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Werden Douglasien langsam heimisch?

  • Hallo miteinander,


    Hat ja lange gedauert, dass Pseudozugas wie Fremdkörper in unseren Wäldern standen. Gemeinsame Sache mit Pilzen konnten wir jedenfalls bei ihnen lange nicht beobachten. Vielleicht liegt es ja einfach an dem gewaltigen Fruchtkörperdruck, den die Pilze derzeit machen. Ich will noch gar nicht annehmen, das hier Symbiosen entstehen, aber erstaunlich sind die folgenden Bilder allemal:



    Hier tummeln sich etliche Maronen um eine Douglasie, wo ich die letzten Jahre keinen Pilz beobachtete. Allerdings wachsen einige kleine Fichten rundherum,

    aber Kiefern gibt es keine in der Nähe uns es heist doch, dass Fette Hennen auf die angewiesen sind:



    Die wächst eindeutig am Fuß einer Douglasie und die Macrolepioten fühlen sich da auch recht wohl.

    Noch mal in groß, weils so schön ist:



    Ich habe aber noch ein zweites Beispiel:



    Auch eine Douglasie mit noch mehr Tuchfühlung.

    Das sind nur Beobachtungen, keine Schlussfolgerungen. Vielleicht hat jemand ähnliche Beobachtungen gemacht.


    LG, Diether

  • "Pseudozugas" hat mich jetzt ein bisschen beschäftigt. Obwohl Landkind usw. kann ich Douglasien immer schwer erkennen - ich weiß es theoretisch - praktisch schaue ich nie.

    Andere Frage, wie lässt sich der "gewaltige Fruchtkörperdruck" jetzt nun erklären? Gibt es da Theorien?


    LGR

  • Moin. Also Douglasien sind ja auch Kiefern, und ich hab zuletzt sogar irgendwo gelesen oder gesehen, dass Krause Glucke an Fichte gefunden wurde (war aber nicht zu prüfen).
    Insofern würde es mich nicht überraschen wenn Maronen und Hennen da auch dran gehen.
    Ob sich der Baum mit ner Glucke dran heimisch fühlt, wage ich zu bezweifeln…

  • Also Douglasien sind ja auch Kiefer

    Sorry, aber Douglasien sind keine Kiefern, wie kommst Du denn darauf? Auch wenn sie zur gleichen Familie gehören. Aber dazu gehören auch Fichten und Tannen usw..

    Ob sich der Baum mit ner Glucke dran heimisch fühlt, wage ich zu bezweifeln…

    Da hast Du natürlich Recht, aber in dem Fall ist es eher der umgekehrte Fall, er ist in der neuen Heimat angenommen, auch wenn ihm das nicht gefällt. (Er ist schließlich nicht freiwillig hier).


    Andere Frage, wie lässt sich der "gewaltige Fruchtkörperdruck" jetzt nun erklären? Gibt es da Theorien?

    So viel ich weiß, gibt es keine Theorien. Aber man kann sich seine Gedanken machen. Grundsätzlich hat die Evulotion dazu geführt, dass die Natur immer so funktioniert, wie es am besten geht.

    Wir reden gern über die nette Partnerschaft zwischen Bäumen und Pilzen. Aber kann man ermessen, welch unglaublicher Druck während einer Dürre, wie sie in den Sommermonaten herrschte, von Seiten der Bäume auf die Pilze ausgeübt wurde? Die starken Regenfälle der letzten Wochen müssen zu einer gewaltigen Entspannung geführt haben. Kann auch sein, dass der Dürrestress im Sommer ("mir geht's an den Kragen") zu einer intensieven generatieven Vermehrungsanstrengung geführt hat.


    Jedeenfalls danke für Eure Antworten.


    LG, Diether

  • Hallo,

    es heist doch, dass Fette Hennen auf die angewiesen sind

    nö, die habe ich bisher immer nur an Fichten gefunden. Warum solllten sie nicht auch an Douglasie gehen?

    Ich will noch gar nicht annehmen, das hier Symbiosen entstehen

    Schön wäre es und so unwahrscheinlich ist das auch nicht. Ich habe unter Douglasie auch schon Goldröhrlinge gesichtet und da war weit und breit keine Lärche in Sicht. Bisher wächst unter denensonst nur Suillus lakei und nur bei mir hier in Chemnitz S. caerulescens.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Salve!


