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letzter Beitrag von ThomasL am

Baumpilze wie Elefantenfüße! Echter oder falsche Zunderschwamm oder ganz was anderes?

  • Liebe Mitglieder,


    anbei ein paar Bilder von einem toten Baum aus der Vulkaneifel - ich denke Buche - mit Pilzen. Leider kann ich sie nicht sicher bestimmen :((

    Ich zähle auf Euch! Danke im Voraus!


    LG

    Bibiane









  • Hallo Bibiane,


    ich würde meinen auf deinen Bildern Zunderschwämme zu sehen.

    Der "Falsche Zunderschwamm" gehört zu den Feuerschwämmen. Diese werden außergewöhnlich holzig-hart und haben keine sich bei Berührung verfärbenden Poren.
    Ähnlich können Lackporlinge wirken, wo sich die Poren auch "bemalen" lassen. Da ist der Hut aber mehr bräunlich und je nach Art auch glänzend, im Gegensatz zu dem typischen matt grau-graubraun gezonten Hut des Zunderschwammes. Auch von der Wuchsform her unterscheiden sie sich etwas.

    Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal des Zunderschwammes ist sein filzig weicher Myzelialkern. In einem Beitrag der DGfM ist er gut zu sehen:
    Pilz des Jahres 1995: Zunderschwamm

    Und den hat keiner seiner Verwechslungspartner. Also im Zweifel einfach mal einen abschneiden und begutachten. :)

    LG Steigerwaldpilzchen

    Bestimmungsvorschläge anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

  • Hallo Bibiane,


    ich würde mich da Steigerwaldpilzchen anschließen. Solche abgebrochenen Buchen mit starkem Zunderschwammbefall sind auch ziemlich häufig zu finden. Wann immer ich einen davon angeschnitten und/oder gesammelt habe, bestätigte sich das es Zunderschwämme sind (Schnittbild).


    Viele Grüße

    Thomas

    PS: Das anschneiden geht sogar oftmals ohne den Fruchtkörper abzumachen. Einfach ein Stück heraustrennen - mit einem scharfen und stabilen Messer.

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind keine Freigabe zum Verzehr.

  • Hallo Bibiane,


    die Bäume kommen mir so extrem bekannt vor. Wurden die Bilder in der Nähe von Frauenau gemacht?


    Antonius behüt und herzliche Grüße

    Frank

  • Hallo Frank,


    nein - tatsächlich wie geschrieben in der Vulkaneifel... Aber gibt es sicher auch in Bayern :)

    Sie sind mir vor ein paar Tagen bei einer Wanderung aufgefallen und ich fand sie fazinierend... Eine ganz eigene Schönheit!


    LG

    Bibiane

  • Ich hätte schwören können, aber Bäume unterscheiden sich eben nicht wirklich. :-)


    Antonius behüt und herzliche Grüße

    Frank

  • Hallo Bibiane,


    Steigerwaldpilzchen und Thomas haben deinen Fund bereits zweifelsfrei korrekt bestimmt und auch wichtige Zusatzinfos zu Abgrenzung gegenüber evtl. Doppelgängern angegeben:

    ---> "Fomes fomentarius" (Echter Zunderschwamm)


    Deshalb kann ich hier nur noch wenige Zusatzinfos beisteuern:


    (1) Das Schadbild mit dem abgebrochenem Stamm (der wohl daneben liegt!) ist sehr typisch für ein Schadbild von "Fomes fomentarius.

    - Und auch das Substrat "Buche" passt.

    - Diese Art ist nur ein nicht aggressiver "Schwächeparasit", der in der BRD bevorzugt ältere, bereits stark "kränkelnde", oft "schleimflussgeschädigte" Buchen "stammbürdig" (= Infektion über Rindenverletzungen) infiziert.


    (2) Neben dem Hauptsubstrat "Buche" werden in der BRD nur wenige weitere Baumarten (z.B. Birke, Pappel) infiziert.


    (3) F. fomentarius erzeugt eine +- kräftige "Weiß-Fäule", die alle Bestandteile (auch "Lignin", im "Kernholz" für die Stabilität des Baumes verantwortlich) des Holzes zersetzt.

    -----------------------------------------------------

    - Und jetzt eine etwas überraschende Erklärung zur Ursache, wie es zu diesem "Stammbruch" kommt:


    (a) Mag sein, dass zufällig im Winter der "Stammbruch" durch "Schneelast" verursacht wird.

    ---> Kritischer ist natürlich eine Schneelast im bereits belaubten Frühjahr!


