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Ein Name - verschiedene Pilze

  • Hallo Forianer


    Ein aktueller Thread

    Keine Ahnung

    brachte mich auf die Idee, hier Pilznamen mit doppelter Bedeutung vorzustellen. Ich stelle mir deutsche, sowie auch regionale Pilznamen vor, die zwar gleich heißen, aber im Grunde zwei (oder mehr?) verschiedene Pilze beherbergen. Vielleicht weiß jemand so etwas auch mit Pilznamen außerhalb des deutschsprachigen Raumes? Ich hoffe, dass ich den/die einen oder anderen dafür interessieren kann und sie/er kann hier ebenfalls ein Beispiel dazu beitragen.


    Ich beginne mal mit den im verlinkten Thread vorkommenden "Pilzzwillingen"


    Hier ist vom Zigeuner die Rede. Im niederbayerischen Raum versteht man darunter den Flockenstieligen Hexenröhrling (Neoboletus erythropus). Außerhalb Niederbayerns wird jedoch in der Regel der Reifpilz (Cortinarius caperatus) mit ihm in Assoziation gebracht.


    Ein weiteres Beispiel ist der Sandröhrling (Suillus variegatus). Von meiner Kindheit weiß ich, dass wir auch "Sandröhlinge" sammelten. Jedoch sind diese als Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus) bekannt.


    Ich bin gespannt, ob ihr da noch weitere Beispiele bringen könnt. Mindestens eines weiß ich noch. Doch das bringe ich erst später.


    LG Matthias

  • Hallo Matthias,


    auch wenn mir kein Beispiel zu einer Art einfällt, finde ich die Gesammtbezeichung für Pilze je nach Region interessant.


    Was bei euch "Schwammerl" heist, wird in Mittelfranken "Pfiffer" genannt. Nur haben bekanntermaßen nicht aller Pilze Röhren bzw. Leisten. :D


    LG Thiemo

  • Als ich noch junger Teenie war sind wir umgezogen in ein kleines Dorf in der Gegend "Augsburg westliche Wälder" (tolle Pilzregion).

    Ich bin damals schon mit meinem Vater in die Pilze gegangen. Ein Dorfjunge hat mir bei den Streifzügen durch den Wald

    einen Pilz vorgestellt, mit dem Namen "Judenpilz", er kannte ihn nur mit diesem Namen.

    Das weiß ich noch wie heute, der Pilz hatte eine gerissene Huthaut, es war der Rotfußröhrling.

    Ich weiß jetzt nicht ob das eine Verwechslung war mit dem Flocki, wie er auch in 123pilze so genannt wird,

    jedenfalls habe ich diese Bezeichnung bis heute nicht mehr gehört.


    Grüße

    Porli

  • MoinMoin!


    Der Klassiker in dem Sinn wäre wohl die "Braunkappe".
    Damit kann je nach Tagesform / Gegend / Kenntnisstand / Spaßlevel so ziemlich jeder Pilz mit irgendwie bräunlichem Hut gemeint sein.

    Ein bisschen ähnlich - wenn auch wohl nur für Röhrlinge gebräuchlich - wären die italienischen "Porcini". Das kann auch so ziemlich jeden braunhütigen Röhrling meinen, der einigermaßen gut schmeckt.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Guten Abend


    "Porcini" brachte ich bisher immer nur mit YouTube-Videos in Verbindung, bei denen auf völlig respektlose Weise Steinpilze zusammengerafft wurden. Dass damit auch noch andere braunhütige Röhrlinge gemeint werden können, wusste ich nicht.


    Ich weiß von verschiedenen Leuten, dass in meiner Gegend auch gerne "Mairocherl/Mairogerl" gesucht werden. Dass hierbei zwei verschiedene Pilze gemeint werden, das begriff ich erst kürzlich. Zum einen wird hier die Speisemorchel (Morchella esculenta) so bezeichnet. Andererseits kam es mir immer komisch vor, dass ein Bekannter aus dem Nachbardorf seine Mairocherl in einem Wald findet, in dem ich mir nie und nimmer Morcheln vorstellen kann. Als er wiederholt von Kiefern und sandigem Boden sprach, dämmerte es mir langsam. Er sammelt hier schon seit seiner Kindheit die Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta). Meinem Hinweis, diese wären tödlich giftig, wollte er erst gar keinen Glauben schenken, glaubte, ich wolle ihn veräppeln. Erst, nachdem ich es ihm schwarz auf weiß vor Augen hielt, schien er mir zu glauben.


