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Merkt ihr den Klimawandel anhand euren Pilzfunden?

  • Hallo,


    der Klimawandel ist da und er ist deutlich spürbar. Das dritte extreme Trockenjahr in Folge steht bevor und ich mache mir Sorgen.


    Wie sieht das aus mit euren Pilzfunden, merkt Ihr da, dass sich was verändert hat?

    Fehlen Pilze, die früher schon da gewesen wären?

    Denkt ihr, in 10, 20 Jahren werden viele Pilze verschwunden sein?


    Liebe Grüße

    Marie

    Bin Laie, meine Bestimmungen sind immer nur als Vorschlag anzusehen, niemals als verbindlich!

  • Hallo, Marie!


    Das ist eine schwierige Frage. Auffällig sind durchaus die vermehrt auftretenden Dürrephasen (also vermehrt und verlängerte niederschlagsfreie Intervalle gegenüber kürzeren und selteneren Regenperioden) insbesondere in den Frühlings- und Sommermonaten.
    Nur: Mir fällt das etwa seit 2015 auf, und in so einem kurzen Zeitraum ist es keine Klimabeobachtung.

    Daß sich klimatisch etwas verändert ist, ja dennoch offensichtlich, belastbare Datenanalysen von seriösen Wissenschaftlern gibt es dazu mehr als genug - die decken sich auch mit persönlichen Beobachtungen. Aber es ist derzeit kaum möglich, wie sich einzelne Faktoren auswirken auf das Wetter auswirken - außer das man sagen kann, daß es mit höherer Wahrscheinlichkeit öfter überdurchschnittlich warm als unterdurchschnittlich kalt sein wird.
    Also kann man die seit einigen Jahren verstärkt auftretenden Dürreperioden (2017 übrigens auch ausgenommen, da war es überdurchschnittlich nass!) nur schwer mit dem Klimawandel verknüpfen - Theorien gibt's, aber was wirklcih passiert, wird in dem Zusammenhang ddie Zukunft entscheiden, und die ist meteorologisch nicht planbar.

    Was ich dennoch beobachte: Seit ca. 5 Jahren gibt es weniger Fruchtkörper von PIlzen in einer bestimmten Jahrenszeit. Und zwar in meiner Ecke Mai bis Juli.
    Das war aber grundsätzlich schon immer überall die pilzarme Jahreszeit - selbst in den Wintermonaten (Dezember, Januar & Februar, in meiner Gegend nur Januar & Februar, Dezember gehört hier noch zum Herbst).
    Jetzt kommt aber eine parallele Beobachtung dazu: In bestimmten Wäldern / Waldtypen gibt es immer weniger Fruchtkörper - der Effekt scheint sich durch vermehrte Dürrephasen zu verstärken. Das sind in erster Linie Baumplantagen (also keine echten Wäldern, sondern intustriell genutzte Forste), dann aber auch Wälder (& Plantagen) auf bsonders durchlässigen, sandigen Böden.
    Aber auch diese Wälder haben nach wie vor ihren Aspekt, nur kommt der nicht mehr in den trockenen Monaten, sondern geballt eben später im Jahr, wenn genug Regen fällt.


    Daß ich dabei hier in der Oberrheinebene auch viele Arten mit eher südlichem Verbreitungsschwerpunkt sehe, ist normal und war schon immer so (Submediterraner Klimaraum). Bisher kann ich diese Arten auch nicht wirklich vermehrt beobachten - denn auch die benötigen ihre speziellen Habitate.

    Ob einzelne Arten seltener werden, ist auch sehr schwer zu beobachten, denn man kann ja die eigentlichen Pilze gar nicht sehen, man nimmt sie nur dann wahr, wenn sie aktiv Fruchtkörper bilden (und das kann ein Pilz auch mal 10 Jahre oder so bleiben lassen, bevor er wieder welche bildet).

    Ich würde es also so zusammenfassen: Eine Veränderung im Artenspektrum, die sich auf die klimatischen Bedinungen zurückführen ließe, kann ich noch nicht wirklich beobachten.
    Das müsste viel länger angelegt sein. Dafür beobachte ich einen allgemeiinen Rückgang der Fruchtkörperzahl (ohne Berücksichtigung der Arten), verteilt über das ganze Jahr - und eventuell auch einen Rückgang in der Artenvielfalt - was aber auch schwer nachvollziehbar ist, eben wegen dem Fruchtkörper - Problem.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Lt. Herr Lesch hat jeder ab Geburt '93 noch nie einen "normalen" Sommer erlebt.
    Ich vermute, dass Herr Lesch seine Aussage auf fundierte Daten stützt. Der spürbare Klimawandel
    muss daher schon länger vor sich hin schreiten. Ab welchem Punkt er genau für einzelne Spezies
    gefährlich wird ist wohl (noch?) unbekannt.

    Vielleicht ist der Rückgang der Furchtkörper, der von Beorn erwähnt wurde, das erste Anzeichen hierfür.

  • Servus!