    Man muss hier mehrfach differenzieren. Zunächst mal zwischen Schwächeparasiten (zB Hallimasch, Krause Glucke), Saprobionten (zB Rhodonia placenta) und Mykorrhizapilzen (zB Imleria badia). Die Schwächeparasiten und Zersetzer kommen mit dem "fremden" Substrat zum Teil ganz gut klar. Neben Sparassis crispa und Rhodonia placenta schnabulieren eine ganze Menge an solchen Pilzen auch Douglasie gerne weg. Sowohl das Stammholz, als auch die Streu (Massenansammlungen von Parasolen und Lepista nuda gibt's auch in Douglasienschonungen).


    Pseudotsuga ist allerdings auch (sowohl in Nordamerika wie auch in Europa) auf Ektomykorrhiza angewiesen, um wachsen zu können. Aber: Die Netzwerke von Bodenorganismen (zu denen auch die Mykorrhizapilze zählen) funktionieren in der ursprünglichen heimat der Douglasien völlig anders als in Europa. Die Anbindung ans Netzwerk funktioniert nach wie vor nicht wirklich. Heimische Pilzarten können (neben extrem vereinzelt auftretenden nordamerikanischen Douglasienbegleitern) durchaus mit Pseudotsuga Mykorrhiza bilden. Allerdings scheint es bei der Verbindung erhebliche Probleme mit dem natürlichen Stoffwechsel im Waldboden zu geben, so daß diese Mykorrhizapilze kaum jemals in der Lage sind, Fruchtkörper zu bilden. Die Fruchtkörper der Mykorrhizapilze spielen allerdings eine extrem wichtige Rolle für den Gesamtstoffwechsel eines Ökosystems, was dazu führt, daß Douglasienplantagen so aussehen, wie sie sind (Agrarwüste). Einige Arten, die auf beiden Kontinenten heimisch sind (so zB auch Boletus edulis) können zwar sporadisch auch bei Douglasien Fruchtkörper bilden - aber nur, solange die nicht in Reih und Glied stehen ohne Dominanz aus heimischen Baumarten.


    Die Anpassung ist also eben nicht vollzogen, das ist ein Prozess von tausenden von Jahren (wenn es tatsächlich dauerhaft funktionieren kann).



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hey,


    die Gesamtheit der Stoffwechselökologie, besonders des Waldbodens, rückt ja nur sehr langsam nach und nach in unser Bewustsein, so schwierig die Erforschung davon ist. Leider hinkt die Erforschung einer angepassten Waldwirtschaft da sehr weit hinterher. Natürlich ist es mit der Landwirtschaft, selbst für unseren gesammten Lebensbereich, sehr ähnlich.


    Danke, Pablo, Deine Beiträge bringen uns dieser Komplexität immer etwas näher.


    LG, Diether

  • Hallo zusammen,

    mich würde interessieren ob Pablo oder Andere auch schon mal in "echten Wäldern" unterwegs war,

    also nicht in unseren "Plantagen", um die Pilzewelt zu erkunden, gibt es in DE überhaupt natürlich gewachsene Wälder?

    und ob man da überrissen in 2-3 Sätzen nur annähernd dem heimischen Anfänger etwas den Weitblick zu öffnen?


    Grüße

    Porli

  • Porli, du meinst so "Urwald". Ich kann nur für Ösi-Hausen reden, hier gibt es tatsächlich sehr viele Reservate - sogar Mammutbäume. Die wurden aus Neugier von Mönchen irgendwann im Mittelalter gepflanzt. Leider sind das immer Naturschutzgebiete - oder zum Glück.

    Also man darf da nicht einfach ohne "Ranger" durchspazieren. Und wenn man das Verbot umgeht , ich habe meine letzten 10 Meter im Sumpf sehr bereut 😺....


    In die richtigen Gebiete - bei mir wären das Innauen - kommst du nicht rein. In diesem Jahr war es insofern zugänglicher, weil manche Stellen ausgetrocknet waren. Kann ich jetzt schon nicht mehr beteten.

    Und glaub mir, das sind echte Wälder - da hören sogar die Moor-Wiederhersteller auf. Hat bei mir in der Gegend fast immer mit sehr viel Wasser, Sumpf, Hoch - Niedermoor zu tun.


