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Frage zu Pilzfunden direkt am Straßenrand

  • Hallo miteinander.


    Ich habe ein Frage, und hoffe, hier das richtige Unterforum gewählt zu haben.


    Ich habe in den letzten Tagen Pilze im Stadtbereich gefunden, Lilastielige Rötelritterlinge und eventuell Schokoladenbraune Mürblinge (oder ähnliches), beides auf Grünstreifen direkt an vielbefahrenen Straßen.


    Bei den lilastieligen würde es mich schon reizen, sie zu verspeisen, das ist aber bei dem Standort wahrscheinlich nicht ratsam?


    Wie ist die beste Handhabe bei Pilzfunden direkt am Straßenrand? Auch wenn ein Pilzfruchtleben nicht sehr lang ist, kann er ja wahrscheinlich schon einiges an Dreck und Ruß ansammeln? Vielleicht auch Schadstoffe direkt aus dem "urbanen" Boden?


    Das waren jetzt Zufallsfunde - sonst gehe ich natürlich in den Wald. :o)

  • Hallo Mallet,
    soviel ich aus der Literatur weiß, sollten solche Pilze keinesfalls gegessen werden. Auch wenn die Fruchtkörper selbst meist kurzlebig sind, werden diese vom eigentlichen Pilz dem Mycel gebildet und dieses nimmt alles, also unter anderem auch den Niederschlag aus Autoabgasen etc. weit besser auf, als jede sonstige Wurzel. Das Zeugs wird insoweit selbst verständlich auch an die Fruchtkörper abgegeben.
    Bin aber auch mal gespannt, was die Anderen dazu sagen.
    Viele Grüße
    Thomas

    Auch von mir selbstverständlich keine Essensfreigabe. Sämtliche Darlegungen und Aussagen sind subjektiv und unverbindlich.

  • Hallo, Mallet!


    Das würde ich auch so einschätzen wie Thomas. Das Mycel der PIlze nimmt die Stoffe aus dem Boden auf, und diese sind dann auch in den Fruchtkörpern zu finden.


    So würde ich zB auch keine Pilze von "Hundebelasteten Stellen" sammeln.
    Die andere Sache ist sie:

    Zitat


    eventuell Schokoladenbraune Mürblinge (oder ähnliches)


    Das sind ohnehin keine Speisepilze. Weil Speisepilze sind ja nur die, die man sicher erkennt. :wink:
    Immerhin ist es um die dann nicht schade, wie bei den Lilastieligen.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Uwe,


    na, du scheinst dich ja auszukennen:wink:


    Mich bewegt in diesem Zusammenhang aber noch eine andere Frage. Es gibt ja Pilze (Nebelkappe, bestimmte Champignonsarten u.a.) die nehmen von sich aus gerne Schwermetalle auf.
    Warum machen das nur diese Pilze und nicht alle? Sind solche Pilze besonders geeignt, um kontaminierte Böden von diesen Elementen zu befreien? Sind diese Stoffe vielleicht sogar für das eigene Wachstum ein besonderer Nährstoff?

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo, Veronika!


    Das muss wohl am Stoffwechsel der Pilze liegen. Die ernähren sich ja von ganz unteschiedlichen Substraten, nehmen also je nach Art ganz unterschiedliche Stoffe aus. Daß sie den Boden reinigen, ist wohl aber nur begrenzt so: Die Fruchtkörper vermodern ja wieder und somit müssten auch die Schwermetalle wieder an Ort und Stelle im Boden landen.



    LG; pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Veronika,


    die "biologische" Reinigung mit (meist genetisch veränderten Pilzen) ist immer wieder eine Thema in der Forschung.


    Siehe hier:
    https://forschung.boku.ac.at/f…enue_id_in=300&id_in=9388


    oder hier


    http://www.heise.de/tr/artikel…den-saeubern-1696024.html


    oder hier:


    http://derstandard.at/12978213…-gefaehrliche-Chemikalien


    es wird viel in den Medien darüber berichtet - was dann wirklich angewendet wird, das bleibt fast immer im Dunkel.