    Interessante These von Herrn Lesch. Was wäre denn nach seiner Definition ein "normaler Sommer"?
    Mittelwert aller gemessenen Temperaturen und Niederschlagsmengen an einem Ort über die Monate Juni, Juli und August = langjähriger Durchschnitt?
    Sowas ist in der Tat selten, denn der Durchschnitt ist ja das Ergebnis aller Werte, auch der Extreme. Wenn also das gemeint wäre, dann haben in der Tat nur sehr wenige Leute jemals "normale Sommer" erlebt. Unter anderem auch Johann Wolfgang Goethe, Julius Caesar und George Washington nicht. :wink:

    Anders ausgedrückt: Nimmt man den bisherigen verlauf des Monates Juni als einen Sommermonat, liegt der an vielen Messpunkten in Deutschland erstaunlich dicht am langjährigen Durchschnitt. Sowohl was die Temperaturen, als auch was die Niederschlagsmengen betrifft. Ist das nun also ein "normaler Juni"?
    Ob diese Betrachtungsweise unbedingt das ausdrückt, was den Klimawandel wirklich ausmacht und auch zu einem großen Problem macht, könnte man noch kritisch hinterfragen. Klima und Wetter sind eben schon etwas sehr Unterschiedliches, und der messbare und belegbare Klimawandel (steigende Temperaturen im Jahresschnitt über den gesamten Globus betrachtet) hat grundsätzlich erstmal nichts zu tun mit einzelnen Ereignissen, wie den trocken - heißen Jahren 2018 & 2019 in Mitteleuropa... In Südeuropa zB war's im gleichen Zeitraum nasser und kühler "als normal".

    Es lässt sich auch kein Muster in die Zukunft (kommende Jahre oder Jahrzehnte) prognostizieren, daß es in Mitteleuropa nun immer öfter so werden wird wie 2003, 2014, 2015, 2018 & 2019. Ungefähr berechnen lässt sich, wie weit sich die gesamte Atmopsphäre im o.g. Durchschnitt in den kommenden Jahren erwärmen wird - mit einem entsprechenden Unsicherheitsbereich nach oben wie nach unten. Was das für einzelne Wettererscheinungen in einzelnen regionen bedeutet, ist allerdings völlig unklar und nicht vorhersagbar.
    Klima ist als Summe aller meteorologischen Abläufe in einem vergleichsweise langen Zeitraum noch relativ berechenbar, Wetter ist immer chaotisch bzw. unberechenbar.

    Wir müssen abwarten, von Jahr zu Jahr, was passiert - und uns darauf einstellen. Idealerweise mit einer vorausschauenden Vorsicht, unseren Einfluss auf Wetter und Klima immer weiter zu verringern, um die ohnehin zu erwartenden Folgen (wobei klar ist: Es wird sich etwas verändern, wir wissen nur nicht genau was und wie) nicht zu extrem werden zu lassen.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Guten Abend an die Pilze_Kenner,

    es gibt hier in diesem Jahr schon einige Meldungen für viele Steinis usw.


    Ist das vielleicht ein Indiz, dass es dieses Jahr im Herbst wieder so ein Schwammerljahr werden könnte, wie es 2019 war?


    Übrigens, super Standard Sommer bisher, SonneSonne, Regen,SonneSonne, Regen, wenigstens in Nordbayern.


    Edit: Klimawandel

    wisst ihr eigentlich wie man schon vor 40 Jahren nach den exklusiven Schlagzeilen gesucht hat, wenn es sonst nichts zu berichten gab z.B. in der Politik usw.

    Das war der übelste Sommer 1980 den ich jemals erlebt habe.



    Danke

    Porli

  • >Ab welchem Punkt er genau für einzelne Spezies gefährlich wird ist wohl (noch?) unbekannt.<

    Hallo Nachid,

    ab den 60ern des vorigen Jahrhunderts hatte wir Dorfkinder immer seltener tragendes Eis auf unserem Freibad und folglich trafen sich Winters über darauf immer weniger Kinder. Jetzt ist das Wasser im Winter meist gar nicht mehr gefroren. Früher tummelten sich zwischen Dezember und März auf der Eisfläche täglich bis zu 80 Kinder, oft sogar bis in die Dunkelheit, denn große Teile der Eisfläche waren vom Licht der angrenzenden Turnhalle erhellt. Die meisten mit Absatzreißern, etliche hatten gar keine Schlittschuhe.

    Gruß - Franz

  • Wir haben hier hinter unserem Haus eine Kleingartensiedlung. Seit rund 60 Jahren befand sich dort auch eine Eisstockbahn. Nachdem in vielen der letzten Jahre das dort aufgetragene Wasser nicht mehr fror, bzw. nur an ein paar Tagen, wurde der Belag letztes Jahr abgenommen und jetzt in Gemeinschaftsarbeit Beete angelegt und bepflanzt. Für mich, der diese Eisstockbahn seit Jahrzehnten kennt, schon leicht erschreckend. Aber die Bahn war nun mal nur noch zwecklos da gestanden.

    Viele Grüße

    Thomas

    Auch von mir selbstverständlich keine Essensfreigabe. Sämtliche Darlegungen und Aussagen sind subjektiv und unverbindlich.

  • Hallo Fories,


    eindeutig Jein. Wenn es zur richtigen Zeit Niederschläge gibt wachsen Pilze, zZ werden in einigen Regionen Österreichs Steinpilze in Mengen gefunden. Fichten/und Kiefernsteinpilze (!) ,Sommersteinis sowieso.

    Ein Hotspot für Morchella esculenta s.l. ist das Bundesland Steiermark, besser gesagt war's mal einer. Seit zwei Jahren bleiben die Körbe der Sammler dort leer, der Trockenheit geschuldet.


    Eigentlich erwartet man sich Zuwanderer aus dem Süden, der Kaiserling zB. Verblüffend war für mich ein Erstfund aus 2017 in Oberösterreich, Polyporus tubaeformis, ein Zuwanderer aus dem Norden. Für Experten nicht, weil er bereits in D nachgewiesen wurde; den haben's quasi erwartet.


    Bei den neueren Beiträgen von Prof. Lesch zappe ich schon mal weg oder leg' eine Pinkelundso, dieser aber ist für uns Pilzler sehenswert,


    Drogen - Eine Weltgeschichte (1/2) - ZDFmediathek


    Übrigens bin ich der Meinung, dass Pilze weitaus besser auf den Klimawandel reagieren können als wir,


    LG

    Peter

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