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Welcher Schirmpilz?

  • Hallo zusammen!


    Freue mich, dass ich endlich mal den Weg in ein Forum gefunden habe. Seit ich Laufen kann geht es bei uns in den Wald und ich ärgere mich jedes Mal, dass ich einiges stehen lassen muss, da ich es nicht zu 100% genau bestimmen kann - leider auch nicht mit Hilfe der detallierten Beschreibungen und Bilder bei 123pilze.de


    Heute war ich hoch erfreut, dass ich trotz der Trockenheit in den letzten Wochen potenziell essbare Kandidaten finden konnte - und das noch im eigenen Garten unter Tannen / Douglasien zwischen Nadeln und Efeu, also quasi waldbodenartig.


    Nach Recherche bei 123pilze.de kommen folgende Pilze in Frage:


    Sternschuppiger Riesenschirmpilz

    - pro: wie dort beschrieben, verfärbt sich das Fleisch beim besten Willen nicht ins rötliche, nur der Stiel; Ring unten braun und oben weiß

    - kontra: keine braune Natterung am Stiel, Schuppung am Hut ganz anders


    Safranschirmling

    - pro: Aussehen von Hut und Stiel passt hier zu 100%

    - kontra: bei meinem färbt sich Fleisch und Lamellen nicht


    Oder vielleicht doch eine der giftigen Varianten wie Gift-Riesenschirmpilz oder Garten-Safranschirmling...?


    Den Geruch enpfinde ich als relativ neutral, jedenfalls nicht unangenehm.

    Den Ring habe ich kurz gekostet - eine Beschreibugn wie leicht nussig könnte zutreffend sein.


    Ich bin auf eure Antworten gespannt!


    Viele Grüße,

    Lisa


  • Hallo Lisa,

    ich finde, dass der sternschuppige Riesenschirmpilz eigentlich ganz gut zu deinen Pilzen passt. Die Stielriefung ist wohl insgesamt bei ihm auch nicht immer sehr markant ausgeprägt, so dass ich dieses Merkmal nicht so überbewerten würde. Und die Hutschuppung finde ich eigentlich ganz passend. Hier ein Link zu einem Photo des stenschuppigen, das deinen Pilzen schon recht nahe kommt: Macrolepiota konradii - bedla Konradova - Mykoweb

    Viele Grüße

    Matthias

  • Hallo Lisa,


    ich habe Zweifel, ob du einen essbaren Schirmpilz überhaupt gefunden hast. leider fehlen bei den meisten Pilzen das Stielende, also die Knolle. Beim ganz rechten Pilz sieht man eine knollenähnliche Verdickung. Die Schuppen liegen mir auf einem zu weißen Untergrund und diese komische Gelbfärbung irritiert mich auch.Für Macrolepiota konradii müsste an den Stielen auch eine feine Natterung zu sehen sein. Das ist weder ein Grobscholliger noch ein Riesenschirmpilz, auch kein Safranschirmpilz. Und wenn du ihn im Garten gefunden hast, liegt es nahe, dass es sich um den Gift-Riesenschirmpilz handeln kann.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo Lisa,


    willkommen als Neue hier im Forum! Und das auch gleich noch mit so einem, zumindest auch für mich, schwierigen "Fall". Für den sternschuppigen und gegen den Gift-Riesenschirmling spräche auch auf jeden Fall der seltenere Umstand des zweifarbigen Rings. Auch der ungenatterte fast weiße Stiel muss ja laut dem Link von Matthias kein Ausschlusskriterium für ihn sein. Dafür passen aber, wie Veronika schon schrieb, so einige andere Faktoren z.B. Verfärbung wiederum gar nicht. Das wird wohl zwingend eine Aufgabe für die Experten werden.


    LG Thomas

  • Hallo Lisa,


    zunächst einmal herzlich willkommen im Forum !


    Was Deinen Fund anbelangt, kann ich mich da nur Veronika anschließen. Trotz (von einem Exemplar abgesehen) fehlender Stielbasen bin ich mir aufgrund des Aussehens und meiner Funderfahrung sicher, dass es sich hier keinesfalls um einen der Riesenschirmlinge (Macrolepiota), sondern um einen der Safranschirmlinge (Chlorophyllum) handelt.


    Und zwar um eine der giftverdächtigen oder giftigen Arten in Richtung Chlorophyllum brunneum/venenatum/rachodes etc.


