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Geschmacksproben von giftigen Pilzen

  • Liebe Pilzfreunde,


    fast in jedem Pilzbuch wird der Geschmack angegeben, auch auf vielen Internetseiten. Auf dieser Seite und wahrscheinlich auch auf anderen, wird vor der Geschmacksprobe gewarnt.

    Irgendjemand hat doch mal auch Hochgiftige probiert, bzw. den Geschmack getestet und überlebt. Sprich, ich mache auch desöfteren eine Geschmacksprobe, dazu nehme ich ein Stückchen in den Mund und lege dieses auf die Zunge. Meistens erkenne ich dann auch bitter, scharf oder Sonstiges.

    Letztens warnte mich hier im Forum jemand davor, was soll bei meiner Geschmacksprobe schiefgehen, ich kaue die Probe nicht, sondern lasse diese auf der Zunge wirken, danach spucke ich das Teil wieder aus. Machen das PSV anders?


    LG Mahatma

    Viele Grüße

    Mahatma

  • Hi,


    ich bin zwar kein PSV, verstehe die Intention hinter Deinem Beitrag aber (noch) nicht.
    Geschmacksproben sind nur was für sehr Fortgeschrittene - oder wenn man zweifelsfrei die Gattung bestimmen kann und weiß, dass es da nix besonders Böses gibt und vor allem nur, wenn der Geschmack bestimmungsrelevant ist.
    Dies vorausgesetzt, kaue ich schon auch mal länger auf eine kleinen Stück rum (besonders bei den Täublingen) und lasse es nicht bloß bei einem „Zungenkontakt“.

    Lediglich beim Gallenröhrling reicht ein kurzes Anlecken der Röhren.
    Aber mal sehen, was die anderen noch so sagen.


    VG Boris

  • Die Intention ist die: Es werden Geschmack und andere Dinge sehr oft angegeben, also muss ja zwangsläufig jemand das probiert haben. Welchen Unterschied sollte es machen ob ein PSV einen Geschmackstest macht oder ich? Der PSV wird die Probe genauso wenig wie ich herunterschlucken, max. eben mal auf der Zunge haben oder etwas kauen.

    Viele Grüße

    Mahatma

  • Die Intention ist die: Es werden Geschmack und andere Dinge sehr oft angegeben, also muss ja zwangsläufig jemand das probiert haben. Welchen Unterschied sollte es machen ob ein PSV einen Geschmackstest macht oder ich? Der PSV wird die Probe genauso wenig wie ich herunterschlucken, max. eben mal auf der Zunge haben oder etwas kauen.

    Hallo, der Unterschied ist wir wissen, wann wir eine Geschmacksprobe machen müssen und wann nicht! Das was hier zelebriert wird ist Russisch Roulette!

  • Hallo Mahatma,

    manchmal entstammt die Kenntnis des Geschmacks auch Krankenhausprotokollen, d. h. es wurden Vergiftete gefragt, wie denn die Pilze, die sie gegessen haben, geschmeckt haben.

    Ich als PSV mache Geschmacksproben nie zum Spaß oder ins Blaue hinein ("ich wollte immer schon mal wissen, wie dieser Pilz so schmeckt..."), sondern immer rein zu Erkenntniszwecken. Die schlimmen Giftpilze kenne ich alle so gut in ihren anderen Merkmalen, dass ich da (gottlob) nie eine Geschmacksprobe machen muss. Wenn du selber partout Geschmacksproben machen willst, bitte... aber heul nachher leise.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Mahatma,


    meinem Verständnis nach entstammt der empfundene Widerspruch, dass für viele Pilzarten der Geschmack angegeben ist, aber gleichzeitig davor gewarnt wird, eine Geschmacksprobe zu nehmen, aus dem Aufeinandertreffen von zwei verschiedenen Absichten/Herangehensweisen.


    Zum einen gibt es natürlich das Bemühen, Pilzarten in ihren regelmäßig auftretenden Merkmalen möglichst vollständig zu erfassen. Der Geschmack ist eines dieser Merkmale, und auch bei den sehr giftigen Pilzen hat sich anscheinend immer mal irgendjemand gefunden, der das ausprobiert und festgehalten hat - seien es Menschen, die den Pilz als Speisepilz gegessen haben, Pilzkundler*innen, die die Probe genommen haben, bevor sie erfuhren, dass der Pilz giftig ist, oder auch solche, die es trotz des Wissens um die Giftigkeit gemacht haben. Und wenn die Information aus zuverlässiger Quelle vorliegt wird die - und das ist in meinen Augen gut so - auch nicht aus erzieherischen Gründen vorenthalten oder sowas.


    Zum anderen benötige ich zum Bestimmen eines Pilzes immer einen gewissen Satz an Informationen, die ich mit den in der Literatur vorhandenen Daten abgleichen kann.


    Manchmal reicht ein kurzer Blick von oben, meistens braucht es auch noch einen auf die Unterseite, einen Längsschnitt, den Geruch, oder sogar mikroskopische Merkmale. Und manchmal eben auch den Geschmack.


    Ich habe im Moment keinen einzigen der stark giftigen Pilze auf dem Schirm, bei dem der Geschmack bestimmungsrelevant wäre. Selbst bei Stockschwämmchen vs. Gifthäubling, die sich im Geschmack wohl unterscheiden würden, gibt es makroskopische Merkmale (Stiel unterhalb des Rings), welche die Unterscheidung ermöglichen.


    Ich denke, dass der Warnhinweis zur Geschmacksprobe den Blick dafür schärfen soll, dass man für eine Pilzbestimmung (insbesondere beim Sammeln von Speisepilzen) zwar alle Merkmale beachten sollte, und insbesondere bei Widersprüchen hellhörig werden sollte, aber nicht zwangsläufig alle Merkmale immer auszuwerten braucht.


