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Nelkenschwindling (Hahnheide)

  • Moin!


    Ich bin ziemlicher Anfänger und dachte mir als Einstieg ist es wahrscheinlich am besten einfach mal mit der Identifikation beliebiger Pilze (was ich halt grad so finde) anzufangen. Daher ist auch Kritik an meinem Pilzprofil bzw. der Beschreibung herzlich willkommen (fehlerhafte Charakterisierung/Terminologie, Unvollständigkeit etc).


    Also ...


    Fundort: Wiese bei Hamburg


    Geruch: unauffällig pilzartig

    Geschmack: unaufdringlich, leicht nussig


    Hut:

    • Farbe: Hellbraun
    • Durchmesser: ~1.5-2cm
    • Form: halbkugelförmig
    • Saum: geriffelt mit vertikalen Streifen
    • hygrophan (?)
    • glitschig, wenn nass


    Lamellen:

    • zum Stiel: frei
    • Stand: nicht eng
    • Farbe: Dunkelweiß, beige (?)


    Stiel:

    • Länge: ~5cm
    • Bruch: längs
    • Farbe: Dunkelweiß, zur Basis hin brauner werdend


    Sporenfarbe: weiß


    Fotos:








    Mit folgender Suche bei 123 konnte ich keinen Kandidaten finden, der mir ähnlich erschien:




    Besten Dank schon mal im Voraus und Grüße


    Pilsfreund

  • Hallo und herzlich Willkommen, Pilsfreund,


    was für eine prima Dokumentation!


    Vergleich doch mal mit dem Nelkenschwindling.


    Ein recht aussagekräftiges Merkmal ist, dass er einen sehr flexiblen Stiel hat, in den man einen Knoten machen kann, ohne dass er bricht. Die sehr entfernt stehenden, recht dicken Lamellen sind auch typisch.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Moin Sabine,


    Danke Dir!


    Mit Knoten wird schwierig, wegen Stiel zu breit für die Länge. Aber ich kann rückmelden, dass es möglich sein dürfte, falls der Stiel länger wäre. Jedenfalls bricht der Stiel auch bei sehr starker Biegung nicht.


    Ich habe auch herausbekommen, weshalb ich ihn nicht bei meiner Suche drin hatte. In 123pilze ist er unter "Lamellen angewachsen" gelistet - bzw. "ausgebuchtet angeheftet". Für mich sehen die Lamellen aber ziemlich frei aus. Auch auf den Fotos von 123pilze. Was ist dazu die Einschätzung der Experten?


    Viele Grüße

  • Hallo,


    das sind wunderschöne Nelkenschwindlinge. Höre bitte auf mit irgendwelchen Apps Pilze bestimmen zu wollen. Die sind leider noch nicht so ausgereift wie sie sollten. Ein solides Pilzbuch und ein erfahrener PSV bringen dich bestimmt viel weiter.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

  • Hallo! Ganz wichtig ist auch nie Pilze probieren, die man noch nie gesehen oder eine Ahnung hat, in welche Gattung sie gehören. Ein Biss kann einem schon ins Krankenhaus führen .. Pilzgifte sind tückisch .. empfehlenswert ist es sich mit den giftigsten Arten auszukennen.


    Grüsse Martin

  • Nochmal hallo,


    ich stimme Jörg nur zum Teil zu, nämlich dass ein gutes Pilzbuch (oder zwei...) unerlässlich ist zum Einarbeiten in die Pilzbestimmung, und am allerbesten (was auch am meisten Spaß bringt) der direkte Kontakt mit Leuten, die sich besser auskennen, z.B. bei geführten Wanderungen, Pilzkursen oder zumindest mittels eines Besuchs bei einer/m Pilzsachverständigen.


    Und selbstverständlich sollte man niemals einen Pilz ausschließlich basierend auf einer Bestimmung mittels App essen (und auch nicht basierend auf einer Bestimmung aus dem Forum).


    Aber ich finde Pilzbestimmungsapps in der Art der 123-Pilzsuche-App super, selbst wenn sie öfters nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Und ich finde, in dem Rahmen hast du die App optimal genutzt: Hast alle Merkmale sorgfältig erfasst, eigegeben, und dann jetzt sogar nachvollzogen, wo es "geklemmt" hat. Was dir dann auch gleich gezeigt hat, was einer der hakeligen Punkte bei der Pilzbestimmung ist, nämlich der Lamellenansatz.


    Denn auch wenn ich in den zwei Werken, auf die ich jetzt auf die Schnelle Zugriff habe, für den Nelkenschwindling jeweils unter anderem "frei" gefunden habe (und mir das auf deinem Foto auch frei ausgesehen hätte, selbst im Schnittbild): Ich finde das oft auch nicht so einfach zu beurteilen, wie man sich das vorstellt, und dann passt es manchmal eben nicht zu dem, was man in der Literatur findet, und manches in der Literatur (oder in Apps) ist dann auch noch gelegentlich unvollständig oder fehlerhaft.


    Aber darüber hinaus ist auch noch fast jeder andere Punkt hakelig, wenn man sich auf einen Wert festlegen soll, z.B. ob eine Hutfarbe eher gelb oder eher orange ist (obwohl die 123pilze-App das bei vielen Werten berücksichtigt und dann beispielsweise den Pilz sowohl bei den gelbhütigen als auch bei den orangehütigen listet). Oder ein Pilz, der jung einen halbkugeligen und alt einen flachen Hut hat - da wird dann schon so ein simples Merkmal wie "Hutform" zum Problem, denn was soll man da auswählen?


    Was ich an der 123-App (und dem daraus entstandenen Buch) besonders schätze ist, dass es zu jeder Pilzart so viele Fotos gibt. Da sind dann oft auch Fotos dabei, wo der Pilz mal nicht so typisch aussieht, oder teilweise Schnittbilder, Mikrobilder, Lupen-Aufnahmen usw. - viel mehr, als man in einem typischen Buch unterbringen könnte.