    (b) Mag auch sein, dass ein Sturm den Stammbruch verursacht.


    (c) Doch erstaunlich (aber nachvollziehbar) erfolgt dieser "Stammbruch" meist im Sommer, wenn der Baum belaubt ist. Folgende Fakten sollte man hier berücksichtigen:


    (1.1) Durch das abgebaute "Lignin" wird die "Biegefestigkeit" des Stammes extrem vermindert.


    (1.2) Der Baum ist belaubt und bietet im Sommer jeder Belastung von "oben" eine größere Fläche an als im Winter (Stichwort "Schneelast") an.


    (1.3) Kein Baum ist rundum völlig symmetrisch gewachsen. Das führt dazu, dass der Schwerpunkt nicht exakt in der Mitte des Stammes liegt. Und ein gleichmäßiger Druck von oben erzeugt daher eine Hebelwirkung, die die verminderte Biegefestigkeit übersteigt.


    ----> Und genau diese Fakten führen dazu, dass (Stichwort "Hebelwirkung) die Stämme meist im Sommer bei Starkregen brechen.

    -----------------------------------------------------------


    Jetzt noch eine Anmerkung zu den evtl. Doppelgängern:


    (1) "Phellinus ignarius" (Falscher Zunderschwamm)

    ---> Eine "Sammelart" mit anderer "Trama"-(Hutfleisch)-Farbe.


    (2) - "Fomitopsis pinicola" (Rotrandiger Baumpilz):

    ---> Einen (getrockneten) Fruchtkörper dieser Art hatten wir mehrere Jahre auf unseren Pilzausstellungen als "Fomes fomentarius"

    bezeichnet.

    - Dann fiel mir zufällig eine recht schmale ""rote" Zuwachskante auf, die mich stutzig machte.

    ----> Und kaum zu fassen der "Streichholz!-Test bestätigte "Fomitopsis pinicola".


    (3) "Ganoderma applanatum, = G. lipsiense" (Flacher Lackporling)

    - M.E. nur verwechselbar, wenn man die schwächere "Braunfärbung" der verletzten Porenschicht bei F. fomentarius überbewertet.

    - Übrigens hat auch diese Art hat eine völlig andere Trama-Farbe.


    (4) Diverse "Phellinus sp." (Feuerschwamm-Arten).

    - Mit anderer Trama-Farbe.

    ------------------------------------------------------------------------


    - Ich hoffe , dass ich überzeugend erklärt habe, warum man (nicht nur bei Porlingen) auf eine Schnittbild-Beurteilung nicht verzichten sollte:


    - Zum Abschluss noch ein "zerstörungsfreies" Merkmal, das "Fomes fomentarius" von potentiellen Doppelgängern unterscheidet:

    ----> KOH (Kalilauge) färbt die Hutkruste (dunkel) blutrot.


    Grüße Gerd


    Nachtrag:


    Völlig überrascht haben mich die Fruchtkörper am liegendem Stamm:


    (1) Ich kann mir nicht vorstellen, dass die am noch stehenden Stamm (a) fehlten und (b) nicht geotrop (Porenschicht nach unten) ausgerichtet waren.


    (2) Es ist bekannt, dass (nicht nur) "Zunderschwämme" nach einer Lageveränderung des Substrats erneut geotrop ausrichten.

    ---> Fast alles darüber kannst du im "Gruselforum" z.B. hier viewtopic.php?f=34&t=3440&start=12 nachlesen.


    (3) Beim betrachten des liegenden Stamms kann ich nur "geotrop" ausgerichtete Fruchtkörper erkennen, die ihre Ausrichtung "scheinbar" nach Bruch des Stamms nicht verändert haben.

    ---> Das ist so für mich definitiv nicht möglich!

  • Hallo Graubart,


    erstmal vielen Dank für die ausführlichen, sehr interessanten Hinweise. Das Buchen vorwiegend belaubt abbrechen kann ich aus eigenen Beobachtung bestätigen, wobei meine Beobachtungen meist im Rahmen von Sturmereignissen im Frühjahr / Herbst stattfanden. Teils mit sehr massiven Schäden. Das mit dem Starkregen gibt mir aber doch zu denken, ich war diesen Winter öfters bei solchen Ereignissen in einem Buchenwald mit teils sehr altem Bestand unterwegs – sollte ich vielleicht in Zukunft lassen.

    Auch das Thema Schleimfluß finde ich sehr interessant. Hast Du dazu einen Link mit weitergehenden Informationen?