    Huckinger Moorsee -dort versinkt man im Augenblick relativ leicht. Der See ist aus dem und anderen Gründen umzäunt.




    Waidmoos - die Bäume versinken im Wasser trotz Dürre 2022




    Zubringer zur Hagenauer Bucht - ohne Anglerstiefel keine Chance




    LGR

  • Stimmt Rotschild,

    wie doch die Moore im späten Mittelalter alle trocken gelegt wurden, um sie wirtschaftlich nutzen zu können,

    und Hochachtung, dass sie in Ösi-Hausen noch sich selbst überlassen werden.

    Ja, ich dachte an "Urwald" schon eher an festen Boden, und ja, ich war noch nie in diesen Gegenden/Ländern

    Grüße

    Porli

  • Festen Boden habe ich leider auch gleich ums Eck. Lachforst usw. - das sind in dem Sinn keine echten Urwälder wie in Polen, alls dass sie aufgeräumt werden, aber nicht allzusehr.

    Diese Wälder sind schaurig - dort darf man auch nicht zu tief buddeln, weil man gliech auf keltische Gräber stößt usw. - Urwald in dm Sinn gibt es eher noch irgendwo in Reservaten in Norddeutschland - aber kleine. Und dann eben Osteuropa.


    LGR

  • Hallo zusammen,


    aus eigener Kenntnis kann ich nichts beisteuern, habe mich aber beim Stichwort Douglasien an einen dieser Pilztourvideos erinnert, in dem der Macher sie mind. zwei mal ebenfalls als Fundort für Krause Glucken erwähnt hat.


    Hier ist die eine Stelle , die andere ist bei 9:05.


    Ich war da auch drüber gestolpert, dass heimische Pilze wohl problemlos auch Neophyten besiedeln, wobei sich das Thema nach Pablos Darstellungen ein Stück weit differenzierter darstellt.


    vg

    Jan

  • Morgen!


    Leider klappt das nicht so wirklich reibungslos, mit den heimischen Arten und den Neophyten...
    Daß Sparassis crispa Douglasien essen kann, ist schon mal ganz gut. Erheblich hilfreicher wäre es aber, wenn zB Laetiporus (Schwefelporling) oder Hallimasch (Armillaria spec.) gesunden Hunger auf Götterbaum oder Spätblühende Traubenkirsche entwickeln würde. Gerade Götterbaum breitet sich gebietsweise gefährlich aus, weil der hier keine natürlichen "Feinde" hat.


    "Urwald" ist in der Tat immer weniger zu finden. Allerdings kann man dabei auch vaiabel interpretieren, was mit "Urwald" gemeint sein soll.

    Es gibt schon durchaus noch einige Habitate in Mitteleuropa (und auch Deutschland) mit Urwaldcharakter. Allerdings könne auch wirtschaftlich genutzte Wälder eine hohe Artenvielfalt und damit ein natürliches, wiederstandsfähiges Gleichgewicht entwickeln. Solche Gegenden sind zwar leider auch nicht gerade flächendeckend vorhanden, aber es gibt sie dort, wo Waldwirtschaft mit Sinn und Verstand statt mit Börsenprofit stattfindet. "Nutzwald" kann in Mitteleuropa ein durchaus natürlicher Zustand sein.
    Allerdings ist ein Forst bzw. eine Plantage kein Wald.

    Neulich ganz drastisch erlebt auf der Baar: In einem Nutzwald unterwegs, wo parzellenweise die Bäume (dort v.A. Tannen, Fichten und Kiefern) geerntet werden. In den bewirtschafteten Parzellen werden dann ein paar ganz alte sowie die Bäume stehen gelassen, die zu jung zum ernten sind. Anschließend bleibt der Bereich wieder über Jahre unangetastet, auf den Fällflächen wächst jeweils das natürlich nach, was natürlicherweise dort nachwächst. Es wird also nichts "aufgeforstet" - muss auch nicht, darum kümmert sich der Wald idealerweise selbst, denn das klappt auch am effizentesten. Pilzvielfalt (v.A. Artenvielfalt) in diesem Waldgebiet: Enorm!

