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Pilz im Hochbeet

  • Hallo zusammen,


    auf meinem Balkon in meinem Hochbeet hat sich dieser Pilz angesiedelt, seit April / Mai wachen diese aus dem Beet heraus. Der Boden scheint mit dem Myzel durchsetzt zu sein, da die Erde beim umgraben weiße Stellen aufweist.


    Der Pilz hat einen weiß/gräulichen Hut ( der große mit ca 8-10cm Durchmesser ) und einen weißen längsfaserigen Stiel ohne Ring. Die Lamellen sind meiner Meinung nach freistehend, Das Fleisch ist weiß und verfärbt sich nicht nach dem Anschneiden.

    Was ich so bisher gesehen habe, tippe ich auf eine Egerlingsart. Bin ich da auf dem richtigen Weg?


    Disclaimer: Habe nicht vor den Pilz zu essen, dafür bin ich viel zu unerfahren und es ist mir auch zu gefährlich.


  • Was ich so bisher gesehen habe, tippe ich auf eine Egerlingsart. Bin ich da auf dem richtigen Weg?

    Hallo

    Ja und Nein! Die sehen schon den Egerlingen sehr ähnlich, aber haben weiße Lamellen. Darum sind es Egerlingsschirmlinge, möglich der Rosablättrige!

    Grüße von der Insel Rügen

  • Salve!


    Solche Egerlingsschirmlinge sollten in der Tat nicht gegessen werden, sind ansonsten aber völlig harmlos. Sie setzen ledigich organisches Material in der Pflanzerde um, für lebende Pflanzen interessieren sie sich aber nicht.


    Die Einschätzung von Uwe dürfte schon die richtige sein; das sieht aus wie irgendwelche Rosablättrigen Egerlingsschirmlinge / Gemeine Egerlingsschirmlinge (Leucoagaricus leucothites agg.).



    Lg, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • 'n Abend,


    mit der Bestimmung auf Egerlingsschirmling ziehe ich mit, der Rosablättiger Egerlingsschirmling (Leucoagaricus leucothites) wird mit Ring beschrieben. Sehe keinen auf den Fotos.


    Pablo schreibt Leucoagaricus leucothites agg., meint damit, dass sich dahinter vermutlich noch nicht erforschte Arten verbergen. So weit kann ich folgen, aber ohne Ring lande ich nicht bei L. leucothites.


    Bestimmen könnte der Finder seinen Fund ohne großen Aufwand selber,


    Unterscheidung:




    Vergleiche das Sporenpulver: Rosablättriger Egerlingsschirmling zuerst weiß, nächster Tag rosa. Auch die Lamellen verfärben sich später rosa. Fleischblättriger Egerlingsschirmling und Seidiger Egerlingsschirmling haben weißes Sporenpulver und auch im Alter weiße Lamellen. Außerdem verfärbt sich der Seidige Egerlingsschirmling auf Verletzung/Druck gelblich (gilbend).






    lgpeter

  • Hi Peter,


    guck dir mal beim ersten Bild den linken Fruchtkörper an.


    Ansonsten ist Leucoagaricus Bestimmung bissl davon abhängig ob man ein breites L. leucothites Konzept fährt, wie Velinga beispielsweise, oder ob man sich da den Splittern zugehörig fühlt. Der Trend geht allgemein betrachtet eher zu letzterem. Mit Leucoagaricus leucothites agg. macht man aber denke ich nix verkehrt hier.


    LG,

    Schupfi

    Keine Verzehrfreigaben meinerseits.

  • Servus Schupfi,


    hab' ich mir angeguckt, den linken Fruchtkörper. Ich sehe einen vom Hut herabhängenden Rest vom Velum, dieser Fetzen kommt für einen aufsteigenden Ring wohl nicht in Betracht. Auch beim größeren Fruchtkörper keine Spur von einem Ring. L leucothites wird in den PdS aber mit Ring beschrieben, dass ist mein Problem.


    Sehr ähnlich, aber mit vergänglichem Ring wäre Seidiger Egerlingsschirmling, Reinseidiger Egerlingsschirmpilz (LEUCOAGARICUS HOLOSERICEUS), hab ich bereits oben eingestellt.


    Tja, wenn der fragliche Pilze ohne Ring L. leucothis agg. zugehörig ist, habe ich eine weitere offene Baustelle. Innerhalb eines agg. sollte es doch möglich sein, Pilze mit von Pilzen ohne Ring zu unterscheiden, oder?


