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Quer durch den Reinhardswald

  • Von Jahr zu Jahr wächst meine Leidenschaft für das Identifizieren von Pilzen. Mittlerweile übe ich mich fast lieber in der Identifikation, als dass ich wirklich Pilze sammle. Bei so ziemlich jedem Pilz unternehme ich zumindest den Versuch einer Bestimmung und ich habe auch bereits viel gelernt. Der Aufenthalt im Wald wird hierdurch, von Mal zu Mal, noch interessanter. Bald werde ich mich mal eingehender mit der Unterscheidung einzelner Täublinge befassen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Vielmehr möchte ich einfach mal ein paar Funde Zeigen. Außerdem äußere ich meine Vermutungen, zu dem, was sie sein könnten. Wenn ihr Hinweise oder Kommentare habt, möchte ich sie gerne hören. Das ganze spielt sich hauptsächlich im Buchenwald ab, es gibt aber ausnahmen. Los geht's!


    Quasi direkt vor der Haustür stieß ich den Kollegen hier, den ich vorläufig als Grüngefelderten Täubling einordnen wollen würde


    In kurzer Entfernung begegnete ich diesem hier:



    Da stand ich erstmal auf dem Schlauch. Bzw. stehe ich immer noch. Nach weiterem Durchdenwaldlaufen vermute ich aber, dass der sich zu so einem hier entwickeln wird:



    Kann das sein?


    Wie wild tummeln sich hier auch diese Gesellen, die ich als Grünen Knollenblätterpilz verorten würde:




    Und ist dies hier wohl auch einer? Da bin ich unsicher, wegen der ...tja... wie ist der Fachausdruck für die Dinger, die auf dem Hut zu finden sind? Bei den Fachausdrucken hapert's bei mir generell ein bisschen (mehr). Ich vermute aber, dass das Reste von der Knolle sind, die eventuell abgehen. Oder, dass es vielleicht einer von den Amanitas ist. Aber in der Farbe? Gibt's das?



    Naja, wie dem auch sei...da geht man ein Stück weiter und findet diese hier, bei denen ich aber erstmal gar nix bestimmen konnte. Doch schön waren sie.



    Einen Stamm weiter, folgender Kollege. Ich vermute hier eine Art Dachpilz?



    Und wenn wir schon bei den Stämmen sind...hier ein richtig schöner, voll mit dem, was ich als Austernseitling einordnen würde:



    So, jetzt machen wir einen kurzen Abstecher in nadlige Gefilde und sehen, tja, was denn eigentlich? Einen Egerling vielleicht? Einen Anisgeruch hatte er nicht.



    Dieser hier wäre meinem Geruchsempfinden nach wohl ein Maggi-Pilz gewesen:



    Er stand nahe bei denen hier, für welche meine Einschätzung Lacktrichterlinge wären:



    Und sie hatten sogar einen farblich abgestimmten Nachbarn:



    Und der hier dürfte wohl ein Täubling sein?



    So, nun aber zurück in den Laubwald....Was haben wir denn da? Den hatte ich bisher noch nie gesehen:



    Genauso wenig, wie diese hier:



    ...und bevor wir jetzt nach Hause gehen, packen wir noch ein paar Hexeneier...



    ...und ein paar Espenrotkappen ein



    Allerdings begegnet uns auf dem Rückweg noch dieses Exemplar, weder mit Schwamm, noch mit Lamellen....auf Holz (vermutlich Espe). Keine Ahnung. Der Hut von oben war, was ich als orange bezeichnen würde. Zum Rand hin heller. Was das wohl sein mag..?



    ...so, ich hoffe euch hat unser kleiner Ausflug gefallen. Wir hätten auch noch mehr entdecken können, aber das gibt die Anhangs-Kapazität nicht her. =)

  • Tolle Dokumentation und Geschichte.....

    Vielen Dank für die Mühe.

    BG Andy

  • Hallo Steppa,


    was für ein schöner Ausflug!


    Da stand ich erstmal auf dem Schlauch. Bzw. stehe ich immer noch. Nach weiterem Durchdenwaldlaufen vermute ich aber, dass der sich zu so einem hier entwickeln wird:

    Gut beobachtet - ich halte beides für Kiefern-Braunporlinge.


    Oder, dass es vielleicht einer von den Amanitas ist. Aber in der Farbe? Gibt's das?