    Besonders auf dem 2. Bild sieht man ja beim längsseitig angeschnittenen Stielbereich des mittleren Fruchtkörpers die safranfarbige Verfärbung und bei dem einen kompletten Exemplar kann man erkennen, dass die Stielbasis zumindest auffallend keulig verdickt ist. Ob sie eventl. gerandet knollig ist, was auch ein wichtiges Bestimmungsmerkmal wäre, ist für mich leider nicht erkennbar.


    Der einzig sicher essbare Safranschirmling ist der Olivbraune Safranschirmling (Chlorophyllum olivieri - ehemals Macrolepiota rachodes), dieser weist aber an der Hutoberfläche keinen auffälligen Kontrast wie der hier gezeigte Fund auf, sondern hat eine dunklere, olivbraune Hutfarbe und braune Schuppen, hat also eine kontrastarme Hutoberseite und erscheint hauptsächlich in der Nadelstreu von Fichtenwäldern.


    LG Sepp

    Eine Verzehrsfreigabe gibt es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort

  • Hallo!


    Wenn denn sowas wie eine "Macrolepiota venenata" existieren sollte (was ziemlich fraglich ist), dann wäre es aber auf jeden Fall auch ein Safranschirmling (Gattung: Chlorophyllum) und kein Riesenschirmling (Gattung: Macrolepiota).

    Das hier ist auf jeden Fall Chlorophyllum (Safranschirmlinge), der Stiel ist sowas von eindeutig ungenattert und die typische verfärbung ist ja auch wunderbar und gut zu erkennen.

    Das ist eben kein klassisches Rot, sondern so ein Safranrot und manchmal eben auch eher orange wie hier.

    Der einigermaßen einfache Ring und die groben, farblich deutlich vom Untergrund abgesetzten Schuppen deuten auf jeden Fall in die Richtung von Chlorophyllum brunneum s.l.(Gerandetknolliger Garten-Safranschirmling = Gift - Riesenschirmling), wobei auch das eventuell wieder zwei arten sein könnten (und bei einer die Knolle eben nicht immer so deutlich gerandet ist).

    Was wichtig ist: Solche Safranschirmlinge (grobe, farblich deutlich zum Untergrund kontrastierende Schuppen und einfacher Ring) gehören auf keinen Fall in die Pfanne, weil potentiell giftig.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Hallo Leute,


    wow, danke für das Feerdback :-) Experimente mache ich nicht, ist inzwischen alles schon wieder auf dem Mist gelandet. Hab nochmal ein paar Bilder gemacht, die den Standort und die Knolle zeigen (sorry, war schon dunkel). Die Knollen sind entweder einzeln, oder zu einem Bündel verwachsen (auf dem einen Bild ohne Stiele, die hatte ich dort schon abgeschnitten).


    Meine Mutti hat immer gesagt, ich solle unten abschneiden und nicht komplett ausreißen, um das Myzel nicht zu zerstören :saint: Aber habt Recht, zur Bestimmung ist das natürlich kontraproduktiv.


    Schönen Abend noch euch allen!


    VG Lisa

  • Hallo Lisa,


    für mich jetzt eindeutig giftiger Safranschirmpilz aus dem Garten.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo Zusammen!


    Das ist wieder mal einer der Beiträge, wo ich feststelle, wie sehr ich manchmal an der Oberfläche kratze!

    Tiefsten Respekt an alle, die hier noch wissen worum es genau geht!


    Lg

    Alex


    PS: nur so aus Interesse: was hat es mit dem Phantom auf sich?

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!


    Offizielle Freigaben kann es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort geben!

  • Hallo, Alex!


    "Phantom" meint in dem Fall: Ein Pilz, der zwar mal unter einem Namen beschrieben wurde, aber nicht mehr nachvollzogen werden kann, was das denn nu genau ist. Weil zB ein Typusbeleg fehlt, und wichtige morphologische Punkte in der Originalbeschreibung fehlen, bzw. bei späteren Funden nicht mehr nochvollzogen werden konnten.
    In deisem Fall kommt dazu, daß das Taxon "venenata" später nach Lust und Laune von verschiedenen Autoren interpretiert bzw. benutzt wurde, und zwar für verschiedene Pilze, so daß auch da kein einheitliches Bild herauskristallisiert hat.
    Im Klartext: "Macrolepiota venenata" ist sowas wie ein Name ohne dazugehörigen Pilz.



    LG; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Neue Schirmpilze, neues Glück!