    Wäre mit a bissale Sporenpulver leicht einzugrenzen, diese Anfrage. Schau ma amol, ob sich s_schne nochmals meldet,


    lgpeter

  • Hi Peter,


    wichtig ist vor allen Dingen, dass ein Ring da ist. Wenn der beim Parasol abfällt oder Schupfi ihn wegschnabuliert hat im Vorbeigehen, ist's ja hinterher auch kein anderer Pilz. Bei einigen Arten ist oftmals hinterher immerhin noch eine Ringzone zu erkennen, bei Leucoagaricus ist der Stiel aber gerne komplett glatt, wenn der Ring flöten gegangen ist:


    Hier hängt der beispielsweise auch nur noch am Hutrand, ist trotzdem L. leucothites agg. (also inklusive deinem Alternativ-Vorschlag):



    Ob das Sporenpulver und die Vergänglichkeit des Ringes zum Eingrenzen in der Artengruppe hilft, weiß ich nicht, aber ich glaub's eher nicht. Die Abgrenzung in der Gruppe ist für mich generell wackelig und nicht wirklich konsistent nachvollziehbar, so dass ich es mit Vellinga halte und das bei mir alles unter L. leucothites agg. läuft. L. holosericeus werden meistens die gilbenden Exemplare genannt.


    LG.

    Keine Verzehrfreigaben meinerseits.

  • Moin!


    Das wäre hier auch meine Einschätzung gewesen: Ring ist abgerissen bzw. hängt am Hutrand fest.

    Die Arten um Leucoagaricus leucothites sind irgendwie knifflig. Meistens fasse ich da auch lieber zusammen, wobei immerhin carneifolius (Hutoberfläche jung grau!) und holosericeus (am Stiel deutlich gilbend) schon gut abtrennbar sein könnten... Aber wie konstant das ist, kann ich nicht einschätzen.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Griaß eich,


    bitte auf "Alles anzeigen" klicken, ich habe 'direkt' auf eure Beiträge geantwortet,




    >aber ohne Ring lande ich nicht bei L. leucothites.<


    in meinen Aufzeichnungen steht, daß adulte Exemplare dieser Art oft ihren Stielring verlieren. Natürlich kannst Du anderer Meinung sein, hab´s eben nur notiert.


    Na ja, ich kann nicht nur anderer Meinung sein, ich muss es sogar; meiner Literatur + 123 Pile vertrauend.


    Das wäre hier auch meine Einschätzung gewesen: Ring ist abgerissen bzw. hängt am Hutrand fest.

    Die Arten um Leucoagaricus leucothites sind irgendwie knifflig. Meistens fasse ich da auch lieber zusammen, wobei immerhin carneifolius (Hutoberfläche jung grau!) und holosericeus (am Stiel deutlich gilbend) schon gut abtrennbar sein könnten... Aber wie konstant das ist, kann ich nicht einschätzen.


    Dass die Gattung Leucoagaricus kein Durchgehaus weiß ich von Gernot F. Hast du einen speziellen Artikel zu L. leucothites agg. für uns?



    Sodale,


    endlich habe ich die Aufnahmen zu meinem L. leucothites Fund gefunden, ohne den ich mich an diesem Thread nicht beteiligt hätte,








    Nullo Fransen am Hut, dafür mit stabilen, aufsteigender Ring.


    Fauler Sack wie ich nun mal bin, habe ich die Aufnahmen 2019 im Nebenforum eingestellt, mich einem laufendem Thread angehängt. Harald Zühlsdorf, 'Zuehli' hat ohne zu Zögern auf L.leucothites bestimmt.


    Dass wir manchmal zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, trotzdem einen gemeinsamen Nenner finden wollen, dass ist Sache, :thumbup:


    lgpeter

  • Hi.


    Zitat

    Steht aber so in Wolfgang's 123Pilze, in den Pds und im Der große Pilzführer für unterwegs.

    Habe ich jetzt alles durchgeguckt, die Ringvergänglichkeit finde ich da nirgends als Abgrenzungsmerkmal.