    Allerdings sind das meist kleinste Pilze, die Giftstoffe nachhaltig aubbauen sollen. Auch wenn der Heise-Artikel ganz richtigerweise die riesigen Dimensionen des Mycels anspricht.


    Nebelkappen ansetzen und abernten wäre wohl etwas mühsam :) und die Frage: Was tut mit den dann verseuchten Nebelkappen?


    LG Fred

  • Hallo, Fred!


    Stimmt und leuchtet ein. :agree:
    Vieles wandeln die Pilze ja beim Stoffwechsel auch um. Dann werden Fruchtkörper verzehrt von Tierchen, die möglicherweise ganz wo anders hinkommen...


    Da passiert schon einiges.
    Um Wälder und Wiesen zu schützen ist aber am zieführendsten, möglichst die Belastung durch Schadstoffe zu vermeiden. Oder immerhin weiter zu reduzieren. Das kommt uns ja unmittelbar selbst zu gute.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Vielen Dank für die informativen Antworten und Links - prima!


    Ich habe beschlossen, heute nochmal ganz normal im Wald zu schauen - wenn hier am innerstädtischen Straßenrand Pilze zu finden sind, dürfte es, zumal bei den milden Temperaturen, im Grünen vielleicht auch noch/wieder welche geben :o)


    Gruß aus Wiesbaden

  • Hallo alle zusammen,


    vielen Dank auch von mir zu meinen Fragen. Danke Fred für die 3 interessanten Links.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Liebe Pilzfreunde,
    Schwermetalle und Schadstoffe sind überall drin. Es gibt diesbezüglich einige interessante Untersuchungen welche alle zum Schluss kommen: Schwermetalle in Pilzen, werden praktisch durch die Unverdaubarkeit innert der Durchlaufzeit im Magen gar nicht resorbiert in dem Masse, dass der Körper schaden nimmt. Und: Pilze an Autostrassen weisen in der CH nicht höhre Kontaminationen aus, als z:B. Wildpilze auf Alphöhen entlang den Hauptverkehrsachsen, ja zum Teil noch weniger in Untersuchungen. Das ganze hat die Bio Knospe Schweiz in https://www.fibl.org/fileadmin…dpilze-gutachten-fibl.pdf dazu veranlasst zu Wildpilzen/Bio Stellung zu beziehen. Nuin, Alles was in freier Natur wächst, nimmt auch Schadstoffe auf. Die Frage ist, wo man Grenzwerte ansetzt.... Interessant dabei ist, wie unterschiedlich hier die Grenzwerte je nach Produkt jeweils in den Ländern der EU und in der CH fest gelegt werden.....Was ist Bio, was ist Konventionell? Was ist schädlich? Ich halte es mit der Formel: Nicht das Gift, sondern die Menge eines Giftes ist es... Wer isst schon täglich 1 kg Maronenröhrlinge, welche nachweislich immer noch überhöte Cäsiumwerte habe? Denn das ist es: Man müsste z.B. bei dem festgelegten Grenzwert für Cäsium jeden Tag über einige Wochen 1 bis 1.5 kg Maronenröhrlinge verfuttern, um tatsächlich krank zu werden. Nichts ist eben einfach und nur mit ja oder nein zu beantworten :-)

  • Tubersucher: Du hast deinen Erklärungen ganz bestimmt recht. Ich hab kürzlich auch mal mit einem Bioladen-Betreiber diskutiert, was das bedeuten soll, wenn eine Wildpflückung von Steinpilzen als "bio" bezeichnet wird :).


    Wir kamen auch zu dem Schluss, dass es lachhaft ist. Was die Straßenrandgeschichte angeht, ist das imho ein psychologisches Phänomen. Wenn etwas aus den Tiefen eines märchenhaften ("unberührten") Waldes kommt, hat das eine ganz andere Wirkung auf uns als wenn da die Laster vorbeifahren. Logisch sind solche Dinge nicht. Aber logisch ist das menschliche Essverhalten sowieso nicht :wink:
    LG Fred.

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