    Die Abwägung, welche Merkmale ich erfassen muss, um Sicherheit zu gewinnen, findet ja immer statt. Bei jeder Pilzart steht auch die Farbe des Sporenpulvers dabei. Trotzdem wäre es absurd (aber immerhin ungefährlich), wenn man für alle Pilze, die man für Speisezwecke sammelt, die Sporenpulverfarbe ermitteln würde, und das macht ja auch niemand. Insbesondere weil bei dem häufigsten Fall, den ich bei der Beratung erlebe: Ist es eine Marone, ein Rotfußröhrling oder ein Steinpilz? - die Sporenpulverfarbe keine Aussagekraft hätte, weil die bei allen olivbraun ist.


    Bei der Unterscheidung von Champignons und Knollenblätterpilzen ist sie hingegen hochrelevant, aber zum Glück kann man diese (wenn man darauf achtet) ja auch bereits an der Lamellenfarbe und weiteren Merkmalen unterscheiden.


    Der Geschmack ist (vielleicht zusammen mit der Farbreaktion auf ein paar heikle Chemikalien) das einzige Merkmal, das nicht immer gefahrlos ermittelt werden kann. Ich persönlich denke zwar, dass eine einzige (!) Geschmacksprobe selbst bei einem Knollenblätterpilz bei kurzem Kauen und sorgfältigem und vollständigem Ausspucken zwar zu einer Aufnahme einer geringen Giftmenge, aber nicht zu einem Leberschaden führen wird (aber ich bin keine Medizinerin - vielleicht sehen die das anders). Aber meine Sorge wäre die folgende:


    Eine Person, die nicht verstanden hat, dass eine Geschmacksprobe bei Knollenblätterpilzen, Häublingen, Schirmlingen, Rauköpfen, usw. überflüssig und damit sinnlos ist, wird es vermutlich nicht bei dieser einen Geschmacksprobe belassen, sondern in alles Mögliche reinbeißen. Und dann sammeln sich die kleinen Giftmengen der Einzelproben natürlich schon an bei einem schönen Pilzausflug. Und das wäre sinnlos und gefährlich.


    Ich selbst habe auch schon beispielsweise bei Schleierlingen eine Geschmacksprobe vorgenommen, wenn der Bestimmungsschlüssel das erfordert hat - aber bei Rauköpfen ist das nicht der Fall. Mal abgesehen davon, dass man den Spitzgebuckelten Raukopf und den Orangefuchsigen Raukopf auch anhand anderer Merkmale erkennt (und vermutlich viele oder alle Rauköpfe ähnlich übel schmecken): Niemand würde einen Bestimmungsschlüssel nutzen wollen, der regelmäßig einfordert, eine Geschmacksprobe an Rauköpfen vorzunehmen.


    Soll heißen: Es ist kein Zeichen besonderer Sorgfalt oder Kenntnisreichtums, wenn man bei jedem zu bestimmenden Pilz den Geschmack ermittelt.


    Die besondere Sorgfalt zeigt sich dadurch, zuerst zu überlegen, ob eine Geschmacksprobe überhaupt einen Erkenntnisgewinn bringen würde.


    Und das ist insbesondere bei den tödlich giftigen Pilzen nicht der Fall.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine,


    so wie du das beschreibst, kann ich das gut nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass ich durch den Wald renne und in jeden Pilz reinbeiße ;-)

    Die Frage kam in mir auf, weil ich eben letztens einen Hallimasch hatte und wissen wollte, ob der bitter schmeckt. Das war quasi eine zusätzliche Möglichkeit, den Pilz näher zu beschreiben und auch meinen Geschmackssinn zu testen.


    Danke und Grüße

    Mahatma

    Viele Grüße

    Mahatma

  • Moin!


    Früher war man da deutlich leidenschaftsloser. Zum Beispiel haben frühe Chemiker im Zweifel einfach mal die Zunge hingehalten, um ihre neue Substanz zu charakterisieren. Heute natürlich undenkbar.
    Ich erkläre mir deswegen viele solcher Geschmacksangaben auch durch Überlieferungen aus einer anderen Zeit.


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hoi Mahatma.

    Eine Geschmacksprobe findet auch über den Duft der Pilze ab, also auch mit der Nase statt.


    Zudem besteht die Möglichkeit, kleine Pilzteile oder Lamellen, Röhren Teile zwischen den Fingern zu verreiben.

    Dadurch entsteht meistens genügend Duft zu Definieren.


    Ich Teste die erkennbaren giftigen Pilze nicht mit einer Probe auf der Zunge, sehe hierfür kaum eine Logik.

    Des Weiterem benötigt es auch bei einem sehr giftigen Pilz mehrere gegessene Gramm. Trotzdem.. Vorsicht, Vorsicht.

    Bin hier allen Pilzexperten und Chemiker äusserst dankbar, uns mit dem Wissen und Können zu informieren.


    Bei der Gattung Russula jedoch mache ich dies sehr oft. Habe deshalb auch immer eine kleine Flasche Wasser mit dabei um den gut Mund auszuspülen und alles ausspucken.


    BG Markus

    Mit besten Grüssen, Markus


    Mit meinen Beiträgen gebe ich lediglich meine persönliche Einschätzung/Meinung ab. Sie sind nur als Vorschläge zu werten und es gibt damit insbesondere keine Verzehrs Freigaben.

    Eine zuverlässige Bestimmung sowie die Freigabe zu Speisezwecken kann nur durch geprüfte Pilzsachverständige / Kontrollstelle freigegeben werden. Danke

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