    Sporenpulver gibt 123 mit "später rosa" an, PDS mit "hellgelb", BLV mit "weiß". Kann man sich dann aussuchen. 123pilze ist bei mir mangels Quellenangaben immer weit hinten in der Referenzliste, aber ich denke mal die Referenz ist der Parrey, der es mit hellrosa angibt. Velinga schreibt auch "weiß bis sehr blass rosa" aber in ihrem breiten Konzept steckt sowohl L. holosericeus als auch L. carneifolius mit drin (FAN5), da bringt's also nix aufs Sporenpulver zu gucken.


    LG.

    Keine Verzehrfreigaben meinerseits.

  • Sporenpulver gibt 123 mit "später rosa" an, PDS mit "hellgelb", BLV mit "weiß". Kann man sich dann aussuchen.

    Hallo zusammen,

    solche Angaben sind anscheinend rechtens. Die Farbe des Sporenpulver ist vermutlich eine Funktion vom Reifegrad und der Trockenheit dieser Art. Jedenfall denke ich das.

    Gruß - Franz

  • Servus!


    Deine vergleichsbilder passen meiner Ansicht nach ganz gut zu s'schne's Pilzfund, Peter. :thumbup:
    Bis auf den Ring, freilich, aber wie das passiert sein mag, wurde ja nun schon erläutert. Gibt's sogar bei Grünen Knollis, daß die mal ohne Ring auftauchen (Achtung vor verwechslungen mit Scheidenstreiflingen!).


    Markant ist übrigens auch diese bräunlich verfärbte Zone am Stiel auf Ringhöhe, die sieht man sowohl bei dem Habicht - Fund als auch bei dem von s'schne.


    Aktuelle Literatur zur leucothites - Gruppe kann ich leider nicht anbieten. Weiß also auch nicht, wie da der momentane Forschungsstand ist zur Artengruppe. Was ich dazu weiß, ist auch nur so lose zusammengesaugt aus ein paar umfassenderen Büchlein und Kommentaren von Pilzkundlern im Netz. Da ist eben auch Zuehli zu erwähnen, der in dem Bereich eine ganze Menge mehr Erfahrung und Wissen hat als ich.



    Lg; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Servus Pablo & alle,


    beim Grüner Knollenblätterpilz wird auf die Vergänglichkeit des Ringes ausdrücklich hingewiesen, in 123 Pilze. Nicht aber in den 'PdS' , in 'Parrey's Buch der Pilze' und im' BLV'. Wiki schweigt sich darüber auch aus.


    Soviel zur Bewertung unterschiedlicher Quellen, :party: Würde ein Kandidat anlässlich einer Pilzberaterprüfung darauf beharren, dass der Ring von A. phalloiides stabil und nicht vergänglich ist, darf ein Jahr später noch einmal antreten.



    Zurück zum Thema,


    ihr vier hier seid der Meinung, mit L. leucothites richtig zu liegen, agg. hin oder her. Von Stephan W. habe ich eines gelernt, 'nix nachzuplappern & kritisch bleiben'. Daher hab' ich bei Zuehli um seine Meinung angeklopft,






    Etwas weiter oben habe ich geschrieben,


    'Dass wir manchmal zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, trotzdem einen gemeinsamen Nenner finden wollen, dass ist Sache,' :thumbup:


    So soll es weiterhin bleiben und gehe davon aus, dass die Meinung eines Experten akzeptiert wird.


    lgpeter



    Kurzer Nachspann für Pablo,


    bei der Bestimmung dieses Schirmlings haben du, Stephan W. und Zühli mir 2016 ordentlich unter die Arme gegriffen, da war ich mit meinem Mikroskop noch per "Sie",





    Zuehli hat damals auf einen mikroskopischen Nachweis der HDS-Struktur bestanden,




    erst dann hat er mir den Fund auf Stinkschirmling durchgewunken.

    Gewusst, dass nur er es sein kann, hat er schon zuvor. Der Stephan auch, nur ich nicht, :wink:

  • Moin,


    na gut, schwierig über Proxys zu diskutieren, aber mich würde schon interessieren woran man bei den Bildern L. cinerascens von L. leucothites var. carneifolius abgrenzen kann?

    Mein letzter Stand war, dass das mehr oder weniger nur durchs scharfe Glas zu trennen ist indem man sich die Cheilos und die Huthaut anschaut.


