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Pfifferlinge mit "versteckten" leisten?

  • Hallo, kann mir jemand sagen was mit diesen Pfifferlinge los ist? :hmmm:^^

    Das sind doch Pfifferlinge, oder?

    Sind sie vielleicht mit einer Art Schimmelpilz oder so befallen?


    ---

    Es sieht aber eher so aus, als hätten sich die Leisten irgendwie nicht richtig ausgebildet.

    Die Oberfläche fühlt sich samtig an.



  • Hallo Helen,

    schwärzen diese Exemplare nach Befassen oder beim Liegenlassen? Oder bekommen sie mit der Zeit feuerrote Flecken? Und hast du ein Foto von der Hutoberseite? Sind die beiden Exemplare inmitten normaler Pfifferlinge gewachsen oder etwas abseits für sich?

    Es gibt nicht nur "den" Pfifferling, sondern ein paar verschiedene, teilweise sehr seltene Arten. Sie werden nur meist achtlos aufgegessen statt untersucht, daher sind sie wenig bekannt.

    Auf der anderen Seite sind Leisten Teil des Hutfleischs, sozusagen Runzeln, daher müssen sie nicht immer lamellenartig ausgebildet sein.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hi.


    Interessanter Fund. Selbst gesehen habe ich so etwas noch nicht. Es gibt durchaus Arten, die im Hymenophor so aussehen sollen, nur gehören die eher nach Nordamerika (Cantharellus lateritius, Cantharellus flavolateritius etc.).

    Von daher würden mich Stephans Fragen und die dazugehörigen Antworten auch interessieren.


    LG.

  • Hallo,

    ich denke, es handelt sich um eine sogenannte Bildungsabweichung, Teratologie genannt. Es kommt zu allen möglichen Erscheinungsformen, z. B. Riesen- und Zwergenwuchs bei Pilzen oder Pilze werden von Viren und andern Pilzen befallen. In diesem Fall vermute ich einen Virusbefall.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo!

    schwärzen diese Exemplare nach Befassen oder beim Liegenlassen? Oder bekommen sie mit der Zeit feuerrote Flecken?

    Die werden einfach etwas dunkler, einfach braun.

    Hier sieht man ein bisschen.



    Und hast du ein Foto von der Hutoberseite?


    Ja, hier. Und die Farbe sieht hier echter aus. Vielleicht nicht sooo leuchtend, aber eher orange, als gelb, wie bei ersten Bilder.




    Sind die beiden Exemplare inmitten normaler Pfifferlinge gewachsen oder etwas abseits für sich?

    Da waren vier insgesamt, zwei waren kleiner, deswegen im Wald geblieben. In diesem Wald habe ich dieser Sommer schon mehrere Exemplare gefunden und die waren bis jetzt alle normal.




    Könnte dann ja zumindest theoretisch ne eingeschleppte Art sein. Irgendwelche nicht einheimischen Bäume in der Nähe?

    Weiß nicht genau :)


    ich denke, es handelt sich um eine sogenannte Bildungsabweichung, Teratologie genannt. Es kommt zu allen möglichen Erscheinungsformen, z. B. Riesen- und Zwergenwuchs bei Pilzen oder Pilze werden von Viren und andern Pilzen befallen. In diesem Fall vermute ich einen Virusbefall.

    Irgendwie hab ich auch so ein Gefühl. Die sehen einerseits genauso wie Normale, nur die Leisten sind so komisch. Und da es gleichzeitig bei beiden vorkommt, die zusammen wuchsen, spricht es für etwas ansteckendes.

  • Hallo Zusammen

    Mich würde als allererstes interessieren in welchem Land/Region man diesen Fund gemacht hat?

    Ansonsten vermute ich auch wie Veronika.

    BG Andy

  • Servas Helen,


    auf deiner ersten Aufnahme sehe ich einen frisch geduschten Pilz, auf Küchenrolle. Hab die Aufnahme ein wenig bearbeitet,





    deine zweite auch,




    Die nicht, habe ich mir aus Wolfgang's Fundus geklaut ausgeborgt,




    Goldschimmel fliegt raus, der befällt ausschließliche Röhrlinge. Eine Tetralogie auch, missgebildet ist dein Fund nicht.


    Mein Verdacht ist ein anderer. Deine Beschreibung der Hutbeschaffenheit 'samtig' lässt auf den Falschen Pfifferling schließen. Der gelbliche Belag könnten Sporen sein, die vor deiner Dusche nicht rechtzeitig flüchten konnten.


    Probier mal die Nagelrobe aus, ob sich das Hymenophor verschieben lässt,


    lgpeter

  • Hi.


    Falscher Pfifferling würde ich nun wiederum nach der Bildlage ausschließen. Wenn die Missbildung per Bild ausgeschlossen werden kann, dann wohl auch der Falsche Pfifferling. ;)

    So oder so würde der Fund bei mir jedenfalls getrocknet und in dem Döschen mit der Aufschrift "Sequenz machen bei Geldregen" landen, weil eben einigermaßen ungewöhnlich. :P


    Die Alternative wäre vor Ort nochmal nachzuschauen und eingehender zu dokumentieren was da so rumsteht und wie die weiteren Fruchtkörper aussehen.