    Deshalb nutze ich die App sehr gerne, aber hauptsächlich eher dann, wenn ich bzgl. der Gattung schon eine Idee habe.


    Mir die ganzen Gattungsmerkmale mittels der App selbst zu erarbeiten, das fände ich doch sehr mühsam.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo! Ganz wichtig ist auch nie Pilze probieren, die man noch nie gesehen oder eine Ahnung hat, in welche Gattung sie gehören. Ein Biss kann einem schon ins Krankenhaus führen .. Pilzgifte sind tückisch .. empfehlenswert ist es sich mit den giftigsten Arten auszukennen.


    Grüsse Martin

    Ein Biss kann einem schon ins Krankenhaus führen

    Hallo Martin,

    kennst Du persönlich einen Fall, wo dem Biss in einen Giftpilz(kein Runterschlucken) ins Krankenhaus führte? Ich kenne keinen, nicht mal incl. Kauen.

    Gruß - Franz

    Kein Sorge - ich habe natürlich nicht vom Pilz gegessen, sondern lediglich probiert und dann wieder ausgespuckt.

  • Hallo pilsfreund,

    ich wollte dich loben wegen der Idee, hier einen Sporenabwurf zu machen und weißliches Sporenpulver festzustellen. DAS war mMn wirklich zielführend, weit mehr als die Geschichte mit den je nach persönlicher Sichtweise angewachsenen oder freien Lamellen (wie hier geschrieben wurde, streiten sich anscheinend sogar die Buchautoren um das angeblich so eindeutige Merkmal) oder das mit dem verknotbaren Stiel, den einige andere Rasenpilzarten je nach Durchfeuchtungs- und Frischegrad auch haben können.

    Von den in Größe, Form und Färbung ähnlich aussehenden Rasenpilzen (Ackerlinge, Düngerlinge, Träuschlinge...) hat der Nelkenschwindling so ziemlich als einziger weißlich blasses Sporenpulver, alle anderen haben braunes bis schwarzgraues.

    Aber noch etwas zu deiner Idee, als Einsteiger/Anfänger dir irgendwelche X-beliebigen Pilze anzuschauen mit dem Ziel, diese zu bestimmen: das kann öfters im Bestimmungsfrust enden, als du vielleicht denkst. Denn "was du halt gerade so findest" kann genau das sein, was extrem schwer zu bestimmen ist und in keiner App und in keinem Buch gelistet ist. Buch- (App-) autoren treffen eine Vorauswahl, welche Arten sie listen, und da wäre es schon ein großer Zufall, wenn die von dir gefundene Art dabei ist.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Moin Stephan,

    ich wollte dich loben wegen der Idee, hier einen Sporenabwurf zu machen und weißliches Sporenpulver festzustellen.

    Danke Dir!

    Aber noch etwas zu deiner Idee, als Einsteiger/Anfänger dir irgendwelche X-beliebigen Pilze anzuschauen mit dem Ziel, diese zu bestimmen: das kann öfters im Bestimmungsfrust enden, als du vielleicht denkst. Denn "was du halt gerade so findest" kann genau das sein, was extrem schwer zu bestimmen ist und in keiner App und in keinem Buch gelistet ist. Buch- (App-) autoren treffen eine Vorauswahl, welche Arten sie listen, und da wäre es schon ein großer Zufall, wenn die von dir gefundene Art dabei ist.

    Die Gefahr sehe ich auch. Aber so leicht lasse ich mich dann auch wieder nicht entmutigen. Irgendwo muss man halt anfangen. Beim Abgleich meiner Beschreibung mit der von 123pilze und einem Pilzbuch konnte ich bereits zwei neue Ausdrücke ("gerieft" und "ockerfarben") in mein Repertoire aufnehmen. Und so lernt man dann langsam die Grundlagen. Auch das Thema, ob die Lamellen angewachsen sind oder nicht fand ich nützlich, weil ich jetzt weiß, dass es hierbei keine eindeutige Abgrenzung gibt und ich daher im Zweifelsfall beide bzw. mehrere Optionen in Betracht ziehen muss.


    Des weiteren bin ich ja nicht zufällig hier beim Forum gelandet. Mit eurer Unterstützung wird sicher kein Frust aufkommen :thumbup:


    Viele Grüße

  • Hallo Pilsfreund

    Ich begrüße dich auch hier im Forum, und dein erster Betrag lässt sich doch schon sehr gut sehen.

    Was ich jedoch immer wieder sehr hilfreich finde, ist die Umgebung zu fotografiere und auch die Fruchtkörper unter Naturlicht abzubilden.

    -> ausserdem gibt es sehr gute Einsteigerliteratur, welches sich fast wie ein spannenden Krimi liest 😉

    Mir hat auch die Bestimmungsabend in einem Pilzverein sehr geholfen, viele erfahrene Pilzler die Ihre Erfahrungen gerne weitergeben..... Nicht alle aber man weiss dann schnell wer einem hilft 😉


    Nichtzuletzt raus in den Wald und immer ein Pilzchen mitnehmen und versuchen vom gelernten im PV mal die Gattung zu evaluieren.


    Auf jeden Fall nicht entmutigen, der Wissensrückstand wird insofern man interessiert und motiviert ist von Tag zu Tag kleiner.

    ..... Aber ein Ende gibt es in der Fungi Welt nicht. 😉


    BG Andy

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  • pilsfreund

    Hat den Titel des Themas von „Welcher Pilz könnte das sein? (Lamellen, Wiese, hellbraun, weiße Sporen, ...)“ zu „Nelkenschwindling (Hahnheide)“ geändert.