    Wenige Kilometer weiter: Fichtenschonung. Bäume in Reih und Glied, alle Stämme in der gleichen Dicke, im gleichen Abstand, im gleichen Alter. Klar erkennbar: Aufgeforstet. Pilztechnisch war da nichts los (Artenvielfalt gering, nur einige banale Arten wie Imleria badia, Paxillus involutus, Cortinarius varius in Massen). Da bin ich gleich wieder raus, ein Stück weiter fand sich dann wieder ein richtig schöner Wirtschaftswald mit natürlichem, selbstständig entwickelndem Baumbestand und reichlich Pilzen diverser Arten.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Moin!


    Zuerst: Ich bin zwar Biologe, habe aber keine vertiefte Kenntnis der Ökologischen Zusammenhänge betreffend den Wald.


    Trotzdem lassen mich einige Äußerungen stutzen. Denn ich hatte zum Einen erlesen, dass noch vor wenigen tausend Jahren die Gattung Pseudotsuga auch noch in Europa heimisch war (Wiki). Das ließe mich vermuten, dass zumindest einige Arten trotz kurzzeitiger Unterbrechung durchaus noch mit Pseudotsuga zurecht kommen sollten, vor allem die, die ein breites Partnerspektrum akzeptieren.


    Weiterhin wurden diverse Pilzarten mit ihren Partnerbäumen aus Europa exportiert, so z.B. der B. edulis nach Afrika südlich der Sahara, wo sogar exportfähige Mengen Trockenpilze anfallen. Warum soll das nicht zumindest grundsätzlich auch anders herum gut gehen?
    Douglasien wachsen hierzulande immerhin so gut, dass sie nach wie vor als Pflanzbaum empfohlen werden. Das deutet darauf hin, dass zumindest für den Baum die Mykorrhiza passabel funktioniert.


    Vielleicht hängt das geringe Aufkommen von (auffälligen/essbaren) Fruchtkörpern doch eher mit einem Recognition Bias, oder einer verschobenen Situation der Konkurrenzsituation zwischen verschiedenen Pilzarten zu tun, und weniger damit, dass das System Mykorrhiza als solches weniger gut funktioniert. Vielleicht ist die Situation bei uns auch mit dem neuen Baum etwas anders, sodass Pilze seltener fruchten können, wollen oder müssen?


    Auch sehe ich spontan keinen Grund, anzunehmen, dass ein Generalist wie ein Schwefelporling zwar einheimische Arten Weide, Pappel, Eichen und weiter Robinien, Äpfel und andere Rosaceae befällt, aber keinen Appetit auf eingeschleppte verwandte Baumarten wie die Traubenkirsche haben soll. Vielleicht sind es doch eher ökologische Besonderheiten wie der übliche Standort solcher Einwanderer, die es verhindern, dass diese Bäume befallen werden. Vielleicht sucht auch niemand diese Pilze dort.


    Ich konnte leider nicht erkennen, auf welcher Grundlage (persönliche Eindrücke, wissenschaftliche Untersuchungen?) die hier getroffenen Aussagen beruhen und habe selbst keine Beurteilungsgrundlagen zur Hand außer meinem biologischem Grundverständnis.
    Wenn jemand Daten, Studien, Quellen dazu hat, um meine Gedanken zu challengen, nur her damit. Ich finde das Thema spannend.


    Wie auch immer: Eine pauschale Diagnose, dass zugewanderte Arten stören, gestört werden oder gar grundsätzlich schädlich sind, würde ich erst mal nicht stützen wollen. Klar stellen fremde Arten neue Faktoren dar, treten in Konkurrenz zu etablierten Arten, und können sich als invasiv und sehr schädlich erweisen. Mit diesem Schluss sollte man allerdings nicht voreilend sondern zurückhaltend sein.

    (Ich bin übrigens trotzdem kein Freund davon, fremde Arten einfach zu importieren und hier zu verbreiten und glaube, dass das oft auch nicht notwendig ist).


    Viele Grüße,

    Bernhard

  • Wie auch immer: Eine pauschale Diagnose, dass zugewanderte Arten stören, gestört werden oder gar grundsätzlich schädlich sind, würde ich erst mal nicht stützen wollen. Klar stellen fremde Arten neue Faktoren dar, treten in Konkurrenz zu etablierten Arten, und können sich als invasiv und sehr schädlich erweisen. Mit diesem Schluss sollte man allerdings nicht voreilend sondern zurückhaltend sein.