    Zugegebenermaßen dachte ich aber auch, dass der mit in die L. leucothites Gruppe gehört, weil er ja mehr oder weniger genauso ausschaut wie L. leucothites var. carneifolius, aber Harald ist da sicher tiefer in der Materie. Irgendwo habe ich glaube ich auch noch so ein Exemplar rumfliegen aus den Zeiten bevor ich am Mikro angefangen hab rumzustümpern. Müsste ich mal gucken ob ich den noch finde und da heute mehr rausbekomme.


    LG,

    Schupfi

    Keine Verzehrfreigaben meinerseits.

  • Hey Schupfi,


    deine Frage zur Unterscheidung von L. cinerascens und L. leucothites (var.) carneifolius hat Zuehli bereits beantwortet, hier findest du Aufnahmen dazu,


    Leucoagaricus_cinerascens


    Dein "var." habe ich in Klammer gesetzt, weil C. carneifolius eine Art ist,




    In die Mycobank scheint sich ein Fehlerteufelchen eingeschlichen zu haben, zwar ist ein L. carnifolius var. carnifolis angeführt,





    aber ohne Angabe des Autors und dem Jahr der effektiven Veröffentlichung nix wert.


    In meinen Büchern ist L. carnifolius nicht drinnen und Wolfgang hat sich für sein 123 die falschen Pilze aus dem Netz geangelt, :S


    Wennst dein 'herumfliegendes' Exemplar einfangen kannst, dann ran ans scharfe Glas & bitte berichten,


    lgpeter

  • Hi Peter,


    deine Frage zur Unterscheidung von L. cinerascens und L. leucothites (var.) carneifolius hat Zuehli bereits beantwortet, hier findest du Aufnahmen dazu,

    Nicht wirklich, siehe hier Seite 3ff.


    Dein "var." habe ich in Klammer gesetzt, weil C. carneifolius eine Art ist,

    Nicht, wenn man Velinga folgt, da es keinerlei mikroskopische Unterschiede zu L. leucothites gibt. Daher wird wohl auch der Verweis bei Mycobank stammen (wäre dann: (Gillet) Vellinga 2001).


    "Der Status von L. carneifolius ist umstritten. HAUSKNECHT & PIDLICH-AIGNER(c), die eine sehr große Anzahl von Kollektionen überprüft haben, halten diese Sippe für gut von L. leucothites abgrenzbar, bleiben aber beim Varietätenstatus (wie auch VELLINGA). DIDUKH & al. geben a.a.O. Unterschiede im Schlankheitsgrad der Sp (L. leucothites: Q 1.4-1.6 - L. carneifolius: Q 1.2-1.3) sowie in der Z-Länge an [L. leucothites: 40-57, bei L. carneifolius kürzer, 24-40 (50)]. Diese Beobachtungen wurden aber von anderen Autoren nicht bestätigt."

    (Gröger 2014: 192)


    Bei L. cinerascens gibt's hingegen mikroskopische Unterschiede in der HDS und bei den Zystiden, die aber potentiell auch bei anderen Arten auftreten können: "Außerdem sind die als typisch angesehenen kurzen Elemente der Subcutis manchmal auch bei anderen Arten gefunden worden (b: 431, leucothites). Sie fällt vielleicht an verschiedenen Stellen der Hh anders aus und scheint außerdem variabel." (ebd.).

    Ich erinnere mich auch so langsam wieder, wieso ich mein Exemplar von damals ganz unten in meiner Nachbestimmungskiste platziert habe. :whistling:


    Für die Mikroskopie habe ich aktuell aber ohnehin zu wenig Zeit leider.


    LG,

    Schupfi

    Keine Verzehrfreigaben meinerseits.

  • Servas Schupfi,


    Zühli hat die Frage zur Unterscheidung kurz mit einem Satz beantwortet, dein eingestellter Link zu L. carneifolius ist logo ausführlicher, thx


    Von Velinga habe ich hier zum ersten Mal gehört, mit unterschiedlichen Konzepten befasse ich mich nicht. Der Verweis in der Myobank bezieht sich auf L. carneifolius var. carneifolius.

    Wenn Hausknecht & Pidlich-Aigner für einen Variätätsstatus bei L. carneifolius sind, auf was bezieht sich dann der Mycobank Eintrag ohne Autoren? Auf L. carneifolius als Art versehe ich grade noch, was

    ist mit var. carneifolius gemeint?


    Für s_shne ist seine Anfrage offensichtlich Schnee von gestern, wir beide sollen uns jetzt auch bequem zurücklehnen, :wink:


    lgpeter

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