    LG.

  • Hallo zusammen,

    nach den nun vorliegenden zusätzlichen Daten sehe ich aus meiner Sicht nichts, was gegen den "normalen" Pfiffer spricht. Er ist ja auch nicht völlig leistenlos.

    Möglicherweise kommt das mit dem halbwegs glatten Hymenophor nicht so selten vor, wie man meint - wie gesagt werden Pfiffer meistens nicht näher angeschaut, sondern einfach so in den Kochtopf geworfen.

    Auf jeden Fall ist es ein interessanter Fund.

    FG

    StephanW

    Für meine hier gemachten Aussagen zu Pilzen übernehme ich keinerlei Haftung, es sind insbesondere keine Essfreigaben.

  • Hallo Diskutierende,


    interessant welche Meinungen zu diesen Pfifferlingen ans Licht kommen. Zu Peter - der Begriff Tetralogie umfasst ja nicht nur missgebildete Fruchtkörper, sondern ist sehr viel umfangreicher. Da gehört z.B. auch Pilzbefall wie beim sogenannten Steinreizker dazu und auch eben Viren. Bei Milchlingen wird das Wachstum hauptsächlich durch Pilzbefall unterdrückt, vor allem kann sich kein Hymenium richtig ausbilden und die Trama verhärtet sich wie eben Stein. Der Pfifferling sieht einem Steinreizker durchaus ähnlich.

    Viele Grüße


    Veronika Weisheit
    Pilzberaterin Landkreis Rostock




    Hinweis: Hier im Forum wird es von mir keine Verzehrfreigaben geben, weil eine Bestimmung über Bild immer fehlerhaft sein kann.

  • Hallo Uwe,

    Solch eine einfache Bildungsabweichung ist doch überhaupt nicht selten. Ähnliches gibt es auch bei Lamellenpilzen und Röhrlingen.

    Das ist ja spannend, dass dir sowas anscheinend häufiger begegnet.


    Ich habe all sowas noch nie gesehen, weder bei Lamellenpilzen noch bei Röhrlingen oder Leistlingen, und ich suche/sammle ja nicht gerade selten. Das einzige, was ich bisher an Abweichungen gefunden habe, waren deformierte FK oder Doppeldecker. Vom Steinreizker habe ich schon gehört, aber noch nie einen gesehen.


    Deshalb finde ich das alles sehr interessant, sowohl diese Pfifferlinge hier als auch, dass es sowas insgesamt häufiger gibt.


    Beste Grüße

    Sabine

  • Es muß nicht immer ein Reizker sein. Funktioniert auch mit Röhrlingen. Schau hier, du mußt etwas herunterscrollen: Kuriosit舩en

    Na gut, schimmlige Röhrlinge habe ich natürlich schon jede Menge gesehen, und die wenigsten davon habe ich angefasst. Vielleicht wäre der eine oder andere ja tatsächlich hart gewesen.


    Beste Grüße

    Sabine

  • 'n Abend,


    meine Theorie mit den gewässerten Sporen ist etwas verwegen, aber eine bessere hab' ich zZ nicht.

    Sollte Helen mittels Nagelprobe Lamellen von Leisten unterscheiden können wären wir schon mal in der richtigen Gattung.


    interessant welche Meinungen zu diesen Pfifferlingen ans Licht kommen. Zu Peter - der Begriff Tetralogie umfasst ja nicht nur missgebildete Fruchtkörper, sondern ist sehr viel umfangreicher. Da gehört z.B. auch Pilzbefall wie beim sogenannten Steinreizker dazu und auch eben Viren. Bei Milchlingen wird das Wachstum hauptsächlich durch Pilzbefall unterdrückt, vor allem kann sich kein Hymenium richtig ausbilden und die Trama verhärtet sich wie eben Stein. Der Pfifferling sieht einem Steinreizker durchaus ähnlich.


    Liebe Veronika,


    Steinreizker sind etwas eigenes, dass wäre der Finderin über's Gewicht aufgefallen. Habe noch nie solchen Befall auf Eierschwammerl gefunden, ein einziges mal auf diesem Pilz,







    Klar hab' ich nachgefragt und auch eine Antwort dazu erhalten,


    es hat schon so seinen Grund, warum in der DB nur wenig Hypomyces drin ist. Die kommen immer wieder mal vor (hab grad heute Hypomyces aurantius getrocknet auf Meripilus giganteus), sind aber mit ganz wenigen Ausnahmen sehr schwer bis beinahe unbestimmbar. Es gibt da sehr viele Arten! Denk allein an die lange Namensliste im IF (214!). Meistens sind sie auch unreif und dann gar nicht bestimmbar. Außerdem muss man das Substrat wissen.