    Mit den Amanitas liegst du mE bei beiden richtig, ich halte sie allerdings für Zitronengelbe Knollenblätterpilze.

    Doch schön waren sie.

    Und so wunderbar eingefangen!

    Einen Egerling vielleicht? Einen Anisgeruch hatte er nicht.

    Bei Egerling wäre ich dabei.

    So, nun aber zurück in den Laubwald....Was haben wir denn da? Den hatte ich bisher noch nie gesehen:

    Für mich sieht der aus wie ein Spitzschuppiger Stachelschirmling.

    Dieser hier wäre meinem Geruchsempfinden nach wohl ein Maggi-Pilz gewesen:

    Echt? Rein vom Aussehen her hätte ich den für einen Brätling gehalten. Dann hätte er aber eher nach Fisch als nach Liebstöckel/Maggi riechen müssen.

    Genauso wenig, wie diese hier:

    Hast du mal dran gerochen? Für mich sehen die aus wie Schwefelritterlinge.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hey Sabine,


    danke für deine Kommentare.

    Zitronengelbe Knollenblätterpilze

    Das ist interessant. Dann werde ich die zukünftig genauer prüfen. Die gibt es hier in rauen mengen. In echt hatten sie für mich jedenfalls immer einen grünlichen Eindruck hinterlassen. Kann sein dass der Weißabgleich nicht gut geklappt hat und sie deswegen gelblich rüberkommen...ODER aber ich bin da zu nachlässig gewesen und habe dann nicht mehr genau genug geschaut, nachdem ich schon so viele grüne sah.

    Spitzschuppiger Stachelschirmling.

    Super. Dann habe ich den ab jetzt auch auf dem Schirm, für weitere Identifikationsversuche.


    Echt? Rein vom Aussehen her hätte ich den für einen Brätling gehalten.

    Definitiv kein Fischgeruch. Das ist sicher. Und weil es mein erster Pilz war, der nach Maggi/Liebstöckel roch, ist mir das recht lebhaft im Gedächtnis geblieben. Meine Frau hat den Geruch ebenfalls bestätigt. Daher würde ich sagen, ja, echt.


    Hast du mal dran gerochen? Für mich sehen die aus wie Schwefelritterlinge.

    Habe ich leider versäumt. Danke für den Hinweis. =)


    Ach jetzt wo du's sagst....mit den Schwefelritterlingen hatte ich mutmaßlich neulich, beim Bogenschießen, Kontakt. Ach du meine Güte...mein am wenigsten gut riechender Pilz bisher. Und nach dem Kontakt auch meine Hände.... <X

  • Hallo Steppa,


    ich finde Deinen Ausflug auch toll. Wenn ich solche Bilder sehe, dann bin ich imaginär dabei. Und fühle mich dort dann richtig wohl.


    Du wagst Dich Deine Vermutungen zu äußern. Und das ist ein guter Anfang. Ein sehr guter sogar. Denn dadurch kann man ja auch lernen. Dein zweiter Pilz sollte ein Kiefernbraunporling sein. Mein lieber Mann sagt dazu "Blumenstrauß".


    Wenn möglich faß die Schwefelritterlinge nicht direkt an.. Nimm ein Blatt oder sowas. Den üblen Geruch bekommst Du 2-3 Tage nicht von den Fingern ab.


    Und mit Lacktrichterling liegst Du auch richtig. Es ist der Amethyst Lacktrichterling.



    Liebe Grüße




    Murmel

  • Du wagst Dich Deine Vermutungen zu äußern. Und das ist ein guter Anfang. Ein sehr guter sogar. Denn dadurch kann man ja auch lernen


    Deswegen bin ich hier. Über die letzten Jahre hab ich zwar schon viel gelernt, aber immer für mich alleine. Kein PSV in der näheren Umgebung, zwecks Verifikation meiner Erkenntnisse. Kein Austausch, außer mit Freunden. Die sind aber tendenziell eher weniger involviert. Deswegen freue ich mich, hier meine Vermutungen auf die Probe stellen zu können. Ihr werdet mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft mit meinen Vermutungen konfrontiert werden.


