Hallo, Besucher der Thread wurde 501 mal aufgerufen und enthält 8 Antworten
  • Hallo zusammen,

    dieser Fund ist schon ein paar Wochen her, gefunden an einem Angelweiher bei Schwarzerlen feuchter Boden. Im Frühjahr hat man dort verschiedene Bäume gerodet, ob eine Birke dabei war kann sein.

    Der Geschmack war schnell sehr scharf und der Geruch fruchtig. Ich hätte auf einen Birkenspeitäubling getippt, die Birke war aber nicht zu sehen und die Sporen auch zu klein.

    Ich hatte dann versucht ein paar mikroskopische Aufnahmen zu machen, vielleicht könnt ihr da weiterhelfen. Die Beurteilung der Sporen und das Messen fällt mir sehr schwer bei Russula, da bin ich auch ganz am Anfang.

    Danke für eure Hilfe und Tipps!


    Liebe Grüße Annerose







    Stiel bis zu 7 cm, zylindrisch bis keulig, Fleisch weisslich in der Basis leicht rosa



    Lamellen locker stehend mit Anastomosen


    Lamellen zum Stiel teils gegabelt und ausgebuchtet angewachsen


    Sporenpulver weiß



    Mikroskopie:


    Sporen:

    breit ellipsoid, teilnetzig, stachelige Warzen?





    HDS mit Pileozystiden






  • Hallo Annerose,


    schade, dass der Pilz nu so schwach abgesport hat. Versuche mal das Sporenpulver was du hast mit einer Klinge zu einem Häufchen zusammenzuschieben. Erst dann kann man hier sicher beurteilen ob die Farbe wirklich rein weiß oder blass cremefarben ist.

    Wenn ich von einem scharfen Weissporer ausgehe, würde ich in der Gruppe der Atropurpurinae suchen. Für Spei-Täublinge Emeticinae ist mir die Hutfarbe zu bunt, denn die können eignetlich nur rot, rosa oder weißlich ausblassen. Hier haben wir olivgelbliche und in der Mitte fast schwärzliche Farbtöne. Bei der genauen Art wird's dann schwierig. Die an Erlen gebundenen Atropurpurinae haben deutlich größere Sporen. Der Wechselfarbige Spei-Täubling Russula fragilis ist es auch sicher nicht, denn dafür passt die Sporenform (gestreckt) und die nicht starkt septierten Dermatozystiden überhaupt nicht. Mit deutlich scharfen Geschmack könnte es in feuchten Habitaten Russula atrorubens sein, aber ob dieser derart ausblassen kann weis ich nicht. Vielleicht hat Stephan da mehr Erfahrung. Abschließend betrachtet kann ich mich hier nicht auf eine Art festlegen.

    Die Sporen bei Russula misst man übrignes immer ohne Ornament.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Eine Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben! -> Pilzsachverständige finden

  • Hallo Thiemo,

    vielen Dank für deine ausführliche Einschätzung! Die Sporen habe ich nach gemessen. Falls ich jetzt zu wenig im Maß bin bitte nochmal sagen, Danke. Schade das die Täublinge nicht mehr ausgesport haben. Es sind wirklich relativ kleine Sporen. Die Huthaut hatte ich damals noch mit Guajak präpariert um die Reaktion zu sehen, das viel recht kräftig aus. Mit der Schärfe ist es auch immer so eine Sache, für den einen ist es sehr scharf für den anderen vielleicht nur schärflich im Geschmack.

    Liebe Grüße Annerose





  • Hallo Thiemo,

    die Sporen haben einen Hilarfleck wenn ich das richtig erkannt habe auf der unteren letzten Spore auf dem ersten Bild. Das würde zu den Sporen vom Rotschwarzen Täubling Russula atrorubens passen. Sie sollten auch stupfwarzig sein anbei noch 4 Aufnahmen von Sporen zum schauen, ob dies der Fall ist bin ich gespannt, fehlt mir das Wissen und Erfahrung. Die Breite der Pilezystiden habe ich noch gemessen, hoffe das hilft.

    Liebe Grüße Annerose






    Sporen in umlaufender Ansicht





    Breite der Pileozystiden in der HDS

  • Hallo zusammen,

    das kann schon R. atrorubens sein, die habe ich so blass auch schon gesehen. Für R. betularum, das sehe ich so wie Thiemo, passt die Hutfarbe nicht, welche reiner rosa wäre.

    Brauner Waldvogel die Merkmale sind erhoben, sehr gut erhoben, jetzt geht es an die Literatur!

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo,


    Guajak-Tinktur trägt man auf der Stielrinde im oberen Drittel auf und zählt bis acht und notiert sich die Stärke der Farbveränderung nach blau/türkis. Dann das Ganze noch mal auf den Lamellen.

    Einen etwas amyloiden Hilarfleck haben alle Atropurpurinae. Richtig erkannt aber hilft hier nicht weiter. Du kannst noch ein paar Dermatozystiden der Huthaut in Kongo anschauen und beobachten wie stark diese septiert sind. Viele Septen sprechen für Russula atrorubens, 0-1 Septe eher für den milderen R. atropurpurea.

    LG Thiemo

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

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  • Hallo Stephan und Thiemo,

    vielen Dank für eure Hilfe und Tipps, ich schaue mir in Ruhe jetzt alles nochmal an und vergleiche mit der Literatur. Ich habe noch ein paar Aufnahmen von den Pileozystiden der HDS. Morgen haben wir auch noch eine Treffen und Exkursion mit unserem Pilzverein. Da kann ich nochmal gemeinsam mit den erfahrenen Pilzsachverständiger schauen und sprechen. Leider haben wir im Moment niemanden von den aktiven Mitgliedern der sich speziell tiefer mit Täublingen beschäftigt, weil das auch sehr zeitaufwendig ist.

    Liebe Grüße Annerose

  • Hallo,


    Guajak-Tinktur trägt man auf der Stielrinde im oberen Drittel auf und zählt bis acht und notiert sich die Stärke der Farbveränderung nach blau/türkis. Dann das Ganze noch mal auf den Lamellen.

    ...

    Moin,


    gibt es eine Zusammenstellung/Übersicht von "Das macht man so"-Regeln zur Erhebung der Charakteristika von Täublingen? Sporenpulver zusammenschieben, Chemikalien an bestimmten Stellen auftragen, 8 sec. warten etc. Diese Details werden mir hier nach dem Streuprinzip aus verschiedenen Büchern bzw. hier bekannt. Eine Übersicht würde da sehr helfen, vergleichbare Beschreibungen zu erhalten. Im Moment frage ich mich besonders, was genau man kauen muss, wie viel und wie lange, und was als "scharf" anzusehen ist und was nicht.


    Viele Grüße und Danke,

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,

    solche Weisheiten erhältst du aus der Täublings-Standardliteratur (Romagnesi/frz., Sarnari/ital.-engl., Einhellinger/dt., Marxmüller/dt.) oder aber, da an die Literatur nicht leicht heranzukommen ist, auf diesen speziellen Täublings-Seminaren, die von den Pilzschulen angeboten werden. Sehr ergiebig sind auch Tagungen, an denen der Täublingsforscher W. Jurkeit teilnimmt. Meine Weisheiten habe ich in ca. 15 Jahren eklektisch, d. h. steinbruchmäßig zusammengetragen.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

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