte sich als erstes weißes Pilzmyzel an den Schnittenden und auf der Rinde. Die Freude war entsprechend groß!

    Leider habe ich davon keine Fotos gemacht.

    Aber heute bin ich bei Sturm und Regen von der Seite noch mal raus, um Euch das zeigen zu können, was daraus geworden ist.

    Dazu möchte ich gar nicht viel bestimmungstechnisch sagen – da sind andere hier deutlich besser, als ich – aber eines ist sicher: Shiitake sind das allesamt sicherlich nicht!




    Fremdinfektionen ohne Ende!!!

    Der Stamm scheint vorher schon ein bisschen zu lange gelegen zu sein.


    Was meint Ihr was man darauf so alles entdecken kann? Zumindest vier Arten hätte ich schon ausgemacht, oder??


    Bezüglicher der Pilzzucht zumindest ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen sollte!


    Liebe Grüße!

    Alex, der Meisterzüchter

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  • Lieber Alex,


    vielen Dank für die Fortsetzung! Jetzt sind wir also in der Gegenwart angekommen und warten gespannt darauf, was weiter passiert :)


    Ich habe schon Roggen gekauft und bin gespannt auf meine ersten Versuche.


    Zumindest auf Kaffeesatz sind die Zuchtaustern so aggressiv, Schimmel & Co machen denen nichts aus, die setzen sich trotzdem durch.

    Deshalb hoffe ich mal, dass deine Austern von den Impfstellen aus auch eifrig loswachsen.


    Interessant ist das natürlich trotzdem, was du da alles findest. Diese "Fremdpilze" haben sich über dein fürsorgliches Feuchthalten bestimmt gefreut wie Bolle.


    Für einen davon (Bilder 5 & 6) würde ich mal den Angebrannten Rauchporling ins Rennen werfen. Aber mit dieser Art von Pilzen kenne ich mich nicht so aus.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine und Danke für die Idee mit dem Angebrannten!


    Ich denke da hast Du und Veronika den richtigen Riecher gehabt!


    Das mit den Austern auf Kaffeesatz ist interessant. Dass der auch den Schimmel überwuchert habe ich zumindest auf Roggen im Glas nicht feststellen können!


    Wäre super, wenn Du das mal zeigen könntest!


    Danke und liebe Grüße!

    Alex

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  • Hallo Pilzfreunde!


    Nachdem die ersten Pilze zwar recht hübsch anzusehen waren, sich aber weniger gut für die Pfanne eigneten, wurden die Stämme weiterhin regelmäßig gegossen.


    Und endlich! Es war ein lauer Sommertag… Schmarrn! Ich bin einfach zufällig an den Stämmen vorbeigelaufen und war mir zunächst gar nicht sicher, ob ich das richtig sehe:

    Zwar noch klein, aber eindeutig Austernseitlinge an einem einzigen Stamm!




    Hier mit einem stolzen Durchmesser von 5cm




    Und hier kleine Knöpfe von vielleicht 4-5mm




    Da ich mein selbstgebasteltes Gewächshaus mittlerweile ausgeräumt habe, dachte ich es wäre eine gute Idee, die Stämme ins Gewächshaus zu stellen. Höhere Luftfeuchtigkeit – weniger gießen…

    Zunächst nochmals alle Stämme im Teich vollsaugen lassen und dann rein damit!

    Und wie man sieht, sind die Austern auch weitergewachsen auf ca 10cm Durchmesser!



    Wenige Tage später zeigten sich auch an einigen anderen Stämmen kleine Fruchtkörper, die rasch größer wurden:


    Hier der Status bis Ende Oktober:



    Ende Oktober hatten ca. 50% der Stämme zumindest kleine Fruchtkörper gezeigt!


    Das freut schon, wenn man so viel Arbeit reinsteckt!


    Liebe Grüße!

    Alex

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  • Lieber Alex,


    wow, da sind ja richtige Prachtexemplare gekommen!


    Meine am Sonntag geernteten Wildaustern sind wunderbar. Ich finde es erstaunlich, dass sie nach dem Auftauen frisch sind wie am ersten Tag, überhaupt nicht labberig oder so.


    Bei meiner Erwähnung des Kaffeesatzes habe ich mich wohl falsch ausgedrückt: Den nehme ich anstelle deiner Holzstämme, nicht anstelle des Roggens. Beimpfen tu' ich den Kaffeesatz dann auch mit Körnerbrut. Deshalb meine Hoffnung, dass deine Austern auf dem Holz auch die Fremdpilze plattmachen, oder zumindest ihren Bereich verteidigen. Scheinen sie ja auch gemacht zu haben.


    Ich stelle mir vor, dass es einen Unterschied macht, ob nur ganz wenig bzw. gar kein Pilzmyzel anfangs da ist, dass dann der Schimmel leichter gewinnen kann, oder ob man schon hunderte von Gramm Pilzmyzel am Start hat.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine und Danke für die Antwort!


    Da hast Du sicherlich recht, dass der Erfolg auch von der Menge an eingebrachtem Mycel abhängig ist.


    ich werde bei dem Stamm sicherlich noch abwarten, ob sich noch was zeigt!


    Beim Kaffeesatz bekomme ich zu wenig zusammen. Den müsste ich über einen längeren Zeitraum sammeln und trocknen, damit er nicht gleich schimmelt, oder wie machst Du das?



    Liebe Grüße!

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


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  • Lieber Alex,


    ups, deine Frage hatte ich aus dem Blick verloren. Ich hoffe, du bist gut im neuen Jahr angekommen.


    Bei meinem Freund auf der Arbeit fällt jede Menge Kaffeesatz an. Bei mir könnte ich auch sammeln, mache ich aber nicht - ich habe ja schon so viel... Falls es bei dir auf der Arbeit oder bei Freunden/Verwandten nicht genug gibt: Vielleicht in deinem Lieblingscafé fragen?


    Ich bekomme sowas wie 3 Haribodosen pro Woche, die werfe ich dann gemeinsam mit Körnerbrut oder mit Myzel aus einem ausgelaugten Eimer in einen frischen Eimer. Manchmal habe ich genug, um gleich einen vollzumachen, ansonsten fülle ich auf 2-3x den Eimer auf. Bis dahin lagere ich den Kaffeesatz außer an ganz heißen Tagen einfach in der Dose auf dem Balkon. Wenn etwas arg schimmelt, werfe ich es auf den Kompost, aber meistens schimmelt es in den 3-4 Tagen gar nicht oder nur wenig, das macht den Zuchtaustern nichts. Wenn es sehr heiß ist hilft in der Tat trocknen, wobei der zum länger aufbewahren wirklich *sehr* trocken sein muss. Ich hatte mal welchen, den ich für sehr trocken hielt und für einen Kinder-Pilzkurs länger aufbewahren wollte, und der schimmelte dann doch. Deshalb hatte ich dafür dann den Kaffeesatz lieber eingefroren. Aber normalerweise habe ich wegen der Speisepilze ja so wenig Platz im Gefrierschrank ;)


    Liebe Grüße

    Sabine

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