    Bestimmen der Hypomyces-Arten funktioniert mit Reinkultur anlegen, Mycel in Flüssigkultur überführen, wachsen lassen, sequenzieren…


    Ohne genaue Substrat läuft da nix.


    Für mich bleibt Helen's Anfrage weiterhin spannend,


    lgpeter

  • Hi.


    Craig Venter nicht, aber in Spanien bekommt man die Sequenzierung auch als Hobby-Pilzler zu vernünftigen Preisen: alvalab.es - Inicio


    Wenn's mal irgendwo in der Bestimmung komplett hakt und einen der Pilz sehr wurmt, kann man das in Anspruch nehmen. Das ideale Ergebnis wäre dann eine 100% Übereinstimmung mit einer hinterlegten Sequenz und entsprechend dazugehöriger Makro- und Mikro-Doku. Wenn man Pech hat, ist man aber hinterher genauso schlau wie vorher.


    Habe ich bisher aber auch noch nicht gemacht, wobei ich es bei einem Fund stark in Erwägung ziehe...


    Lg.

  • Hi,


    DNA-Sequezierung-Geräte für den Einsatz 'im Feld' gibt es bereits,


    Wissenschaftler identifizieren Frosch durch DNA-Test, ohne dafür den Wald zu verlassen - Mongabay Deutsch Was beim Frosch funktioniert sollte bei Pilzen auch kein Problem sein. Auf eine 100 % ige Übereinstimmung würde ich dennoch nicht hoffen, es gibt mehr falsch in Fungarien hinterlegte Pilze als Amphibien in Rexgläsern.


    Einmal ein paar Kröten investiert, sequenziert's sich's ohne Kosten weiter, ungeniert, :wink:


    lgpeter

  • Also, Sequenzierung einzelner Specimen macht nur Sinn wenn man eine Datenbank hat, die so viele Referenzproben enthält, dass die normale Variabilität der Art einschätzbar ist, und so die einzelne Probe einzuordnen ist. Besser noch, natürlich sollte man zur Einordnung einer deutschen Probe keine Spanische Datenbank heranziehen. Da wäre eine europäische oder Deutsche Referenz natürlich besser. Das ist jetzt natürlich etwas vereinfacht, aber solche Vergleiche müssen sehr gut validiert/verifiziert sein. Das ist auch in der Forschung kein triviales Problem.
    Insofern sollte man sich vor einer Analyse sehr gut informieren, Umzug beurteilen, ob das wirklich zielführend ist. Nur die Sequenz der eigenen Probe bringt nix, auch wenn man die mittlerweile für n paar Cent bekommen sollte.

  • Hallo.


    Für ein paar Cent bekommt man die Sequenz auch heute noch nicht, auch wenn sie natürlich deutlich erschwinglicher geworden ist. Sonst hätte ich da auch weniger Skrupel.

    Ein 100% Match ist hingegen schon ein ganz ordentliches Ergebnis - besser wird's nicht, außer man lässt das ganze Genom sequenzieren. Da sind wir dann aber bei der Praktikabilität, die das momentan eher nicht erlaubt.

    Dass eine ordentliche Doku trotzdem dazu gehört, steht ja oben:

    Zitat

    Das ideale Ergebnis wäre dann eine 100% Übereinstimmung mit einer hinterlegten Sequenz und entsprechend dazugehöriger Makro- und Mikro-Doku.

    Dass viele Sequenzen in den Datenbanken falsch benannt sind, muss man als gegeben ansehen, ebenso wie den Faktor, dass die ein oder andere Gattung sich sträubt sich über die gängigen Nukleotidsequenzen ordentlich identifizieren zu lassen. Von daher muss man natürlich schauen, wer da was in die Datenbanken eingespeist hat und ob die Sequenzierer so nett waren einen Verweis auf ihre Doku hinzugefügt haben. Das sollte ohnehin als Good-Practice-Standard Einzug halten. Übereinstimmende Basenpaare ohne jeglichen weiteren Infos nützen naturgemäß wenig.

    Eine Trennung in deutsche/spanische oder sonstige länderspezifische Datenbanken kenne ich ehrlich gesagt gar nicht. Die üblichen Datenbanken, die ich kenne sind global und das ist eigentlich auch ganz gut so. Wäre ja furchtbar, da diverse Webseiten zum Vergleich der Sequenz ansteuern zu müssen. Der Fundort steht dann üblicherweise irgendwo in den hinterlegten Daten dabei.


    LG.

  • So, ich war heute überaus erfolgreich und hab meine Pfifferlinge mal ganz genau angeschaut: es waren überwiegend C. amethysteus.

    In einer großen Gruppe hatte ich einen mit reduzierten Leisten, allerdings nicht so stark wie bei Helens und außerdem einen mit violetten Flecken auf den Leisten. Eine gewisse Variabilität kommt also durchaus vor.


    Viele Grüße,

    Bernhard

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