Pilzbestimmung in Schildkrötengehege

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 1.854 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. Januar 2023 um 11:06) ist von Sepp.

  • Hallo liebe Pilzexperten-Gemeinde,

    ich bin in meinem Baby-Schildkrötengehege im Wintergarten schon im Herbst mehrmals und auch heute wieder auf den auf den Fotos abgebildeten Pilz gestoßen, vor allem 2-3 Tage nach dem Gießen (hab sie dann gleich immer ausgerissen).

    Die Merkmale, die ich als Laie zusätzlich zu den Fotos sonst noch geben kann: Stiel relativ fest, Geruch relativ pilzig, wie wenn man an einem Becher Champignons aus dem Supermarkt riecht.

    Habe Sorge, dass es ein giftiger Knollenblätterpilz ist, der auch meinen Schildkröte gefährlich werden könnte - müsste ich, wenn ich auch die Rückstände des Pilzes in der Erde entfernen will, das ganze Substrat auswechseln inkl. der Pflanzen, die darin wachsen?

    Sollten noch bestimmte Fotos oder zusätzliche Infos meinerseits erforderlich sein, liefere ich diese, soweit möglich, natürlich gerne nach!

    Vielen Dank schon einmal im Voraus und beste Grüße

    Lukas

  • Hallo Lukas,

    ein Knollenblätterpilz ist sicher nicht. Der Pilz ist viel zu jung, um markante Merkmale zu sehen. Rein äußerlich ähnelt er einem Schirmpilz.

    Viele Grüße

    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock


    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Servus Lukas,


    Schnittbild wäre noch gut und wenn einer aufschirmt nochmals fotografieren. Dann kann man evtl genaueres sagen.

    Um den Pilz loszuwerden, müsstest du in der Tat das ganze Substrat wechseln. Die Frage ist ja warum. Deiner Schildkröte macht der Pilz nix.

    Cheers ✌🏼

  • Hallo Lukas,

    ich kenne mich mit Schildkröten überhaupt nicht aus. Besteht die Gefahr, dass deine Schildkröten von dem Pilz fressen?

    Beste Grüße

    Sabine

  • Schildkröten essen Pilze. Es kommt dabei auch auf die Schildkrötenart an, ob ihnen das bekommt. Bei einigen gehört das dazu.

    Ich würde also vorsichthalber auch den Pilz bestimmen.

  • Ich danke herzlich für die schnellen Antworten, dann werde ich morgen gleich noch ein Schnittbild nachliefern und bei Gelegenheit den nächsten Pilz länger stehen lassen und dann noch einmal fotografieren. Sehen die anderen die erste Beurteilung von Fr. Weisheit (die ja offensichtlich sehr erfahren ist) genauso, dass es also zumindest kein Knollenblätterpilz ist?

    Bzgl. Schildkröten und Pilze: ist grundsätzlich kein Problem, da es z.B. auch in Bulgarien wilde Populationen meiner Art gibt, die in/nahe Wäldern mit Pilzen leben und Schildkröten da grundsätzlich schon ein Sensorium haben (auch im Schildkrötenforum wurde da grundsätzlich Entwarnung gegeben, da es in naturnah gestalteten Gehegen zwangsweise vorkommt, dass Pilze wachsen) - nur als ich heute ein bisschen laienhaft im Internet recherchiert habe und plötzlich zumindest optisch auch der hochgiftige Knollenblätterpilz in der Verlosung war, wollte ich das Ganze doch aufgeklärt wissen, weil das muss dann doch nicht sein.

  • Hallo nochmal,

    Sehen die anderen die erste Beurteilung von Fr. Weisheit (die ja offensichtlich sehr erfahren ist) genauso, dass es also zumindest kein Knollenblätterpilz ist?

    Zumindest ich teile weisheit s Einschätzung, dass es kein Knollenblätterpilz ist. Aber das ist nicht unbedingt eine Entwarnung, denn ich teile ebenfalls ihren Eindruck, dass es ein junger Schirmling sein könnte.

    Und unter den Schirmlingen gibt es Arten, die dasselbe Gift enthalten wie der (zumindest für Menschen tödlich giftige) Knollenblätterpilz.