    Guten Abend miteinander, soeben beim Spazieren im Wald am Wegesrand gefunden. Definitiv was anderes, nur max. 10cm Hutdurchmesser (ist aber auch Furztrocken hier), KEINE Verfärbung, Ring verschiebbar und unten eher braun, oben eher weiß, Stiel mit feiner brauner Natterung. Ich tippe auf diesen hier:


    Sternschuppiger Riesenschirmpilz, Sternschuppiger Riesenschirmpilz, Essbarer Gartenriesenschirmling, Grobscholliger Riesenschirmling (MACROLEPIOTA KONRADII SYN. MACROLEPIOTA RHODOSPERMA, LEUCOCOPRINUS FULIGINOSUS, MACROLEPIOTA PROCERA VAR. FULIGINOSA, LEPIOTA RHODOSPERMA)


    Viele Grüße!

  • Hi.


    Du kannst mal noch einen Hut absporen lassen, Mycrolepiota rhodosperma hat ein recht eigentümlich blassrosa Sporenpulver im Abwurf, manchmal auch rosaockerlich.

    Aber das Entscheidende: Hier hast du einen Riesenschirmling mit erkennbar komplexem Ring (doppelt, mit Laufrinne, erinnert an einen Oreo - Keks) und vor allem deutlich genattertem Stiel. Dazu nix mit safranroten oder safranorangenen verfärbungen.
    Also: Die Gattung ist Macrolepiota, nicht Chlorophyllum.
    Wenn du dir diese Unterschiede verinnerlicht hast, und Macrolepiota als Gattung sicher erkennen und von anderen Schirmlingen unterscheiden kannst, machst du nichts falsch, egal welche Art der Gattung es ist. Denn ausnahamslos alle europäischen Arten der Gattung Macrolepiota (durch oben genannte Merkmale definiert) sind essbar und lecker.



    Lg; Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

  • Danke Dir Pablo für die kurze und knackige Gattungszusammenfassung!


    Lg

    Alex

    Wie bei den Pilzen generell, so sind auch meine Angaben grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen!


    Ich bin kein Pilzexperte, nur ein mykologisch interessierter Laie!


    Offizielle Freigaben kann es nur beim Pilzsachverständigen vor Ort geben!

  • Hallo Pablo, vielen Dank auch von mir! Das Wissen nehme ich mit auf den nächsten Waldspaziergang. :)


    Aber mal ganz im Ernst - früher als ich noch mit meinen Eltern ging, da hatten wir durchaus Schirmpilze mit Verfärbung nach Anschnitt mit in den Korb wandern lassen und gegessen (von ggf. Olivbraunen Saftranschirmlingen wussten wir noch nichts). Beschwerden hatten wir nie im Anschluss :blush: Wahrscheinlich gilt bei manchen Pilzen: Die Dosis macht das Gift. Waren immer nur max 20% dieser Schirmlinge. Das Wissen um das Pilzesammeln ging vom Opa - zur Mutti - zu mir, wie in so vielen Fällen. Was ich da gelernt habe, habe ich nie in Frage gestellt. Nur zu gern würde ich dieses Wissen weiter ausbauen - was auch dringend nötig ist, wie ich hier gerade feststelle :hmmm:


    Schönen Abend euch allen!

    Lisa

  • Hallo Lisa,


    mach dir keine Gedanken, das geht uns hier fast allen so!

    Die selbe Geschichte, "Wissensvererbung" zwischen den Generationen, könnte doch fast jeder genau so erzählen.:)

    Und, es war ja auch nicht alles falsch, nur nach heutigem Wissensstand eben auch nicht alles mehr ganz richtig.


    LG Thomas

  • Hallo, Lisa!


    Ich kann mir auch vorstellen, daß ihr eben die klassischen "Safranschirmlinge" aus dem Wald gesammelt habt. Also die, die fast wie Parasol aussehen, aber etwas struppiger auf dem Hut und eben ohne genatterten Stiel. Das ist nach aktuellem wissenschaftlichen Stand dann Chlorophyllum olivieri, und auch den kennen viele Leute, ohne ihn so benennen zu können. Macht aber auch nichts: Denn instinktiv lassen die dann die Fungern von den helleren, breiter und gröber und flacher geschuppten Safranschirmlingen aus Gärten, von Wiesenrändern und so weiter.
    Diese "Chlorophyllum olivieri" sind auch ungeiftig und sehr lecker, und ich sammle sie ja selbst auch oft.



    LG, Pablo.

    Das Internet ist "Hilfe zur Selbsthilfe" und kann nur Vorschläge zu Bestimmung von Pilzen bieten. Eine Verzehrfreigabe ist online nicht möglich, die gibt's beim >Pilzsachverständigen<.

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