    (Ich bin übrigens trotzdem kein Freund davon, fremde Arten einfach zu importieren und hier zu verbreiten und glaube, dass das oft auch nicht notwendig ist).


    Viele Grüße,

    Bernhard

    Wahrscheinlich war jede Art irgendwann ein Neophyt. Problematisch sehe ich Ragweed - wegen dem Allergie-Potenzial. Springkraut stört in etwa so wie Kilometer lange Mais-Plantagen. Als Kind konnte ich noch Kräuterwiesen erkleben mit wildem Thymian usw., die Milch war dementsprechend hochwertig. Heute bin ich gegen Gräser allergisch. Warum - weil Hochleistungsgräser die Wiese von früher verdrängt hat, die im Grunde auch schon nicht natürlich war, aber voller Heilkräuter, wie Schafgarbe usw.


    Am Ende schaden wir mit den Monokulturen und der Gentechnik uns selbst am meisten. Ich halte den Prozess auch für unumkehrbar. Die öst. Moore, die ich so liebe sind im Prinzip eine Art Disney-Land für seltene Arten. Dort wird mit großem Gerät Baummaterial und Heidekraut rausgekarrt um das Hochmoor - also das Moor das sich nur aus Regenwasser speist zu erhalten.


    LGR

  • Nun, ich erlaube mir mal einen Debattenbeitrag zu deinem vorherigen Post gelöschter Nutzer 17


    Ich bin für Vielfalt. Uneingeschränkt.

    Allerdings steckt auch in deinem Beitrag wieder eine Pauschalisierung, die ich für unzulässig und auch gefährlich halte, weil sie den Blick auf die Fakten versperrt und verhindert, dass wir als Gesellschaft das positive Potential ausnutzt. Niemand von uns bewegt sich durch ursprüngliche Natur, und (fast) niemand möchte das dauerhaft.

    Bereits eingewanderte Arten werden wir i.d.R. erst mal nicht wieder los werden. Insofern sehe ich auch viele Bekämpfungskampagnen sehr kritisch. Die Frage ist, wie arrangieren wir, wie arrangiert sich das betroffene Ökosystem damit?

    Wenn wir in allen Bereichen des Lebens moderne, technische, wissenschaftlich basierte Methoden nutzen um für uns das Beste rauszuholen, dann ist das i.d.R legitim und im Allgemeinen auch gesellschaftlich durchaus erwünscht.

    So ist es m.E.n auch mit der Gentechnik bzw. sollte es sein. Das Potential ist gigantisch, und gerade in der Klimakrise höchst relevant. Nicht als Schnellschuss, nicht ohne übergreifende Konzepte, und gerade eben nicht primär als "Naturschutz", sondern um unsere Lebenswelt der Zukunft, auch unter stark veränderten Bedingungen, erträglicher zu gestalten und Versorgung zu sichern.

    Das geht langfristig sicher nicht mit Monokulturen und althergebrachten Kulturtechniken - jedoch ebensowenig wenn die Menschheit ihre technischen und biologisch-chemischen Möglichkeiten nicht ausnutzt, denn Lebensmittel müssen auch in Zukunft produziert werden - und zwar effizienter und verträglicher als bislang.

    Was hierzu fehlt ist indes 1. eine tatsächliche Risikoabwägung, 2. ein offener Diskurs, der voreilige pauschalisierende Dogmen ersetzt und 3. eine objektive politische Rahmensetzung.


    "Natürlich" ist nicht immer gut, und "nicht natürlich" ist nicht grundsätzlich schlecht. Es geht darum, ob am Ende ein hinreichend diverses, funktionierendes und resistentes, Ökosystem steht, das uns als Menschheit ernähren kann. Das kann im Einzelfall ein Nutzwald mit oder ohne eingeführte Arten sein, oder auch ein Feld, auf dem unter den richtigen Rahmenbedingungen genetisch veränderte Nutzpflanzen stehen.


    Auch deine Allergie hat vielleicht mit weitreichenden umfassenden Veränderungen, oder ganz spezifischen einzelnen zugewanderten Arten zu tun, ist sicher jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass das Gras heute ein ein anderes wäre mehr "leisten" würde als früher. Vielleicht hat sich durch mangelnde Diversität bei gleichzeitiger Begünstigung einer Art auf die du stark reagierst, einfach die Allergenexposition vervielfacht. Vielleicht ist deine Symptomatik multikausal oder nur coinzident.