    Seinen vagen Schilderungen zufolge findet er seine Pilze in einem Waldstück, in dem ich ebenfalls mal gerne durchstreife. Eine Frühjahrslochel indes ist mir bisher noch nicht untergekommen.


    LG Matthias

  • Andis fund post von Eben erinnert mich daran, dass in D der Breitblättrige Täubling als Erdschieber, und in der CH der wollige milchling als Erdschieber bezeichnet wird. Oder war es umgekehrt...? Egal...

    Passt auch für beides...

    Lg jens

  • Ich beziehe mich mal auf die Antwort von Jörg, weil ich ursprünglich auch aus dem Erzgebirge komme. Ergänzung zum Perlpilz- mein Vater hat auch Waldchamp. dazu gesagt. Aber auch das ist innerhalb des Erzgebirges auch wieder anders. In Thalheim kenne ich jemanden, der sagte zum Perlpilz MORCHEL!

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • In meinem Bekanntenkreis in BRB wurden Rotfüsse immer zu "Semmelpilze" oder "Sandpilze".

    Dann hat sich noch eine üble Namensgebung für den Pantherpilz etabliert. Bei Medizinern hatte dieser irgendwann die makabere Bezeichnung "Sachsentod" bekommen. Dort war offenbar der Perlpilz beliebt, der gefährliche Doppelgänger jedoch oft unbekannt!

    Da fällt mir immer diese typische Aussage ein: "Ich brauche kein Pilzbuch, ich sammel nur das was ich kenne!"

    Oje !!

  • Hallo,

    Bei Medizinern hatte dieser irgendwann die makabere Bezeichnung "Sachsentod" bekommen. Dort war offenbar der Perlpilz beliebt, der gefährliche Doppelgänger jedoch oft unbekannt!

    das ist nur teilweise richtig. Da bei mir in Sachsen der für mich ungenießbare Graue Wulstling (Amanita excelsa) häufig gegessen wird, bezog sich der Ausdruck "Sachsentod" meiner Erkenntnis nach auf diesen und das gilt nicht für ganz Sachsen. Im Dresdner Umland ist A. pantheria so häufig, dass den wohl kaum ein dort ansässiger Sachse mit dem "Grauenhaften Wulstling" verwechselt hat. Mit Perlpilzen hat das nichts zu tun.


    VG Jörg

    Weil Pilze keine Bücher lesen sehen sie selten so aus wie sie sollten

    Einmal editiert, zuletzt von Heuler22 ()

  • Stimmt, den Wulstling gibts ja auch noch!

    Vielleicht hatte ich letztens tatsächlich einen entdeckt! Der vermutete "Perlpilz" sah irgendwie farblich komisch aus und hatte ungewöhnlich spitz abstehende Punkte. Habe leider kein Foto gemacht!

  • Hallo ihr,


    Also ich hab da auch noch einen Einfall zu dem Thema. Meine Oma, mit der ich früher oft im Wald unterwegs war sagt zum Schopftintling "weiße Morcheln". Woher das kommt weiß ich nicht und ich kenn auch sonst keinen der das hier in Bayern sagt.


    Liebe Grüße

    Flo

  • Guten Abend


    Da sind wieder viele weitere interessante Beispiele gekommen. Danke euch dafür. :thumbup:


    Jetzt wird es ein bisschen komplizierter. Denn das Schafheiterl ist in unserer Gegend oft zu hören. Jedoch wird auch da nicht immer der gleiche Pilz gemeint. Ich kenne diesen Begriff als Synonym für Rotfußröhrlinge im Allgemeinen (Xerocomellus s.l.).


    Jedoch einige Kilometer tiefer im Bayerischen Wald wird damit der Schopftintling (Coprinus comatus) bezeichnet. Hier soll es mit den häutigen Zitzen des Schafes assoziiert werden.


    Bei 123pilze hingegen kommt man beim Schafheiterl zur Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus). Es steht zwar nicht (mehr?) drin, doch ich meine, mich erinnern zu können, dass man sich hier auf die Haut eines frischgeschorenen Schafes bezieht.


    LG Matthias

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