    Danke auch für deine Tipps. =)

  • In echt hatten sie für mich jedenfalls immer einen grünlichen Eindruck hinterlassen. Kann sein dass der Weißabgleich nicht gut geklappt hat und sie deswegen gelblich rüberkommen...ODER aber ich bin da zu nachlässig gewesen und habe dann nicht mehr genau genug geschaut, nachdem ich schon so viele grüne sah.

    Hallo

    Bei uns haben die oft einen kleinen "Grünschimmer". Nur zitronengelb sind die eigentlich nicht. Der übliche und überall genutzte Name ist auch nur Gelber Knollenblätterpilz.

  • Hallo Steppa,

    vielen Dank für deine tollen Pilzaufnahmen und das du uns mitgenommen hast!

    Dein kleiner Freund auf dem Stamm weder Schwamm noch Lamellen ist ein Stielporling, die haben Poren. Der Stiel sieht mittig aus und der Hutrand bewimpert und der Stiel ist nicht schwarz zur Basis zu. Dann kann es ein Sklerotionporling sein. Das mit dem Urwald Sababurg habe ich mir notiert , vielleicht komme ich da auch mal hin.

    Liebe Grüße Annerose

  • Tolle Bilder, vielen Dank fürs zeigen.


    Deine grünen Knollenblätterpilze sind gelbe, gut zu erkennen an der gerandeten Knolle. Wenn Du wieder einmal welche findest, nimm ihn in die Hand und rieche mal an den Lamellen, der riecht modrig, nach Kartoffelkeller. Der grüne würde süßlich, nach Kunsthonig riechen.


    Herzliche Grüße aus Regen

    Frank

  • Hallo Steppa,

    ich muss auch sagen: tolle Tour und tolle Bilder!

    Der Maggie-Pilz kommt schon hin. Wenn er älter wird bildet er einen kl. Trichter. Vor allem aber ist es einer der ganz wenigen Milchlinge mit glasklarer Milch. Er wächs gewöhnlich sehr feucht, also bei Mooren. Ich habe ihn bis jetzt nur in Sphagnum gefunden.

    LG, Diether

  • Hiatamandl


    Danke für deine Hinweise. War das grade nochmal schnell verifizieren. Ihr habt - wer hätte es gedacht :p - Recht. Der Pilz riecht muffig, "kartoffelkellerig". Gerandete Knolle....das muss ich mir mal genauer anschauen.


    Hier außerdem das Ergebnis meines ersten Zeitungspapiertest-Versuchs mit dem vermeintlich gelben Knollenblätterpilz...einmal nach 2-3 Minuten:



    Und einmal nach so ca. 12 Minuten:



    thiodaheri


    Danke auch für deine Hinweise. Feucht war es dort in der Tat. Das Gelände war alle paar Meter von Gräben durchzogen.



    Brauner Waldvogel


    Danke für den Stielporlings-Hinweis. So, so "bewimpert".


    Findet man denn eigentlich zu den Fachbegriffen Ressourcen, die das ganze auch mal mit Bild und vielleicht sogar in einem Vergleich darstellen? Klar, es gibt die Glossare in Pilzbüchern. Aber wenn ich das zusätzlich noch optisch zuordnen könnte, das wäre schon toll.


    Und an alle, danke für das nette Feedback. Ist schön hier bei euch. =)

  • Findet man denn eigentlich zu den Fachbegriffen Ressourcen, die das ganze auch mal mit Bild und vielleicht sogar in einem Vergleich darstellen? Klar, es gibt die Glossare in Pilzbüchern.

    Hallo Steppa,

    ja, die gibt es. Ich finde, es ist eines der wichtigen Qualitätsmerkmale von Pilzbüchern. Vielleicht hast du noch nicht das für dich optimale.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Nein, das gibt es leider nicht. Du verfolgst bestimmte Ziele und Zwecke und suchst dir die hierfür optimalen Bücher aus. Jemand, der Pilze nur zum Essen sammelt, braucht andere Bücher als einer, der Pilze rein nach Aussehen und Wortbeschreibungen bestimmen will oder hierfür sogar Chemikalien oder ein Mikroskop nutzen will. Wer die Systematik der Pilzbestimmung erlernen will, braucht wiederum andere Bücher als einer, der am liebsten hin- und herblättern und die gefundenen Pilze mit Fotos vergleichen will. Es macht auch einen Unterschied, ob jemand lieber Fotos oder gemalte Bilder von den Pilzen haben will.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

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