    Die negativen Einflüsse unseres derzeitigen Lebensstils auf Mensch und Umwelt sind nicht zu bestreiten. Zu lösen sind diese Problem jedoch nicht mit pauschalen Statements, sondern durch das pragmatische und zielgerichtete Ausnutzen und Erweitern sämtlicher technischer und nicht-technischer Möglichkeiten die wir haben - immer unter der Prämisse der Sicherheit, besser Risikoabwägung (Kosten-Nutzen), und die ist nie absolut und ebensowenig jemals endgültig.


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hey zusammen,


    Eure letzten Beiträge haben ein breites Spektrum an Überlegungen zur Neophytenproblematig geliefert, die ich alle sehr wertvoll finde. Dazu will ich jetzt nichts mehr sagen. Ein Richtig oder Falsch gibt es auch in der Entwicklung der Natur und unserer Umwelt nicht. Es ist immer nur eine Frage von Intressen.

    Aber ich möchte noch etwas zu > Urwäldern < sagen. Der reine Begriff Urwald bezieht sich einfach auf einen Wald, der von Urbeginn unbeeinflusst besteht. Der "Urbeginn" liegt garnicht so lange zurück, etwa 10.000 Jahre in der Zeit, in der in Mitteleuropa Wälder anfingen sich zu entwickeln. Solche Wälder gibt es in Europa meines Wissens nirgens mehr. Die könnten sich erst wieder nach der nächsten Eiszeit entwickeln. Natürlich können wir den Begriff Urwald auch enger definieren. Wälder entstehen (Keimung), wachsen, leben und sterben unbeeinflusst mehr oder weniger als ganzes. So ein Zyklus dauert im Durchschnitt +- 300 Jahre. Aber auch solche Wälder gibt es in Deutschland nicht. Moore, in verbliebenen winzigen Fetzen, sind vielleicht noch ursprünglich, aber eben keine Wälder. Der einzige größere Wald der einige Jahrhunderte unberührt blieb liegt an der Polnisch- Weißrussischen Grenze. In den Karpaten, vor allem in Romänien sollen noch einige über hundertjährige Wälder existieren.

    Alles andere geht in Deutschland frühestens auf das 19. Jh zurück, als man überhaupt erst ein Gefühl für Wälder entwickelt hat. Damals war man nähmlich drauf und drann die deutschen Wälder zu verköhlern. Um den steigenden Energiebedarf der voranschreitenden Industrialisierung zu decken, fing man an Kohle aus der Erde zu buddeln, um die Wälder zu retten. In dieser Zeit entstand das romantische Bild vom deutschen Wald. In diesem Umfeld hat sich die deutsche Romantik entwickelt. Aber selbst so alte Wälder haben wir in Deutschland nicht mehr. Wirtschaftliche Intressen zerstörten die romantischen Ideen. Erst nach den Weltkriegen bildete sich der Naturschutzgedanke neu und einige Forstverantwortliche begannen winzige Waldkrümel sich selbst zu überlassen. Daraus könnten sich in 100 bis 200 Jahren urwaldähnliche Ökologieen entwickeln. Vorausgesetzt, der Zeitgeist bleibt in den kommenden Jahrhunderten stabieler, als er es in den vergangenen war. - na ja...


    LG, Diether

  • Schöner Beitrag, Diether.


    Ich weiß nicht genau, was ich mit dem Statement von Bernhard angfangen soll. Das ist so eine fundamentalistische Diskussion, die ich so nicht starten wollte. Ich bin in einer kleinen Dreifelder-Wirtschaft aufgewachsen, wir hatten genug zu essen, gesunde Lebensmittel und die Macht der Saatgutkonzerne war überschaubar. Klar, das war alles mühsam. Heute wird das Feld, das mein Vater in tagelanger Arbeit bearbeitet hat in 2 Stunden bestellt. Und das Zeug von diesem Feld würde mich krank machen, also lasse ich es brach liegen noch.

    Aber ich will das auch gar nicht diskutieren - ich habe hier so eingespielte Standpunkte, da ich bin ich ein Fundi.


    LGR.

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