    Zur Besonderheit. Ich kenne auch liegende Buchen, bei denen ausschließlich solche Exemplare zu finden sind (teils sogar sehr große, alte). Ich könnte mir vorstellen, dass zur Wurzel ausgerichteten Exemplare nicht sehr zahlreich waren und schon abgefallen und verrotete sind. Zugegeben, reine Spekulation. Allerdings habe ich auch schon den ein oder anderen Zunderschwamm gesehen, der am vergehen war und irgendwann abfield (auf dem Bild sieht man auch einen, allerdings mit korrekter Ausrichtung bezogen auf den liegenden Stamm).

    Eine andere Möglichkeit wäre ein Bruch ohne das solche Fruchtkörper vorhanden waren. Eine entsprechende Buche habe ich im Herbst in Augenschein genommen. Alt, dick und in ca. 6m Höhe abgebrochen, ohne dass daran Zunderschwämme zu finden waren (war ein sehr starkes Sturmereignis mit massiven Schäden).

    Eventuell verstehe ich dich hier aber auch falsch.


    Viele Grüße

    Thomas

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind keine Freigabe zum Verzehr.

  • Hallo Graubart,


    erstmal vielen Dank für die ausführlichen, sehr interessanten Hinweise.

    Antwort Gerd:

    Gern geschehen, da mich zwischenzeitlich in der "Populärliteratur -Literatur " nicht erwähnte Infos mehr interessieren als eine Erweiterung meiner Artenkenntnis..


    Hallo Thomas,


    herzlichen Dank für deinen Beitrag, der mir neue Erkenntnisse bezüglich "Echtem Zunderschwamm" gebracht hat.


    - Der Einfachheit halber kommentiere ich meine Kommentare in blauer Schrift direkt in deine Beitrag


    Grüße Gerd

  • Hallo Gerd,

    vielen Dank für den interessanten Austausch. So macht das Forum richtig Spaß.

    Ich werde bei Gelegenheit (bin über das Wochenende unterwegs) mal schauen ob ich ein paar aussagekräftige Bilder von Buchen mit Sturmbruch habe.

    Viele Grüße

    Thomas

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind keine Freigabe zum Verzehr.

  • Hallo Thomas,


    ein Bild kann ich beisteuern:

    - Und auch ein besonders schönes Exemplar:


    Grüße Gerd

  • Liebe Mitglieder,


    was sagt Ihr dazu? Gleich 2 Richtungen der Schwämme auf einem Baumteil?? Und der liegt schon länger...Auf die Lösung des Rätsels bin ich gespannt...:):)


    Und warum hat mich keiner gewarnt ? ;( Ich wollte mit dem Messer ran, aber ich hätte wohl eine Säge gebraucht. Der Pilz ist hart wie Holz. So wurde das nichts mit dem Schnittbild...


    LG Bibiane






  • Hallo, Bibiane!

    Das ist wohl nun das, worauf auch Gerd hinaus wollte: Die einen fruchtkörper wurden gebildet, als der Stamm noch aufrecht stand. Nach dem Umkippen hat der Pilz dann neue Fruchtkörper gebildet, deren Fruchtschicht wieder nach unten zeigt. Die alten konnte der Pilz nicht mehr nutzen, weil sie eben durch das Umstürzen des Baumes falsch ausgerichtet waren.
    Manchmal baut der Pilz nach dem Umstürzen des Baumes aber die Fruchtkörper auch einfach um, also statt neue fruchtkörper (mit der richtigen Ausrichtung) zu bilden, erweitert er die vorhandenen Fruchtkörper so, daß die Ausrichtung der Fruchtschicht wieder passt (Röhrenöffnungen / Poren nach unten).
    Das Verhalten nennt man Geotropismus, und das Umbauen von vorhandenen Fruchtkörpern nach Lageveränderung des Substrates können natürlich nur mehrjährige Porlinge.
    Ein passendes Bild vom FomFom (Fomes fomentarius = Zunderschwamm) habe ich nicht, sieht dann aber so ähnlich aus wie hier beim FomPini (Fomitopsis pinicola = Rotrandiger Baumschwamm):



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Zitat

    Und warum hat mich keiner gewarnt ? ;( Ich wollte mit dem Messer ran, aber ich hätte wohl eine Säge gebraucht. Der Pilz ist hart wie Holz.

    Sorry, wollte noch darauf hinweisen. Man braucht dafür schon ein recht stabiles Messer (bei älteren Fruchtkörpern). Kleine Säge ist vermutlich noch besser.

    Bestimmungsvorschläge sind immer unter Vorbehalt. Auf keinen Fall sind keine Freigabe zum Verzehr.

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