    Ob es auch einen gibt, der (zumindest jung) einen so glatten Hut hat wie dein Exemplar - da bin ich überfragt. Aber zumindest kommen manche dieser Arten gerne auch mal in Blumenkübeln, Gewächshäusern und an ähnlichen Standorten vor. Wenn du also einen aufschirmen lässt und die Schildkröten ihn möglicherweise fressen könnten, würde ich vielleicht einen kleinen Zaun drumrum bauen oder etwas ähnliches.

    Beste Grüße

    Sabine

  • Sehen die anderen die erste Beurteilung von Fr. Weisheit (die ja offensichtlich sehr erfahren ist) genauso, dass es also zumindest kein Knollenblätterpilz ist?

    Knollenblätterpilze sehen ganz anders aus. Der Vorschlag von Veronika ist sehr gut. Ein Schnittbild könnte das untermauern, auf Verfärbungen achten und ob der Hut unten lose an Stiel ist. Allerdings wird man bei solchen Babypilzen nur bis zur Gattung kommen können.

  • Und unter den Schirmlingen gibt es Arten, die dasselbe Gift enthalten wie der (zumindest für Menschen tödlich giftige) Knollenblätterpilz.

    Keine Panik. Die Blumentopfarten sehen anders aus. Möglich wären noch Egerlingsschirmlinge, damit kenne ich mich aber nicht wirklich aus. Aber die sind auch harmlos.

  • Keine Panik. Die Blumentopfarten sehen anders aus.

    Das ist gut zu wissen. Die Arten, die mir bekannt sind (die meisten eh nur aus der Literatur) haben tatsächlich irgendwie strukturierte Hüte (beflockt oder ähnliches), und auch der Stiel kommt mir für die sehr giftigen Exemplare sehr stämmig vor. Wenn du das ausschließen kannst, dass es ein amanitinhaltiges Exemplar ist, ist das fein.

    Beste Grüße

    Sabine

  • Die Arten, die mir bekannt sind (die meisten eh nur aus der Literatur) haben tatsächlich irgendwie strukturierte Hüte (beflockt oder ähnliches), und auch der Stiel kommt mir für die sehr giftigen Exemplare sehr stämmig vor.

    So geht mir das auch. Ich hatte einen im Blumentopf gesehen und dann mich wirklich ausgiebig belesen. Was ich nicht beantworten kann, ob Schildkröten rohe Pilze vertragen. Entfernen der Fruchtkörper würde für mich sinnvoll sein.

  • Hallo,

    die Einschätzung von Veronika Weisheit in Richtung Schirmling teile ich und ich würde den Pilz sogar noch etwas weiter eingrenzen wollen. Denn für mich sieht der genau so aus wie ein junger (rosablättriger) Egerlingsschirmling. Der von oben bis unten glatte, weiße Fruchtkörper, sowie die etwas abgeflachte bzw. leicht abgestumpfte Hutmitte und insbesondere auch die typisch angeschwollene Stielbasis sind auch schon bei diesem Jungexemplar als charakteristische Merkmale erkennbar.

    Die Art erschien in den letzten Jahren auch wiederholt im Rasen/Gras vor meiner Wohnung, so auch wieder vergangenen Herbst mit zahlreichen Exemplaren. Da konnte ich 2 - 3 Wochen lang tagtäglich deren Entwicklung von ganz jung bis zum Vergammeln beobachten, bin mit der Art gut vertraut und deshalb war mein erster Gedanke beim Betrachten der Fotos auch sofort bei einem Egerlingsschirmling. Ein solcher wäre für die Schilkröte wahrscheinlich ungefährlich.

    Außerdem erhebt sich die Frage, ob Knollenblätterpilze für eine Schildkröte genau so schädlich wären wie für Menschen. Manche Tiere können Knollis ja unbeschadet fressen. Weiters denke ich, dass manche Tiere und vielleicht auch Schildkröten instinktiv nur jene natürlichen Organismen fressen, die ihnen nicht schaden.

    LG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

    4 Mal editiert, zuletzt von Sepp (26. Januar 2023 um 18:37)